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Reportage am Montag
Auf der Suche nach vergessenen Orten

Reportage am Montag: Auf der Suche nach vergessenen Orten
Die Bildwanderer Manfred Roeßing (l.) und Richie Schwarz richten ihre Objektive auf die "Streithähne" am Ententeich im Dinslakener Stadtpark. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Als "Bildwanderer" sind die Hobbyfotografen Manfred Roeßing und Richie Schwarz immer auf der Suche nach vergessenen Orten. Zwischen dem 9. und 19. Februar stellen sie ihre Bilder in der Sparkasse Dinslaken aus. Von Florian Langhoff

Neben dem Ententeich am Rathaus stehen zwei Stative mit Kameras bereit. Manfred Roeßing und Richie Schwarz blicken durch ihre Sucher. Ein paar Einstellungen hier, ein paar Knöpfe drücken dort und schon ist ein Foto im Kasten. "Wir wollten für unsere Ausstellung in der Sparkasse auch ein paar Motive aus Dinslaken haben", erklärt Manfred Roeßing. "Die Menschen sollen auch etwas zu sehen bekommen, mit dem sie sich identifizieren können."

Ansonsten sind die beiden "Bildwanderer" nämlich nicht unbedingt in Dinslaken unterwegs. Ihre Spezialität, wenn es um Motive geht, sind nämlich "lost places" - verlassene oder vergessene Orte, an denen sie sich auf die Spuren der Vergangenheit begeben. Das können verlassene Villen oder Schlösser sein, verlassene Industriehallen, die seit Jahrzehnten niemand mehr betreten hat, aber auch das Haus in der Nachbarschaft sein. "Manchmal stirbt der letzte Bewohner eines Hauses, und das steht dann über Jahre leer. Oder Menschen lassen einfach alles zurück, als wären sie nur kurz weg und würden gleich wiederkommen. Da fragt man sich schon, warum jemand sowas macht", sagt Richie Schwarz.

Bilder, die in der Ausstellung von Manfred Roeßing und Richie Schwarz zu sehen sind:

Genau an diesen Orten finden er und Manfred Roeßing aber ihre Motive: Orte, die einstmals belebt waren, aber nun verwaist sind, Blicke auf vergessene Geschichten. "Als wir Kinder waren, haben wir doch auch am liebsten auf Baustellen, in alten Bunkern oder an ähnlichen Orten gespielt. Spielplätze waren langweilig", erklärt Richie Schwarz die Faszination dieser besonderen Plätze.

Diese finden die Fotografen häufig über das Internet, wo sich Fotografen mit ähnlichem Interesse austauschen und sich gegenseitig Tipps geben. Für entsprechende Aufnahmeorte reisen die beiden "Bildwanderer" gelegentlich auch durch das Bundesland oder in Richtung Belgien. "Manchmal reicht es aber auch, mit einem offenen Auge durch die eigene Heimatstadt zu gehen, um entsprechende Plätze zu finden", sagt Richie Schwarz und wirft einen Blick auf die Kathrin-Türks-Halle nebenan. Die würde die beiden Hobbyfotografen zur Zeit auch reizen. "Wir kennen die Halle als Besucher, aber jetzt wird es da drinnen natürlich ganz anders aussehen, als sonst. Und das sind Bilder, die man später so nicht mehr zu Gesicht bekommt." Also genau das, wonach die beiden "Bildwanderer" suchen. Dieser Begriff stammt übrigens aus der Jugendzeit der beiden, die sich schon seit 35 Jahren kennen. "Wir waren damals die Jugend des Sauerländischen Gebirgsvereins und nannten uns einfach nur die Wanderer. Und nachdem wir beiden uns mit Fotografie beschäftigen, sind daraus die Bildwanderer geworden", erklärt Richie Schwarz. Wobei das eigentliche Fotografieren nur die erste Hälfte ihres Hobbies darstellt. Denn die beiden Fotografen arbeiten mit so genannten "High Dynamic Range"-Bildern. Zu Deutsch: Bildern mit einem hohen Dynamikbereich.

Auf diese Art zu fotografieren sind die Bildwanderer erst vor wenigen Jahren gekommen. "Wir haben beide mit Reisefotografie und dem angefangen, was man im Alltag so macht", erklärt Michael Roeßing. Allerdings beide direkt mit Spiegelreflexkameras. Die Schnappschüsse, die so entstanden, sind etwas ganz anderes, als HDR-Aufnahmen. Diese zu erstellen ist schon etwas komplexer, als einfach den Auslöser an der Digitalkamera zu drücken. "Man muss mindestens drei Aufnahmen vom gleichen Motiv erstellen", erklärt Manfred Roeßing. Eine davon wird absichtlich überbelichtet und die andere unterbelichtet, während das dritte Bild normal gemacht wird. Ein spezielles Computerprogramm setzt die unterschiedlichen Einzelbilder dann zu einer einzelnen Aufnahme zusammen.

"Das Bild ist dann tatsächlich so, wie unser Auge das Motiv wahrnimmt", erklärt Richie Schwarz. Kurz gesagt: wesentlich kontrastreicher und farbintensiver als herkömmliche Aufnahmen. Aber auch das ist nur der Ausgangspunkt für die Werke, die beide Fotografen ab dem 9. Februar in der Sparkasse an der Friedrich-Ebert-Straße ausstellen. "Wenn das HDR-Bild fertig ist, kann man mit einem normalen Bildbearbeitungsprogramm mit vielen Dingen spielen", sagt Richie Schwarz. So entstehen dann aus drei oder mehr Einzelbildern nach komplexer Bildbearbeitung am Computer die Werke der "Bildwanderer".

Jetzt freuen sich die beiden Hobbyfotografen darüber, diese im Rahmen der Ausstellung präsentieren zu können. Bis zum 19. Februar sind die Bilder zu den normalen Öffnungszeiten der Sparkassenfiliale zu sehen.

Quelle: RP
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