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Dinslaken
Auf kleinen Flitzern in Richtung Sieg

Dinslaken: Auf kleinen Flitzern in Richtung Sieg
Klein, aber schnell und erfolgreich: Till Belczykowski fährt Rennen in ganz Europa. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Till Belczykowski (10) ist erfolgreich mit Pocket- und Minibike auf Rennstrecken in ganz Europa unterwegs. Von Florian Langhoff

Seine Leidenschaft für Motorräder entdeckte Till Belczykowski früh. "Ich habe meinem Vater immer beim Fahren zugeschaut und dann wollte ich mal selbst", erklärt der Zehnjährige. Also bastelte ihm sein Vater Jörg einen Elektromotor in ein Pocketbike. "Damit bin ich dann die ersten Runden auf dem Garagenhof gefahren. Da war ich etwa fünf Jahre alt", erzählt er.

Aus den ersten Fahrversuchen entstand der Wunsch, mit dem Zweirad auch an Rennen teilzunehmen. Vater Jörg, der selbst ein begeisterter Pocketbike-Pilot war, unterstützte den Wunsch seines Sohnes. Und so ging Till 2011 als einer der jüngsten Fahrer bei der holländischen Pocketbike-Meisterschaft an den Start.

Aber warum im Nachbarland? "Zu dieser Zeit durfte man bei deutschen Meisterschaften nur mit einem bestimmten Modell an den Start gehen", erklärt Vater Jörg. Und das war für seinen Sohn nicht verfügbar. Also ging es in den Niederlanden auf die Rennstrecken. Die bieten übrigens auch die nächsten Trainingsmöglichkeiten für den jungen Motorradrennfahrer. "Wir sind eigentlich jedes Wochenende unterwegs. Entweder zum Training, zum Rennen oder beides gleichzeitig", erklärt Jörg Belczykowski.

Die nächste Trainingsmöglichkeit ist gut 150 Kilometer weit entfernt, jenseits der niederländischen Grenze. In Deutschland wären noch weitere Fahrten notwendig. "Für uns sind die Fahrten an den Wochenenden wie Urlaub", erklärt Vater Jörg. "Andere fahren drei Wochen nach Italien und wir jedes Wochenende mit dem Wohnwagen irgendwo anders hin." Manchmal übernachten er und sein Sohn auch einfach im geräumigen Auto. Wenn Mutter Sandra mitfährt, kommt allerdings immer der Wohnwagen zum Einsatz. Allerdings beschäftigt das Hobby die Familie nicht nur am Wochenende, wenn Training und Rennen auf dem Plan stehen. "Unter der Woche wird die Maschine immer einmal komplett zerlegt und gereinigt und alle Teile überprüft", erklärt Jörg Belczykowski, der sich extra für diese Aufgabe die Garage im Haus zu einer Werkstatt umgestaltet hat. "Schließlich möchte ich, dass Till auch sicher unterwegs ist." Um das Risiko, das beim Rennsport immer vorhanden ist, wissen sowohl Vater und Sohn. "Er ist mit einem Helm ausgestattet und trägt in seinem Anzug quasi überall Protektoren, die ihn im Falle eines Sturzes schützen", erklärt sein Vater.

Doch nicht nur Zeit investiert die Familie in das Hobby, sondern auch Geld. Mehrere Tausend Euro kostet eine Rennsaison alleine für Ausrüstung, Material und Startgelder. "Es wäre schön, wenn wir dafür einen oder mehrere Sponsoren hätten. Aber die zu finden, ist nicht ganz einfach", erklärt Jörg Belczykowski. Und in Zukunft könnte das Hobby noch teurer werden. Denn mittlerweile geht Till auch bei den Minibikes in der deutschen Meisterschaft an den Start. Die Maschinen sind hier etwas größer, als die Pocketbikes und bringen mehr Leistung. Mit 90 bis 100 Kilometern in der Stunde geht es hier auf die Strecke. "Viele Sachen sind für mich noch neu", erklärt der junge Rennfahrer.

Im Gegensatz zu den Pocketbikes muss er bei den Minibikes nicht nur lenken und Gas geben, sondern auch an der richtigen Stelle die Gänge wechseln. "In den ersten Rennen hat er beim Start immer zwei Plätze verloren", erzählt Jörg Belczykowski.

"Mittlerweile macht er die gut." So wundert es nicht, dass der junge Motorradpilot sich schon eine Top-10-Platzierung in der Rangliste der Deutschen Meisterschaft gesichert hat. Besser lief es in den Niederlanden bei den Rennen mit den Pocketbikes, wo der Zehnjährige in seiner Altersklasse den Meistertitel in der auch für Nicht-Niederländer geöffneten Version der Meisterschaft einfuhr. Außerdem startete Till auch bei der Europameisterschaft und belegte dort den vierten Platz.

Ob bei so viel Begeisterung für Motorradrennen später auch mal ein Motorradführerschein für die Straße gemacht werden soll? "Das ist viel zu gefährlich, meistens wegen der anderen Verkehrsteilnehmer", winkt Jörg Belczykowski ab.

Und auch Till selbst würde sich nicht unbedingt auf einem motorisierten Zweirad auf die Straße begeben, wenn auch aus einem völlige anderen Grund. "Da muss man sich an Regeln halten. Ich gebe lieber Vollgas", sagt der zehnjährige Walsumer mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Quelle: RP
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