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Voerde
Aufführung thematisiert den Terrorismus

Voerde: Aufführung thematisiert den Terrorismus
Die Theater-AG des Gymnasiums Voerde führte das Stück "Die Gerechten" von Albert Camus auf. FOTO: Heiko Kempken
Voerde. Die Theater-AG des Gymnasiums Voerde wagte sich an "Die Gerechten" von Albert Camus - ein beeindruckender Abend. Von Nina Meise

Es ist dunkel und ruhig. Plötzlich ertönen Peitschenschläge und markerschütternde Schreie. Das Licht geht an und zu sehen ist ein Mann, der auf dem Boden kniet, mit den Armen nach oben gefesselt, den Rücken zum Publikum gewandt, der voller Wunden ist. Eindrucksvoll und unvermittelt beginnt das Bühnenstück der Theater-AG des Gymnasiums Voerde. "Die Gerechten", ein Drama des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus, wird aufgeführt. Basierend auf einer wahren Begebenheit, erzählt das Stück von dem Attentat im Jahre 1905 auf den russischen Großfürsten Sergej Alexandrowitsch Romanow, der für sein despotisches und antisemitisches Regiment berüchtigt war.

Stepan, gerade aus dem Zuchthaus entlassen, kehrt zu seiner terroristischen Einheit zurück, um mit dieser gemeinsam das Attentat zu planen und durchzuführen. Am Tag des Anschlags ist der Fürst in Begleitung von Kindern. Iwan Kaljajev, ausgewählt, den Anschlag durchzuführen, ist nicht bereit, dies zu tun, solange die Kinder bei ihm sind. Er bricht die geplante Tat in letzter Minute ab. Von diesem Punkt an ist das terroristische Lager gespalten. Während die meisten der Gruppe Kaljajevs Entscheidung verstehen können, stößt dieser bei Stepan nur noch auf Abneigung: Der radikale Revoluzzer ist der Meinung, dass die Revolution keine Grenzen hat. Nach einem erneuten Versuch gelingt Kaljajev das Attentat. Was nun folgt, sind ein langer Prozess und die Hinrichtung des Attentäters.

Während der gesamten Zeit stellt das Stück immer wieder dieselben Fragen: Kann man durch Gewalt ein gewaltfreies System schaffen? Wie verändert Gewalt den Menschen? Was ist gerecht und was ungerecht? "Wir wollten etwas Anspruchsvolles zeigen", sagt Paulina Obszanski, eine der 14 Darstellerinnen der Theater-AG.

Anspruchsvoll und am Puls der Zeit - die Schülerinnen und Schüler haben sich der schweren Kost des Stückes angenommen und sich vor dem Hintergrund des aktuellen Terrorgeschehens mit diesem Thema auseinander gesetzt. "Ich versuche auch immer, Stücke für die AG auszuwählen, die zu der gegenwärtigen Situation passen", sagt Jörg Detmold, Lehrer am Gymnasium und Leiter der Theatergruppe.

Die Macht der Worte wird in dieser Inszenierung groß geschrieben. Dies verdeutlicht das aufs Mindeste reduzierte Bühnenbild und die bescheidene und unauffällige Kostümierung der Darsteller. Der Zuschauer ist komplett auf die Worte der Schauspieler konzentriert und kann sich so, ohne Ablenkung, vollends den Reden der russischen Revolutionäre hingeben. Die Rollen der einzelnen Schüler wirken wie maßgeschneidert und verleihen dem Stück dadurch noch mehr Ausdrucksstärke. "Das liegt daran, dass ich die Stücke auch so auswähle, dass ich direkt überlege, welcher Schüler welchen Charakter am besten verkörpern könnte", erklärt Detmold.

Mit tosendem Beifall werden die Darsteller nach der Aufführung von der Bühne verabschiedet. Ein eindrucksvoller Abend für die Zuschauer und eine erfolgreiche Vorführung für Jörg Detmold und die Mitglieder der Theater-AG des Gymnasiums geht zu Ende.

Quelle: RP
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