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Dinslaken
„Wir sind einig im Geiste“
Dinslaken: „Wir sind einig im Geiste“
Kniffelige Aufgabe gut gelöst: Nur mit ihren Händen sollten die Jungen und Mädchen für zehn Sekunden den Boden berühren. Mit Hilfe der anderen, die die Schultern als Ablageplatz für die Füße bereitstellten, klappte das auch prima. FOTO: RPO
Dinslaken. „Gemeinde – wie ein großer Körper“: Das Motto des Kinderbibelmorgens der Evangelischen Kirchengemeinde im Johannahaus bot reichlich Stoff für Spiele, Lieder und die Erkenntnis, wie sehr wir einander brauchen. Von Lena Steeg

„Ohne Augen kann man kein Pilot werden“, sagt Jakob mit Blick auf den Teelichterkreis zu seinen Füßen. Die Gruppe nickt nachdenklich. „Und wenn man nur Arme hätte, ganz viele sogar, aber keinen Mund, dann könnte man die leckeren Plätzchen zwar greifen, aber nicht probieren“, fügt Katharina hinzu. Wieder einhelliges Nicken. Damit steht also fest: Wir brauchen alles, können auf nichts verzichten. „Jeder Körperteil ist wichtig, auch der kleine Zeh kann uns die größten Schmerzen bereiten, wenn wir ihn uns stoßen“, sagt Pastor Armin von Eynern.

Genau darum geht es an diesem Morgen im Johannahaus: Um die Erkenntnis, dass der Körper erst durch jede noch so kleine Einheit komplettiert wird. „Der Körper“ ist dabei Metapher für die Kirchengemeinde. Jedes Mitglied hat seinen festen Platz, seine Aufgaben, seine Funktion. Und auch wenn die auf den ersten Blick nicht immer tragend erscheint– darauf verzichten könnte die Gruppe nicht. Alles bräche zusammen, erschütterte das System, wenn ein Teil fehlen würde.

Ein mysteriöser Lichterkreis

Deshalb heißt es nun: den Anderen danken, ihnen eine Freude bereiten. Während die Kinder im Kreis sitzen, Beine wippend „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“ singen und dazu den Akkorden von Armin von Eynerns Gitarre lauschen, entzündet Jugendleiter Ralf Brocker einen kleinen Kreis aus Teelichtern. Womit das große Raten eröffnet ist: Wozu die Kerzen? „Hat vielleicht jemand Geburtstag?“, will Jakob wissen. „Dürfen wir die auspusten und uns was wünschen?“, hofft Bastian. „Kann ich eine rausnehmen?“ Wieder Jakob. „Wenn wir jetzt ein Licht wegnehmen, ist der Kreis doch nicht mehr vollständig. Das sähe doch nicht schön aus“, appelliert von Eynern gleichzeitig an Ästhetik- und Gemeinschaftsbewusstsein der Kleinen. Der Einwand wird akzeptiert. Die Ratlosigkeit bleibt.

Das Licht stehe für die Wertschätzung, mit der man den anderen begegne, erklärt Jugendleiter Ralf, und schnappt sich die Gitarre. Zu deren leisen Klängen soll nun nacheinander jedes Kind ein Teelicht aus dem Kreis nehmen und es einem anderen, möglichst noch nicht allzu gut bekannten Kind schenken. Das wiederum greift dann das nächste Kerzenglas und reicht es weiter, bis jeder ein Lichtlein hat und sich der Kreis wieder schließt.

Die Wirkung bleibt nicht aus. Während die 13-jährige Marthe ihre Kerze ganz souverän einem der jüngeren Mitglieder in die Hand drückt, tun die sich anfangs noch schwer damit, Licht und Initiative zu ergreifen und nicht direkt an den besten Freund oder direkten Sitznachbarn weiterzugeben. Nach dem Spiel ist der Knoten jedoch geplatzt, es geht raus auf den Hof und während die Älteren den Jüngeren noch beim Kampf mit den Winterjacken helfen, starren alle schon voll Spannung auf das überdimensionale Spinnennetz.

Gemeinsam durch das Spinnennetz

„Ihr seid jetzt Fliegen und müsst durch das Netz, ohne dass euch die Spinne erwischt“, sagt Ralf Brocker. Die Spinne, ein in der linken Ecke befestigter Stofffetzen, strahlt offensichtlich erhebliche Gefahr aus. Behutsam machen sich die Kleinen ans Werk. Der Kniff dabei: Jedes Loch darf nur zwei Mal benutzt werden. Während die Größeren also durch die unteren Lücken kriechen, müssen die Kleinsten und Leichtesten mit vereinten Kräften durch die oberen Löcher gehoben werden. „Gar nicht so einfach“, stöhnt Katharina., während sie den drejährigen Noah vorsichtig den helfenden Händen auf der anderen Seite hinüber reicht. Der sieht ganz entspannt aus, hat er doch heute gelernt: „Das ist wie mit dem kleinen Zeh.“ Wenn er hinfiele, täte es allen anderen auch weh.

Quelle: RP
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