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Voerde
Behinderten den Alltag erleichtern

Voerde: Behinderten den Alltag erleichtern
Anke Bielewski ist im Wohnverbund Spellen unter anderem für das Essen zuständig. Bewohner Elmar Jendrek hilft ihr gern beim Kartoffelschälen. FOTO: LVR/HPH
Voerde. Anke Bielewski arbeitet im Spellener Wohnverbund des Landschaftsverbandes Rheinland und kümmert sich dort um alle Belange der Hauswirtschaft. Mit ihrer Tätigkit hilft die 54-Jährige, die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.

Pommes sind gefragt. Am besten mit Hähnchen und am besten so oft wie möglich. Anke Bielewski weiß, was schmeckt. Aber sie weiß auch, dass nicht alles, was gut schmeckt, gut tut. Und deshalb stehen auch viele andere Gerichte auf dem Speiseplan. Saisonale Gerichte, Leckeres mit Reis und Gemüse, ausgewogene Ernährung eben. Anke Bielewski ist angehende Hauswirtschaftsfachkraft und bekocht im Wohnverbund Heilpädagogischer Hilfen (HPH) des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) an der Friedrich-Wilhelm-Straße in Spellen die 22 Frauen und Männer mit geistiger und mehrfacher Behinderung, die dort leben. Ihnen schmeckt's, selbst dann, wenn es nicht immer Hähnchen und Pommes gibt.

Auch, wenn die 54-Jährige noch in der Ausbildung ist, weiß sie genau, was sie zu tun hat. Anke Bielewski arbeitet seit vielen Jahren für das LVR-HPH-Netz Niederrhein. Als ihr Arbeitgeber der damaligen Hausangestellten das Ausbildungsangebot machte, sagte sie ja. 18 Monate dauert die Qualifizierung, die Ernährung ist nur einer von fünf Bausteinen im umfassenden Hauswirtschaftskonzept des Wohnverbundes. Essen und Trinken, Wäsche und Kleidung, Sicherheit, Hygiene und Haus- und Raumgestaltung sind die fünf Säulen des Konzeptes und der Arbeitsbereich von Anke Bielewski.

Wie sieht Anke Bielewskis Woche aus? Ausgefüllt. Immer montags schreibt sie zum Beispiel die Einkaufslisten für die nächsten Tage. Sechs Paletten Milch, jede mit zwölf Litern. 36 Flaschen Saft. 25 Kilo Kartoffeln, 30 Eier, "Ostern sind's mehr." Dazu Brot, Obst, Gemüse, andere Frischwaren, "das holen wir immer zwischendurch, dann, wenn es gebraucht wird". Seit 15 Jahren ist sie in verschiedenen Wohnverbünden des Landschaftsverbandes für den Einkauf zuständig, "man weiß einfach, was wann und in welcher Menge gebraucht wird". Wer von den 22 Frauen und Männern aus dem Haus in Spellen nicht in der Werkstatt arbeitet, hilft häufig bei der Zubereitung, schält Kartoffeln, putzt Gemüse. Und wer mehr in der Küche zaubern möchte, für den gibt es die Koch-AG, die von Beate Okon betreut wird. Hier wird alles gemeinsam gemacht: einkaufen, zubereiten, essen. Während Anke Bielewski den Einkaufszettel schreibt, läuft schon die Waschmaschine. Zehn bis 15 Maschinen laufen pro Tag. Mindestens. Und wenn jemand von den 22 Frauen und Männer des Wohnverbundes in Spellen neue Kleidung hat, ist es Anke Bielewski, die die Namensschilder einnäht. "Damit jeder seine Sachen aus der Wäsche auch zurückbekommt."

Haus- und Raumgestaltung liegen ihr am Herzen. "Ich mag es eben, wenn es hier bei uns schön aussieht." So kümmert sie sich um die Gemeinschaftsräume, für die Zimmer ist jede Bewohnerin, jeder Bewohner selbst zuständig. Bei den Bereichen Sicherheit und Hygiene ist das Personal gefragt. Stolperfallen vermeiden, das heißt zum Beispiel keine hochstehenden Teppichkanten, schließlich soll sich niemand verletzen. Fluchtwege müssen frei sein.

Wer im Wohnverbund arbeitet, muss wissen, dass es Vorschriften für Hygiene gibt, dass unter anderem bei der Vorbereitung von Speisen Handschuhe getragen werden müssen und dass Schmuck im Arbeitsalltag nichts zu suchen hat.

Wer sich mit Anke Bielewski unterhält, der merkt sehr schnell, dass sie ihre Arbeit wirklich liebt. Weil sie aus der trockenen Thematik Hauswirtschaftskonzept eine spannende Geschichte macht. Eine Thematik übrigens, mit der der Alltag im Wohnverbund weiter optimiert wird. Oder wie Teamleiterin Marjolein Blok es so treffend ausdrückt: "Auf professioneller Ebene soll so die Lebensqualität verbessert werden."

Quelle: RP
 
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