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Dinslaken
Berlin 21: Mit Volldampf von Moabit nach Lohberg

Dinslaken. Im Ledigenheim servierte Schlagzeuger Torsten Zwingenberger mit seinem Quartett ein feines Jazz-Menü. Von Florian Langhoff

"Wie viele Füße hat er eigentlich?", fragt ein Zuschauer in der Konzertpause mit Blick auf das Schlagzeug von Torsten Zwingenberger. Der Bandgründer von Berlin 21 hat eine Vielzahl von Pedalen auf dem Bühnenboden platziert, die Hi-Hats, Tamburine, Trommeln und Glocken ansteuern. Was er damit anstellen kann, zeigt der in der Jazzszene als "Teasy" bekannte Perkussionist mit seinem Stück "The Train is steaming from Friedrichstraße to Zoo". Auf der Bühne ahmt er die Geräusche einer abfahrenden Dampflok nach. Immer schneller wird der Takt, den der Schlagzeuger vorlegt, bis ein dichtes Klanggefüge von der Bühne schallt. Applaus vom Publikum für diese Soloeinlage.

Für sein Bandprojekt Berlin 21 hat sich der Schlagzeuger hochkarätige Mitspieler mitgebracht. Gitarrist Tim Seier (ein Neuzugang aus Kanada), Pianist Lionel Haas und Bassist Martin Lillich beschallen das Publikum mit eingängigen Melodien. Immer wieder demonstrieren die vier Instrumentalisten dabei ihr Können, lassen Finger über Tasten und Saiten fliegen und begeistern damit das Publikum im Saal des Lohberger Ledigenheims.

Dabei stehen ausschließlich Eigenkompositionen der Jazzmusiker auf dem Programm. Und die reichen von balladesken Klängen (wie etwa bei der Komposition "Inside" von Martin Lillich) bis hin zu komplexen, schnellen Passagen wie in Lionel Haas' "Express Brain". Zwischendurch gibt es Ausflüge in Richtung Boogie Woogie, von Haas und Zwingenberger in der Komposition "Ten to the bar" in einen Fünf-Viertel-Takt gegossen oder Anleihen aus regionaltypischen Musikstilen. So tönen etwa afrikanische Trommeln und orientalische Klangfärbungen in der Musik durch den Saal.

Dabei entfesseln die vier Musiker eine besondere Spielfreude, wohl auch wegen des begeisterten Publikums. "Es ist das erste Mal für mich in Dinslaken und ich bin entzückt", erklärt Schlagzeuger Torsten Zwingenberger. "Dass so viele Menschen zu einem Jazzkonzert kommen, ist längst nicht mehr alltäglich." Und so kehren die vier Musiker von Berlin 21 nach ihrem letzten Stück - in dem Zwingenberger ein furioses zehnminütiges Schlagzeugsolo unterbringt - natürlich noch einmal auf die Bühne zurück. Denn das Publikum ist völlig aus dem Häuschen, applaudiert lange, kräftig und im Stehen und schickt auch einige Bravorufe auf die Bühne. Dafür gibt es auch nach zweieinhalb Stunden großartiger Live-Musik noch einen Nachschlag.

Nächster Termin: Sonntag, 10. April, 18 Uhr, Doppelkonzert mit Le Bang Bang und DuckTapeTicket, Tickets 13,50 Euro, Abendkasse 16 Euro.

Quelle: RP
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