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Voerde/Dinslaken
Betuwe: Jeder 12. Waggon mit Gefahrgut

Voerde/Dinslaken: Betuwe: Jeder 12. Waggon mit Gefahrgut
Jeder dritte der Güterzüge, die durch Voerde rollen, transportiert Gefahrgut. Das hat eine Zählung der Bürgerinitiative "Betuwe - so nicht" in diesem Monat ergeben. FOTO: Heinz Kunkel
Voerde/Dinslaken. Voerder Bürgerinitiative hat gezählt. Kommunen halten Einigung in Sicherheitsfragen aber noch für möglich.

Noch für verfrüht hält zu diesem Zeitpunkt Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann eine Entscheidung darüber, ob die Stadt mit Blick auf die nach wie vor ungeklärte Finanzierung der Sicherheitsvorkehrungen an der Betuwe-Strecke Oberhausen-Emmerich, wie sie von den Feuerwehren gefordert werden, klagen soll. Grundsätzlich aber würde er vor einem Gang vor Gericht "nicht zurückschrecken", sollten die Kommunen ihre Forderungen nicht umsetzen können.

Die Ursachen für die erhöhten Anforderungen an die Sicherheit seien durch den Ausbau der Bahnstrecke bedingt. Es könne nicht sein, dass die Kommunen dafür "gerade stehen" müssen, betonte Haarmann. Die Stadt habe mit Blick auf den Lärmschutz kein originäres Interesse daran, dass das Verfahren durch eine Klage in die Länge gezogen wird, andererseits dürfe es aber keine Abstriche beim Thema Sicherheit an der Strecke geben.

Auch Dinslaken ist der Ansicht, dass eine Entscheidung über eine mögliche Klage derzeit nicht ansteht. Man sei guter Hoffnung, dass alle Beteiligten in weiteren Gesprächen an vernünftigen Kompromissen arbeiten würden. Diesen Eindruck habe Karl-Heinz Rudorf, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Planen, Ende vergangener Woche vom Sicherheitsgipfel aus Oberhausen mitgebracht, berichtete gestern Stadtsprecher Horst Dickhäuser. "Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge. Aber die Tatsache, dass man weitere Gespräche vereinbart hat, zeigt, dass man an einem Kompromiss interessiert ist", so Dickhäuser. Dass dieser nicht schnell und leicht zu erzielen sei, liege an den unterschiedlichen Standpunkten und an den vielen Details. "Alle werden Kompromisse machen müssen, aber es dürfen keine faulen sein. Die Sicherheit muss gewährleistet sein", so Dickhäuser. Allerdings müsse nicht nur die Bahn überprüfen, ob sie zur Finanzierung bereit sei. Auch die Feuerwehren sollten noch einmal in den Fokus nehmen, ob auf allen Abschnitten die gleichen Sicherheitsanforderungen gelten müssten.

Gestern veröffentlichte die Voerder Bürgerinitiative "Betuwe - so nicht" die Ergebnisse einer von ihr durchgeführten Zugzählung. Danach befördert jeder 12. Waggon auf der Strecke Gefahrgut. "Wir haben den gesamten Zugverkehr gefilmt und beispielhaft vier aufeinanderfolgende Tage vollständig ausgewertet. Das Ergebnis: Fast jeder 12. Waggon hat Gefahrgüter - erkennbar an oranger Kennzeichnung - geladen, jeder dritte aller Güterzüge fährt Gefahrgüter", heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Dieses Ergebnis sei keine Überraschung, denn die Gleis-Betreiber auf niederländischer Seite erklärten ganz offen, dass 75 Prozent Gefahrgüter auf dieser Strecke transportiert würden. Hintergrund der Aktion der Initiative sei die unbefriedigende Resonanz auf die Proteste gegen zu geringen Lärmschutz und unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen. "Das Argument, der Bahn oder dem Bund fehle es an Geld, können wir nicht gelten lassen. Für Sicherheit und Lärmschutz bezahlen müssten die Transportunternehmen auf der Schiene, die diese Kosten über Ihre Frachtkosten an ihre Kunden weitergeben können", erklärt die Initiative.

(P.K./kub)
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