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Dinslaken
Bibliothek macht sich fit für die Zukunft

Dinslaken: Bibliothek macht sich fit für die Zukunft
Edith Mendel steht in dem limonengrün gestrichenen Bereich, in dem die Jugendbücherei entsteht. Zwischen den Regalen wird die Gamewall installiert. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Das Obergeschoss wird baulich und inhaltlich umstrukturiert. 360 Regale und 70.000 Bücher werden umgeräumt. Eine neue Jugendbücherei mit Spielkonsolen, ein Lese- und ein Lernbereich entstehen.

Es ist mehr als ein Umbau, was gerade im Obergeschoss der Dinslakener Stadtbibliothek geschieht: Die Bibliothek rüstet sich für die Zukunft - baulich und inhaltlich. Seit Montag ist das Obergeschoss gesperrt: 360 Regale werden umgestellt, 70 000 Bücher neu einsortiert, die 1200 Quadratmeter große Etage wird neu strukturiert. Es gibt neue Bereiche, neue Geräte, neue Möbel, neue Medien. Ziel: Die Bibliothek will übersichtlicher werden, sie will sich stärker auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer einstellen und sie will junge Leute anlocken.

Vor 30 Jahren wurde das Obergeschoss eingeräumt: Die verwinkelt angeordneten Regale im 80er-Jahre-Grün wirkten zuletzt unübersichtlich - zumal im Lauf der Jahre immer noch Regale angestellt wurden. "Was für uns heute chaotisch wirkt, galt damals als lebendige Innenarchitektur", erklärt Bibliotheksleiterin Edith Mendel und zählt lachend die diversen Sorten an unterschiedlichen Stühlen und Sesseln auf, die im Obergeschoss verteilt waren. Dennoch gab es hier zu wenig Arbeitsplätze. "Vor den Abiprüfungen haben die Schüler hier schon Reserviert-Schilder an den Arbeitsplätzen aufgestellt", berichtet Edith Mendel. Außerdem störten die Nutzer sich gegenseitig.

Ein Umzugsunternehmen und 15 Helfer der Bibliothek stellen seit Montag die Regale parallel zueinander auf. "Wir sind wochenlang mit Wasserwaagen und Zentimetermaß auf dem Boden herumgekrabbelt", erzählt die Bibliotheksleiterin: Fäden wurden gespannt, um die neuen Stellflächen für die Regale zu markieren. Die Regale wurden auch thematisch umstrukturiert. "Kein Buch steht da, wo es vorher war", sagt Edith Mendel. Zwei Jahre hat die Bibliothek an dem Konzept gefeilt. An allen Fenstern werden Arbeitsplätze mit Tischen und Steckdosen eingerichtet - insgesamt 40. Außerdem werden die Nutzerbereiche stärker definiert. Im Zentrum des Obergeschosses entsteht die neue Jugendbücherei, die bisher mit in der Kinderbücherei untergebracht war. Den Namen haben Jugendliche in einer Umfrage selbst ausgesucht: "die Ecke". In der limonengrün gestrichenen "Ecke" werden nicht nur die vorhandene Literatur sowie Comics für Jugendliche gesammelt und weitere, aktuelle, bestellt. Sondern hier wird auch eine "Gamewall" eingerichtet - mit den drei neuesten Spielkonsolen (Xbox, Playstation und Nintendo Switch). Mobile Lärmschutzwände sollen das Konfliktpotenzial mit anderen Gästen entschärfen. 18 .000 Euro Landesmittel gab es für die Einrichtung der Jugendbücherei.

Auch auf der Homepage der Bücherei gibt es eine Neuerung für junge Leute: das Schüler-Lerncenter. Hier finden Fünft- bis Zehntklässler aktuelle Tests und Arbeiten zu den wichtigsten Schulfächern. Das Center ist kostenlos nutzbar - für jeden, der einen Büchereiausweis hat. Die Stadtbibliothek will auf diese Weise die jungen Nutzergruppen anlocken, die im Teenie-Alter verloren gehen. "Bis zum Alter von zehn, zwölf Jahren lesen die Kinder noch viel, die Mädchen noch ein wenig länger als Jungs", weiß Edith Mendel. Dann aber ändere sich das Leseverhalten und die jungen Leute tauchen erst vor Abschlussprüfungen wieder in der Bücherei auf.

Damit die lernenden - und sich dabei unterhaltenden - Schüler die anderen Nutzer nicht stören, wird auf der einen Seite des Obergeschosses künftig die Sachliteratur konzentriert. Dort soll es auch Gruppenarbeitsplätze geben. Am entgegengesetzten Ende des Obergeschosses, wo das Lesecafé ist, werden gemütlichere Sessel für Zeitungs- oder Bücherleser platziert. "Das Grün der Regale bekommen wir nicht ganz weg", bedauert Edith Mendel. Die Seiten werden aber mit petrolfarbenen Wänden verkleidet, die auch beschriftet werden. Wer die Treppe hinaufkommt, soll sich künftig sofort orientieren können.

Auch die Kinderbücherei profitiert von dem Umbau. Hier wird Platz geschaffen für Veranstaltungen - und für Neuanschaffungen. Im Kinderbereich gibt es jährlich 200. 000 Ausleihen. Derzeit werden vor allem zweisprachige Bücher in Sprachen, die viele Flüchtlinge sprechen, nachgefragt und angeschafft - Deutsch-Farsi etwa.

(aha)
 
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