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Dinslaken
Brichter Turmstation ist ab März online

Dinslaken: Brichter Turmstation ist ab März online
Der Weseler Martin Splitt vor dem Turm, den er im August des vorvergangenen Jahres gekauft hat. FOTO: Scheffler
Dinslaken. Crowdfundings-Fans unterstützen Martin Splitt mit 3000 Euro, sogar aus der Schweiz und den Niederlanden kam Geld. Auf der Seite, die im März online gehen soll, wird es Infos zur Turm-Historie geben, aber auch zu Turmveranstaltungen. Von Helmut Scheffler

Wie sich doch die Zeiten ändern! Was früher anerkennend mit der Redensart "Das Geld liegt auf der Straße" bedacht wurde, kann heute in bestimmten Fällen zu "Das Geld liegt im Internet" verwandelt werden, ohne dass sich die Bedeutung großartig verändert. Diese Erfahrung hat in den vergangenen Wochen der Weseler Martin Splitt gemacht, der Menschen im Netz zum Crowdfunding aufgerufen hatte. "Crowd" heißt übersetzt Menschenmenge und "Funding" meint Finanzierung, Crowdfunding ist eine Fremdfinanzierung von vielen Menschen für kreative Projekte oder Produkte. Dabei werden die gesuchten Gelder (Fundingziel) über ein Internetportal eingesammelt.

Genau das hat Martin Splitt, der Eigentümer der ehemaligen Turmstation in Bricht, getan. Er stellte sein Projekt, die Erstellung einer Homepage für die Turmstation Alter Postweg, ins Netz. Anhand von Bildern, Texten und eines Videofilms informierte er die Crowdfunding-Freunde über die Nutzung der Turmstation. Dabei fand er so viel Anerkennung, dass die zur Finanzierung der Homepage angegebenen 3000 Euro in der Zeit vom 21. Dezember bis zum 31. Januar zusammenkamen. Er bekam sogar Finanzierungszusagen aus der Schweiz und aus den Niederlanden.

"Nun erhält die Turmstation bis Ende März 2016 eine eigene Homepage", freut sich Martin Splitt - die Domain www.turmstation-schermbeck.de ist schon reserviert.

Auf der neuen Homepage wird Martin Splitt die Historie des Turmes darstellen, der früher einmal der Stromversorgung diente. Da gibt es noch jede Menge Informationslücken. Zwar weiß Splitt, dass der Turm im Jahre 1942 errichtet wurde, aber es fehlen bislang sämtliche Bauakten, die bislang weder bei der Gemeinde Schermbeck als der Rechtsnachfolgerin der bis 1975 selbstständigen Gemeinde Bricht, noch beim RWE in Wesel aufzufinden waren. Splitt, der telefonisch unter 0281 1639859 oder per E-Mail an martin.splitt@t-online.de zu erreichen ist, sucht auch Fotos des Turmes aus früheren Jahrzehnten und Personen, die noch Geschichten rund um den Turm beisteuern können. "Ich möchte Besuchern, Interessierten, Wanderern und Radfahrern mit Hilfe einer professionell gestalteten Homepage die Möglichkeit geben, sich über den Ursprung und die heutige Nutzung zu informieren", sagt Martin Splitt.

Bezüglich der Nutzung hat Martin Splitt schon jetzt jede Menge Informationen, die er in die Homepage einstellen kann. Der 47 Jahre alte Facility Manager (Dienstleister für Gewerbeimmobilien) ist seit August 2014 Eigentümer des Turmes an der Alten Poststraße. Etwa zwei Jahre lang war er mit Michael Sonfeld vom RWE auf der Suche nach einem geeigneten und interessanten Turm. Die meisten Türme waren verputzt oder weiß gekalkt. "Dieser Turm bestach durch seine Verklinkerung", sagt Splitt. Er nimmt an, dass der Turm mit Klinkersteinen und Dachziegeln "Made in Schermbeck" erstellt wurde. "Alte Industriebauten interessieren mich, sie haben einen besonderen Charme und erzählen aus einer anderen Zeit", begründet Splitt seine Entscheidung zum Kauf des Brichter Turmes.

Die für den Netzausbau bei gleichzeitiger Verkabelung nicht mehr benötigte Turmstation bot RWE zum Verkauf zum symbolischen Preis von einem Euro an. Außerdem gab es einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro, weil RWE die Abrisskosten erspart blieben. Bei der Bewerbung um den Turm, dem ihm das RWE ebenso angeboten hatte wie zwei Trafotürme in Brünen und Grietherbusch, hatte Martin Splitt drei Mitbewerber. Das RWE zeigte sich beeindruckt von Splitts vorgelegtem Nutzungskonzept für die Turmstation, die nach ihrem Bau die Schermbecker Bevölkerung mit Haushaltsstrom versorgte, dabei die 10-kV-Mittelspannung in 400/230 Volt-Mittelspannung umwandelte und seit 2011 nicht mehr im Betrieb ist.

Die Schlüsselübergabe fand am 30. November des vorvergangenen Jahres statt. Die Turmstation dient inzwischen dem Artenschutz. An der Außenfassade wurden Nistmöglichkeiten für Solitärbienen angebracht. Eine große Tafel an der Westseite informiert über den Einsatz von Mauerbienen zur Bestäubung von Obstkulturen. Außerdem gibt es praktische Tipps für den Bau von Bienenbrettchen und Nisthilfen aus Pappröhren. Im Frühling möchte Splitt einen Tag der offenen Tür am Turm mit einem Trödelmarkt verbinden. Auch jetzt wird die Sitzgruppe gerne zum Picknicken genutzt oder von Radlern, die während des Wartens die am Turm befindliche E-Bike-Station nutzen.

Die Homepage soll ständig aktualisiert werden. Sie soll Hinweise zu Turmveranstaltungen geben, über Artenschutzmaßnahmen berichten, Infos zum Radfahrtourismus liefern und über den aktuellen Sanierungsstand informieren.

Splitts Wunsch: "Die Turmstation soll sich zum Kleinod für Interessierte allen Alters entwickeln."

Quelle: RP
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