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Voerde
Bürgermeister für nachts besetzte Wache

Voerde. Dirk Haarmann schreibt an Landrat Dr. Ansgar Müller und teilt diesem seine Bedenken zur nächtlichen Schließung mit.

In einem Schreiben an den Leiter der Kreispolizeibehörde Wesel, Landrat Dr. Ansgar Müller, äußert jetzt auch Bürgermeister Dirk Haarmann klare Vorbehalte gegen eine nächtliche Schließung der Polizeiwache. Vor zwei Wochen hatte er noch erklärt, derlei Überlegungen nicht pauschal ablehnen zu wollen - unter der Voraussetzung, dass eine solche Maßnahme dazu dient, die Präsenz der Polizei auf der Straße zu erhöhen, und wenn spürbare Einschränkungen für den Bürger ausgeschlossen sind und die Erreichbarkeit weiter gewährleistet ist. Für seine Aussagen handelte sich Haarmann harsche Kritik von der FDP ein. Ratsherr Bernhard Benninghoff waren sie zu "defensiv", der Bürgermeister habe nicht deutlich genug gesagt, sich für eine weiterhin durchgängige Besetzung der Wache stark machen zu wollen. Dies kündigt Haarmann in seinem Brief an den Landrat nun an.

Überlegt wird, den nachts in der Wache Dienst habenden Beamten alternativ im Streifendienst einzusetzen. Unter der Prämisse, dass so die Bedingungen in Voerde verbessert werden, habe er grundsätzlich eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Vorschlag zugesagt, erklärt der Bürgermeister in seinem Brief an den Landrat. Doch nach den nun in der Öffentlichkeit diskutierten Details sehe er die Überlegungen kritischer. Haarmann stößt sich daran, dass der nachts von der Wache abgezogene Beamte eben nicht in jedem Fall auf Voerder Stadtgebiet eingesetzt wird. Zudem ist für ihn nicht erkennbar, dass die Streife zur Nachbearbeitung auch nachts in der Voerder Wache ihren Dienst ableistet und nicht nach Dinslaken oder Wesel fährt und damit "unnötige Wartezeiten" entstehen.

Gerade die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln zeigten, wie wichtig eine Polizeipräsenz sei. Bürger hätten ihm in verschiedenen Dialogen signalisiert, dass sie sich große Sorgen um die innere Sicherheit in Voerde machten, führt Haarmann weiter aus. Die Polizeiwache in Voerde stelle da als Anlaufpunkt eine wichtige Absicherung und einen beruhigenden Einfluss dar. Auch spiegelt Haarmann in dem Schreiben die in Voerde umgehende Sorge wieder, dass die nachts unbesetzte Wache der erste Schritt zu deren kompletten Aufgabe sein könnte. Deren Fortbestand halte er für zwingend geboten. Die Dienststelle in Voerde sieht Landrat Dr. Ansgar Müller als Chef der Kreispolizeibehörde durch eine Schließung nachts nicht in Frage gestellt, wie er gestern deutlich machte. Solange es geht, sprich, solange es genügend Personal gibt, würden die zehn Wachen im Kreis Wesel erhalten bleiben. Dieser habe im Vergleich zu anderen Kreisen überdurchschnittlich viele Polizeidienststellen - "und das ganz bewusst", sagt Müller. Er begründet die Überlegungen mit der geringen Inanspruchnahme der Wache in Voerde nachts. Dies hatte, wie berichtet, eine vierwöchige Erhebung im vergangenen Jahr ergeben. Was in Voerde beabsichtigt sei, laufe in Hamminkeln, Hünxe und Rheinberg bereits seit Jahren und dort gebe es keine Probleme. Es gehe darum, die operative Kraft der Polizei zu stärken. Müller gibt auch zu bedenken, dass die Polizeiwache nachts nicht gänzlich unbesetzt sei, dass dort auch zwischen 22 und 7 Uhr Schreibarbeiten erledigt würden - dann, wenn die Besatzung des Streifenwagens, der nachts nach wie vor in Voerde stationiert bleibe, zwischen den Einsätzen zurückkomme.

Die Kritik daran, dass der nachts von der Wache abgezogene Beamte nicht in jedem Fall in Voerde im Streifendienst eingesetzt würde, kann er nicht nachvollziehen. Eine Garantie dafür könne es nicht geben. Im Einsatzfall würden die Kräfte auf Zuruf losgeschickt. Zudem argumentiert er, dass der nachts auf der Dienststelle Wachhabende "für die Sicherheit der Bürger objektiv nichts" tue, schließlich dürfe dieser auch im Einsatzfall die Wache nicht verlassen, wenn, wie noch im Voerder Fall, eine Erreichbarkeit rund um die Uhr garantiert sei.

"Was nützt dem Bürger derjenige, der nachts alleine auf der Wache sitzt? Wir tun viel mehr für die Sicherheit der Bürger, wenn wir den Beamten aus der nächtlichen Einsamkeit auf der Wache holen und auf die Straße schicken", stellt Müller auch mit Blick auf die nach den Vorfällen in Köln entbrannte Diskussion fest.

(P..K.)
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