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Dinslaken
Burghofbühne feiert Premiere mit "Mia"

Dinslaken. In dem Klassenzimmerstück geht es um Verfolgung, Flucht und Ausgrenzung.

"Was müsste für euch passieren, damit ihr euer Land verlasst?" Die Frage einer Frau, die scheinbar zufällig in die Klasse 8f der Ernst-Barlach-Gesamtschule gestolpert ist, können die Schüler so spontan nicht beantworten. Mia, so heißt die Frau aus dem gleichnamigen Stück, kann es. Sie antwortet mit ihrer eigenen Geschichte, der Geschichte einer jungen Roma-Frau, die vor Ausgrenzung und Gewalt mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen ist - um hier wieder Ausgrenzung und Gewalt zu erleben. Die Leute begegnen ihr mit Misstrauen, der Vater wird zusammengeschlagen, die Schwester verschwindet mit fremden Männern. Mia sucht sie - auch in der 8f, vor der gestern die Premiere des Klassenzimmerstücks der Burghofbühne stattfand.

Ausgrenzung, Vorurteile und die Frage, warum Menschen fliehen, ziehen sich als zentrale Themen durch das Stück von Nick Wood, in dem Anna Scherer, Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters, die einzige Rolle spielt. Mia erzählt anfangs schüchtern, später auch mit Wut, die Geschichte ihrer Familie. Von Menschen in ihrer Heimat, die eine Mauer bauten zu den Roma: "Wir haben wohl eine Seuche." Die den Mann der Cousine töteten, die Cousine traktierten, so dass sie ihr Baby verlor, dem Bruder "zufällig" das Bein brachen. Sie selbst hat studiert, wollte Lehrerin werden und durfte es nicht. "Wir fühlen uns außerhalb von allem und jedem."

Auch in Deutschland. Denn hierher, so beschreibt Mia, kamen sie als Asylbewerber. Was das in den Köpfen vieler bedeutet, notiert sie auf der Tafel: den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, Sozialhilfe schnorren, die Männer klauen. "Ich will eure Werte zerstören. Ich bin kriminell." Dabei versuchen sie, eine richtig deutsche Familie zu werden, so Mia.

Die 15-jährige Schwester, die in Deutschland verschwand, sucht sie überall - in den Bordellen von St. Pauli ebenso wie in vielen anderen Städten, aus denen sie Postkarten erhält, eine auch aus Dinslaken. Ob die Geschichte ein glückliches Ende nimmt? Man weiß es nicht. An der Gesamtschule hat das Warten und Suchen jedenfalls keinen Erfolg. Welche Begegnungen hatten Jugendlichen bisher mit Flüchtlingen? Und wer sollte in Deutschland aufgenommen werden - auch diejenigen, die als Wirtschaftsflüchtlinge gelten? Welches Verhalten erwarten wir von Flüchtlingen? In der anschließenden Gesprächsrunde mit Regisseurin Nadja Blank und Darstellerin Anna Scherer beschäftigten sich die 13- bis 14-jährigen Schüler mit Fragen, auf die selbst viele Erwachsene nicht so leicht Antworten finden. Mias Monolog bietet viele Anlässe zum Nachdenken über das Thema - und könnte damit problemlos weitere Unterrichtsstunden füllen.

Schulen können eine Aufführung des Stücks bei der Burghofbühne buchen. Noch sind Termine frei. Kontakt: Telefon 02064 41100 oder: info@burghofbuehne-dinslaken.de

Für das Stück, das sich an die Klassen 7 bis 9 richtet, wird eine Doppelstunde angesetzt. Darin enthalten ist ein Nachgespräch.

(rme)
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