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Dinslaken
"Casanova" - Abenteuer eines Verführers

Dinslaken: "Casanova" - Abenteuer eines Verführers
Maßarbeit: Sandra Nierhaus, Kostümbildnerin der Burghofbühne, versorgt Casanova und seine Frauen mit stilechten Kleidern und Perücken. Burghofbühne
Dinslaken. Die Burghofbühne Dinslaken eröffnet am 9. September im Tribünenhaus der Trabrennbahn die neue Spielzeit. Von Bettina Schack

Eine schlichte Spielfläche und darauf Kostüme, Perücken, Requisiten: "Das Bühnenbild erinnert mich an Casanovas Koffer", meint Nadja Blank, Dramaturgin der Burghofbühne, und gemeinsam mit Regisseur Joachim von Burchard Autorin und Verfasserin der Bühnenadaption, mit der das Landestheater am Freitag, 9. September, in die Spielzeit 2016/17 startet. Auf "Das Bildnis des Dorian Gray" folgen die Memoiren von Casanova. Wieder ein Verführer, schießt es einem durch den Kopf. Aber es gibt Unterschiede. Und genau diese führen zu dem Ziel, das Projekt der Burghofbühne, die Tagebücher von Giacomo Casanova (1725 - 1798), in einer eigenen Fassung auf die Bühne zu bringen.

"Wir möchten nicht mit Casanovas Frauengeschichte Klischees bestätigen, sondern etwas finden, das heute noch ansprechen kann", so Nadja Blank. "Wir sind beide auf ein Zitat von Roger Willemsen gestoßen, Casanova habe keine Gefühle gehabt, er sei selber ganz Gefühl gewesen". Nicht die sexuelle Erfüllung, sondern die Glückshormone des Verliebtseins, des Eroberns und der Neugier hätten ihn angetrieben.

Und dies macht den galanten Lebemann zu einem sehr modernen Menschen: Ob in seinen rund 30 Berufen vom Kleriker bis zum Orchestergeiger oder in seinen über 150 von ihm selbst überliefert Liebschaften - im Grunde war das, was ihn antrieb, die ständige Suche nach dem nächsten Kick. "Man hat das Gefühl, er führte ein reiches Leben. Aber mit der Konsequenz, dass er im Alter allein war".

Casanova war ein Verführer, aber er scheint die Frauen nicht zerstört zu haben. "Sie haben ihr Leben weitergelebt und wohl sogar freundschaftlichen Kontakt zu ihm gehalten", erklärt Nadja Blank. Und darin liegt der - zeitgegebene - Unterschied zu Dorian Gray: "Bei Casanova spielt die Moral keine Rolle."

Dafür allerdings Neugier und Abenteuer. Joachim von Burchard arbeitet mit einem schrägen Tanzboden als Spielfläche. Auf dieser stürzen sich Markus Penne und Patric Welzbacher abwechselnd als erzählender und agierender Casanova ins Getümmel. Geschminkt und gepudert wird sich am Rand der offenen Bühne. Dort steht auch ein Laptop, von dem kommentierende Fremdtexte auf die Bühnenleinwand geworfen werden. Und dort agiert Jan Exner als Soundperformer. Der Musiker und Schauspieler aus Göttingen hat bereits die gesamte Probenarbeit musikalisch begleitet und somit den Soundtrack zu Casanova aus dem Fortschreiten der Produktion heraus entwickelt.

Viel Technik wird es auch auf der Bühne geben, "es ist durch den Premierenspielort bedingt", umschreibt von Burchard diplomatisch die Tücken, mit denen eine Schauspielproduktion im Tribünenhaus der Trabrennbahn zu kämpfen hat. Der Regisseur hat auch deshalb Mikrofone und Kameras in die Inszenierung integriert, "für die Zuschauer in der letzten Reihe".

Eine Premiere ist "Casanova" übrigens auch in schauspielerischer Hinsicht: zum ersten Mal kann man das komplette neue Ensemble der Burghofbühne erleben. Der Vorverkauf hat begonnen.

Quelle: RP
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