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Dinslaken/Wesel/Duisburg
Dagmar E.: Wie es zur Mordanklage kam

Dinslaken/Wesel/Duisburg. Eine intensive Suche, zunächst keine Verdächtigen und dann doch erste Spuren: Beamte der Mordkommission berichteten gestern von den langen Ermittlungen im Fall der getöteten 58-Jährigen aus Dinslaken. Von Birgit Lameyer

Der Leiter der Mordkommission erklärte gestern vor dem Duisburger Landgericht, dass die Ermittlungen als kurioser Vermisstenfall in der zweiten Oktoberwoche des Jahres 2014 an ihn abgegeben wurde. Zuvor hatten seine Kollegen die Suche übernommen. Dagmar E. war verschwunden, ihr Sohn hatte sie als vermisst gemeldet. Es gab Anfangsschwierigkeiten, keinerlei Anhaltspunkte, was geschehen sein könnte. Zeugenbefragungen aus dem näheren Umfeld brachten keine Ergebnisse. In der Wohnung der 58-Jährigen habe es keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben. Es wurden E-Mail-Konten und Telefondaten überprüft und der Laptop kontrolliert. So kam man auf weitere Personen, mit denen die Frau in Kontakt stand. Einer davon ein 50-Jähriger aus Coesfeld. Er sagte gestern, dass er noch kurz vor ihrem Verschwinden mit Dagmar E. telefonierte. Man habe sich für einen der Folgetage verabredet. Zu dem Treffen kam es nicht mehr. Die Befragung des Bekanntenkreises sei sehr zeitintensiv, aber nicht erfolgreich gewesen, sagte der Kriminalbeamte. "Das hat uns im Ergebnis überhaupt nicht weitergebracht." Fest stand, dass die Kosmetikerin, die als pünktlich und zuverlässig galt, ihre Kundinnen im Kosmetiksalon hatte warten lassen.

"Wir mussten nicht zwingend von einem Kapitaldelikt ausgehen, konnten es aber auch nicht ausschließen", sagte der Ermittler. Routinemäßig habe man sich dann mit der Funkzellenauswertung befasst, also die Handyverbindungen im Umkreis überprüft. Etwa 64.500 Datensätze seien überprüft worden, ohne konkrete Anhaltspunkte. Mit "ungutem Bauchgefühl" habe man die Ermittlungen ruhen lassen, bis sich im Januar dann eine Freundin von Dagmar E. meldete. Sie hatte am Tag vor dem Verschwinden mit ihr telefoniert. Fast eine Stunde habe sie mit ihrer depressiv wirkenden Freundin gesprochen. Am Abend gab es ein weiteres Gespräch, in dem Dagmar E. von finanziellen Schwierigkeiten sprach. Der 26-jährige Mann aus Wesel, der gemeinsam mit zwei Brüdern und dem Sohn des Opfers auf der Anklagebank sitzt, habe seine Schulden bei ihr nicht beglichen. Sie wollte ihn zu einem letzten Gespräch in ihre Wohnung bestellen und notfalls Anzeige erstatten. Danach verschwand Dagmar E.. "Diese Aussage war so etwas wie das entscheidende Mosaiksteinchen", sagte der Ermittler. Ein weiterer Beamter berichtete von Widersprüchen in den Aussagen der vier Angeklagten, die damals noch als Zeugen vernommen wurden. Das Abhören von Gesprächen habe schließlich weitere entscheidende Hinweise gebracht. Im Auto des Sohnes des Opfers, Alexander E., sei darüber gesprochen worden, dass man die Leiche ausgraben und an einem anderen Ort verstecken müsse. Nach der Festnahme habe der Sohn die Schuld auf sich genommen und die Ermittler zielstrebig zur Leiche geführt, die in einem Wald in Hünxe vergraben war. Dort wurde auch eine von den Tätern zurückgelassene Schaufel sichergestellt. In der Wohnung des 26-Jährigen habe man darüber hinaus größere Mengen Marihuana entdeckt.

Die Verhandlung wird am 3. Februar fortgesetzt.

Quelle: RP
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