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Auschwitz-Tagebuch
Das Ende einer bewegenden Reise

Auschwitz-Tagebuch: Das Ende einer bewegenden Reise
Die Gymnasiasten in einem Hinterhof in Kazimierz, der auch als Kulisse für Spielbergs Film "Schindlers Liste" diente. FOTO: GV
Dinslaken. Die Jugendlichen des Projektkurses "Gegen das Vergessen" des Gymnasiums Voerde halten sich gegenwärtig in Polen auf. Von dort berichten die Oberstufenschüler für die Rheinische Post über ihre Eindrücke und Erlebnisse. Von Lasse Driemel und Philipp Maiwald

AUSCHWITZ/VOERDE Am letzten Tag unserer Reise nach Auschwitz besuchten wir die nahegelegene Stadt Krakau. Krakau war der erste Ort, den wir besichtigten, an dem die direkte Verbindung mit dem Holocaust nicht unmittelbar ins Auge sticht. Und so war es das erste Mal, dass unser Projektkurs sich nicht unmittelbar mit den schrecklichen Ereignissen in Auschwitz auseinandersetzte. Dennoch blieben wir bei unserem Thema und beschäftigten uns auch hier mit der Geschichte der Juden. Wir besuchten das jüdische Viertel Kazimierz und das ehemalige Ghetto.

Die Geschichte der Juden in Europa ist stark mit der Stadt Krakau verbunden. Viele Juden mussten nämlich aufgrund von antijüdischen Pogromen in Polen im 15. Jahrhundert nach Krakau flüchten. Dadurch entstand das heutige Judenviertel Kazimierz, in welches der damalige König Olbracht die Juden umsiedeln ließ.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Kazimierz in die Stadt Krakau eingegliedert. Nach den Novemberpogromen 1938 in Deutschland sind erneut viele deutsche Juden nach Krakau geflüchtet und haben ein modernes Wohnviertel errichtet. Im Jahr 1941 wurden die Juden von der deutschen Wehrmacht in das Krakauer Ghetto "Podgórze" umgesiedelt. Es lebten zu der Zeit etwa 64.000 Juden in Krakau, die damit ein Viertel der Bevölkerung stellten. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft von Krakau wurden im Laufe des Krieges fast alle in die Konzentrationslager Auschwitz und Plaszow deportiert und dort getötet. Nur 2000 Juden aus Krakau überlebten den Krieg. 1200 davon waren die sogenannten Schindler-Juden. Heute leben noch etwa 170 Juden in Krakau. Zum Abschluss unseres letzten gemeinsamen Abends der Auschwitz-Fahrt besuchten wir in Krakau das jüdische Restaurant Ariel. Im Hintergrund hörten wir jüdische Klezmer Musik, welche von einer Live-Band gespielt wurde und genossen währenddessen jüdische Spezialitäten. Dabei ließen wir in Gesprächen die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Jeder von uns formulierte sein persönliches Fazit. Das Ergebnis wollen wir hier wiedergeben:

Michelle Kraft (17): "Auschwitz zu vergessen würde bedeuten, Millionen von getöteten Menschen zu vergessen und zu riskieren, dass so etwas noch einmal passiert."

Rana Aydin (16): "Ich hoffe, Auschwitz wird nicht vergessen, denn die Menschen die dort gelitten haben und gestorben sind, verdienen es nicht, vergessen zu werden."

Lasse Driemel (17): "Auschwitz ist das schwerste Erbe der Deutschen und zugleich ein Mahnmal für jede Generation, welche war, die ist und noch kommen wird." Lara Feustel (16): "Auschwitz ist der schlimmste Ort, den ich in meinem Leben gesehen habe - doch es ist gut, dass er noch existiert."

Janis Dimitrios Christodoulou (16): "Die Kenntnisse, die ich von Auschwitz schon vorher hatte, sind keine einzige Erkenntnis über Auschwitz wert, die ich im Nachhinein bekam."

Dustin Dion (16): "Es ist wichtig, denen ein Gesicht wiederzugeben, die es in Auschwitz verloren haben."

Nick Taube (16): "Auschwitz zu besichtigen, hat anders denken lassen als alle Erzählungen und Bilder, die man bisher kannte."

Jan Krüßmann (17): "Jeder Mensch kann zum Täter werden, sowie auch jeder Mensch zum Opfer werden kann. Wer das leugnet, belügt sich selbst. Aber wir müssen nicht zu Tätern werden. Die Erinnerung an Auschwitz hilft uns dabei."

Philipp Maiwald (16): "Auschwitz zu vergessen würde bedeuten, dass all die Opfer des Holocaust vergessen werden würden."

Lucas Mosbacher (16): "Der eine, der die Geschichte kennt, braucht sie nicht noch einmal zu durchleben."

Celina Gfrörer (17): "Für mich ist Auschwitz nicht nur ein KZ oder ein Besichtigungsort. Für mich ist es ein Ort, an dem Familien getrennt und ausgelöscht wurden, an dem eine Todesfabrik errichtet wurde und an dem der größte Friedhof der Welt entstand."

Clara Stockhorst (16): "Wir alle sind zu spät und sind es doch nicht."

Aleksandra Bensberg (16): "Getrennte Familien. Tod. Trauer. Das war Auschwitz und es ist unsere Aufgabe, dass es sich nicht wiederholt."

Chiara Homey (16): "Auschwitz zu vergessen würde für uns bedeuten, dass wir einen Teil unserer Geschichte vergessen."

Pascal Petter (17): "Auschwitz ist eine Mordfabrik, ein Friedhof. Menschen wurden getötet ohne jeglichen Grund. Ich hoffe, dies wird nie vergessen und wiederholt ivh nie."

Ingalisa Dudda (16): "Sich an das Damalige zu erinnern, bedeutet den Opfern ihr Gesicht wiederzugeben."

Laura Marie Dietrich (17): "Es ist kein Leben, auf den Tod zu warten."

Vivien Grosser (15): "Auschwitz ist und wird immer unvorstellbar bleiben, doch auch das Unvorstellbare sollte man in Erinnerung halten."

Silja Schwanekamp (16): "Mein Wunsch ist, dass sich so etwas Grausames und Unvorstellbares wie die Geschehnisse in Auschwitz niemals wiederholt."

Caroline Fuller (17): "Was klingt wie ein verstörender Horrorfilm, ist wirklich passiert, wurde von Menschen geplant und auf eine unmenschliche Weise durchgeführt."

Quelle: RP
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