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Schutz vor gewalttätigen Männern
Das Frauenhaus - Zufluchtsort in der Not

Schutz vor gewalttätigen Männern: Das Frauenhaus - Zufluchtsort in der Not
Karin Schlichte (links) und Irmgard Steinkamp engagieren sich seit vielen Jahren im Verein Frauen helfen Frauen. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Seit 35 Jahren besteht die Einrichtung, in der Opfer von häuslicher Gewalt aufgenommen werden. In dieser Zeit suchten dort 2684 Frauen mit 2947 Kindern Schutz. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 100 Tage. Von Heinz Schild

Für etliche Frauen und deren Kinder ist das Frauenhaus ein Ort, an dem sie Zuflucht und Schutz vor gewalttätigen Männern gefunden haben. Die Einrichtung, die vom Verein Frauen helfen Frauen getragen wird, besteht seit mittlerweile 35 Jahren. Und immer noch hat dieser Ort der Sicherheit nichts von seiner Bedeutung verloren, ist er auch weiterhin für die Hilfesuchenden wichtig. Auch jetzt sind im Frauenhaus alle Plätze belegt, dort leben aktuell zehn Frauen mit ihren Kindern, wie Irmgard Steinkamp und Karin Schlichte, zwei der aktiven Vereinsfrauen, im RP-Gespräch berichteten.

Das Haus, dessen Adresse aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird, ist längst etabliert und auch akzeptiert. Immer noch ist es eine notwendige Einrichtung, da es weiterhin Männer gibt, die ihre Frau oder Partnerin prügeln, bedrohen, einsperren oder psychisch unter Druck setzen. Am 16. Februar 1991 eröffnete das autonome Frauenhaus Dinslaken. Seither finden die Hilfesuchenden dort Schutz, Unterstützung und Beratung. Für das 35-jährige Bestehen, das in diesen Tagen begangen wird, wurde eine Statistik erstellt, die Auskunft über die Nutzung des Frauenhauses gibt. Danach lebten in in den zurückliegenden dreieinhalb Jahrzehnten insgesamt 2684 Frauen aus über 30 Nationalitäten zeitweise im Frauenhaus und fanden mit 2947 Kindern eine sichere Zuflucht. Im Schnitt bleibt eine Frau 100 Tage in der Einrichtung. Im vergangenen Jahr zogen nach ihrem Aufenthalt in dem Haus etwa zwei Drittel der Frauen in eine eigene Wohnung. In den 35 Jahren wurden dort zehn Kinder geboren. Die älteste Frau, die Schutz suchte, war 81 Jahre alt. Die Einrichtung verfügt über zwei Einzel-, vier Vierer- sowie vier Doppelzimmer und ist in der Regel immer belegt, wie Karin Duda berichtete, die dort als eine von fünf hauptamtlichen Mitarbeiterinnen tätig ist. Der Trägerverein zählt 65 passive sowie sechs aktive Vereinsmitglieder.

"Eine Frau, die sich ins Frauenhaus flüchtet, hat vorher viel erlebt und viel erduldet. Nicht jede Frau, die ein Opfer von häuslicher Gewalt ist, kann im Familien- oder Freundeskreis Schutz finden", berichtet Irmgard Steinkamp, die sei etwa 28 Jahren im Verein aktiv mitarbeitet. "Es ist wichtig, die Mütter zu stärken, damit sie in der Lage sind, ihre Kinder zu schützen und sich vor sie zu stellen." Es muss auch nicht immer der Ehemann oder Lebenspartner sein, der die Frau schlägt, es können auch die eigenen Eltern oder Geschwister sein. Im Frauenhaus kümmern sich die dortigen Mitarbeiterinnen um die Hilfesuchenden, sie arbeiten mit den Müttern und Kindern, zeigen ihnen neue Möglichkeiten auf, um sie "auf einen gewaltfreien Weg" zu bringen. Dort geht es oftmals auch um Alltagsdinge, wie die Frage, was koche ich oder wie komme ich mit dem Geld aus. Und natürlich begleiten die Mitarbeiterinnen die Frauen bei Behördengängen, wie Kerstin Duda berichtete. Das Haus bietet den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe, sie sollen schließlich in die Lage versetzt werden, ihr künftiges Leben selbst zu gestalten. Die Kinder erleben im Frauenhaus vielfach nach langer Zeit wieder Normalität, sie können spielen und auch wieder in Ruhe schlafen.

Zum Jubiläum wird am Montag, 14. November, 17 Uhr, eine Ausstellung in der Sparkasse an der Friedrich-Ebert-Straße 31-37 gezeigt. Sie steht unter dem Motto "35 Jahre ... mehr als ein Dach über dem Kopf" und informiert über Leben und Arbeiten im Frauenhaus.

Quelle: RP
 
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