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Hintergrund
Das neue Gesicht der SPD

Dinslaken. Vor drei Jahren ist er in die Partei eingetreten. Heute ist er der Chef der Dinslakener Sozialdemokraten. Und auch wenn seine Wahl von innerparteilichen Querelen überschattet war, geht der neue Mann an der SPD-Spitze mit Optimismus und Selbstbewusstsein an den Start. Von Jörg Werner

Dinslaken Von wegen Ochsentour. Reinhard Wolfs Karriere in der Partei ist ganz anders verlaufen, als das sonst in der SPD üblich ist. Als er 2013 seinen Mitgliedsantrag unterschrieben hat, hat er sich das, na klar, nicht träumen lassen. Gänzlich unvorbereitet hat ihn die Aufgabe allerdings auch nicht getroffen, wie er erzählt. Zum Beisitzer im Vorstand seines Ortsvereins Nord hat er es recht zügig gebracht, nicht viel später hatte er das gleiche Amt im Stadtverband inne. Und als dann die Position an der Spitze der Dinslakener Sozialdemokraten nach dem Tod von Friedhelm Wlcek im Sommer vergangenen Jahres für längere Zeit vakant war, hat er durchaus, wie er verrät, mit dem Gedanken gespielt, ob das nicht ein Amt für ihn sein könne. Eine Kampfkandidatur allerdings kam für ihn nicht in Frage. Als dann aber die designierte Parteichefin Monika Piechula zurückzog, weil sie von ihren Kommentaren zur Flüchtlingspolitik, die sie auf Facebook gepostet hatte, eingeholt worden war und ihn die Findungskommission ansprach, ob er zur Verfügung stehe, brauchte er nicht allzu lange zu überlegen. Und wer sich mit ihm unterhält, der wird schnell feststellen, dass er über genügend Selbstbewusstsein verfügt, sich nicht als Notstopfen zu empfinden, den der Fehltritt einer Genossin ins Amt gespült hat.

Reinhard Wolf guckt nach vorn, will mit der SPD auf Erfolgskurs segeln. Ein Kommentar zu Monika Piechula und ihren unsäglichen Facebook-Äußerungen kommt ihm nicht über die Lippen. Für ihn ist das auch ein Gebot des menschlichen Anstands, "weil ich weiß, wie schlecht es ihr selbst damit geht". Die Frage, was es wohl über die Diskussionskultur in Dinslakens SPD aussagt, wenn Genossen glauben, eine belastende Materialsammlung über eine Ortsvereinsvorsitzende anlegen zu müssen und diese in der Partei in Umlauf bringen, statt die Dinge in den Gremien offen anzusprechen, umschifft er.

In der SPD sei der Fall ausdiskutiert, als neuer Parteichef stehe er dafür, dass jeder zu ihm kommen könne und dass Probleme offen debattiert werden, sagt Wolf und widmet sich dann lieber der Frage, wie die SPD erfolgreich Politik machen kann.

Er ist überzeugt, dass er dabei auf einem soliden Fundament aufbauen kann. Sozialdemokratische Überzeugungen sind ihm - "Ich komme aus einem ausgesprochen wertkonservativen Elternhaus" - nicht in die Wiege gelegt worden. Was sozialdemokratische Politik vor Ort bedeutet, hat er kennen gelernt, als er nach Ausbildung und erster Tätigkeit bei der Bundeswehrverwaltung 1989 in die Verwaltung des damals noch ganz eindeutig sozialdemokratischen Duisburg wechselte. Und der ausschlaggebende Punkt, in die SPD einzutreten, war, wie er erklärt, für ihn zu erleben, welch positive Entwicklung nach der Wahl von Michael Heidinger zum Bürgermeister das seit 1994 zu seiner Heimatstadt gewordene Dinslaken nahm. Dinslaken jedenfalls sieht er, bei allem, was noch zu tun bleibt, auf einem guten Weg und den will er mit der SPD maßgeblich weiter beschreiten.

Und was macht der 55-jährige Vater von drei erwachsenen Töchtern, wenn er sich mal nicht mit Politik beschäftigt? Dann setzt er sich gern mal hinters Schlagzeug und - Klavier spielt er auch - macht Musik - mit dem Dinslakener Jazztett, einer Formation, die aus der Swinging Monday Bigband hervorgegangen ist.

Quelle: RP
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