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Neu In Der Stadtbibliothek
Dem Leben in Liebe verbunden

Dinslaken. Martin Walser (Jahrgang 1927) ist auch im hohen Alter noch erstaunlich produktiv und legt Roman für Roman vor, wobei mich am meisten sein Goethe-Roman "Ein liebender Mann"(2008) beindruckt hat. Sein kürzlich erschienener Roman "Ein sterbender Mann" brachte es sofort auf die vordersten Bestseller-Plätze, fand aber in der Kritik ein eher zwiespältiges Echo. Der RP-Leser sollte sich sein eigenes Bild von diesem ungewöhnlichen, aber überaus lesenswerten Roman machen!

Worum geht es? Im Mittelpunkt des verschachtelt erzählten Briefromans steht Theo Schadt, 72 Jahre alt, als Unternehmer gescheitert, von seinem besten Freund betrogen und moralisch tief enttäuscht, überdies schwer erkrankt, lebensmüde und doch noch nicht zum Sterben bereit. Ganz im Gegenteil weckt die Todesnähe bei ihm die leidenschaftlichsten Lebens- und Liebeswünsche. Und tatsächlich begegnet er einer Frau, die "Lichtblitze" in ihm entzündet und der er heftigste Liebesbriefe schreibt und für die er sogar seine hochgeschätzte Ehefrau verlässt. Trotz unwahrscheinlichster Wendungen des erzählten Geschehens, trotz allerhand Verschraubtheiten und deutlicher erzählerischer Schwächen ist dieser Roman für Walser Fans ein Muss! Nicht nur wegen der virtuosen und betörenden Rhetorik Walser, sondern auch wegen einer Fülle sonderbarster Episoden und der höchst amüsanten parodistisch-satirischen Passagen. So zitiert Walser zum Beispiel genüsslich die schlechten Verse eines allseits verehrten Lyrikers und die ebenso ehrfürchtigen wie wolkigen Interpretationen eines Germanistik-Professors. Und unbedingt lesenswert ist auch das Kapitel mit Aphorismen zum Thema Altwerden und Sterben-Müssen. Wie gesagt: RP-Leser sollten sich ein eigenes Bild machen

DR. RONALD SCHNEIDER

Walser, Martin: Ein sterbender Mann. Roman; Rowohlt Verlag, 2016.

Quelle: RP
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