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Dinslaken
Den Menschen die Tür zu Gott öffnen

Dinslaken: Den Menschen die Tür zu Gott öffnen
Pfarrer Gregor Kauling in der Sankt-Vincentius-Kirche am Dinslakener Altmarkt. Wer sein Nachfolger werden wird, steht bislang noch nicht fest. FOTO: martin Büttner
Dinslaken. Der Abschied von Dinslaken fällt Pfarrer Gregor Kauling, der im November neuer Wallfahrtsrektor in Kevelaer wird, nicht leicht. Dennoch freut der 53-Jährige sich auf die neue Aufgabe, die in der Marienstadt auf ihn wartet. Von Heinz Schild

Ein Wechselbad der Gefühle zwischen Wehmut und Vorfreude durchlebt Dechant Gregor Kauling gegenwärtig. Denn der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Sankt Vincentius Dinslaken wird neuer Wallfahrtsrektor in Kevelaer und muss Dinslaken daher verlassen. "Als ich erfuhr, dass der Bischof mich nach Kevelaer versetzen will, war ich schockiert, überrascht, aber auch berührt, dass er an mich gedacht hat", beschreibt Kauling seine ersten Empfindungen. Voraussichtlich wird er am 19. November in Kevelaer eingeführt. Demnächst muss er seinen Umzug vorbereiten. Der Abschied in Dinslaken wird voraussichtlich Anfang Oktober stattfinden, sagt der 53-Jährige. Gegenwärtig komme er sich vor wie "zwischen den Welten" und müsse die Übergabe in den Blick nehmen.

Als Weihbischof Wilfried Theising zur Firmung in der Pfarre Heilig Geist weilte, nahm er Gregor Kauling beiseite und berichtetet ihm, dass der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, Kauling als Nachfolger von Rolf Lohmann als Wallfahrtsrektor vorgesehen habe. Damals war Lohmann noch nicht zum Bischof geweiht worden. Nach der Mitteilung, dass er nach Kevelaer gehen sollte, zog sich Gregor Kauling abends in die Kirche zurück, um dort ein paar stille Momente zu finden und um in Ruhe über alles nachzudenken. Später rief Bischof Felix Genn selbst an, tauschte sich mit Pfarrer Kauling aus und besprach mit ihm den angedachten Wechsel nach Kevelaer. Der Dinslakener Pfarrer traf seine Entscheidung: "Ich sagte zu." Und er ergänzt, dass es sich nie um eine Stelle beworben habe, immer sei er vom Bischof gefragt worden.

Nachdem er sich entschieden hatte, stellte sich Gregor Kauling in der Pfarrer Sankt Marien Kevelaer dem dortigen Pfarreirat und dem Kirchenvorstand vor. Der Dinslakener hinterließ einen sehr guten Eindruck, so dass beide Gremien sich für Kauling aussprachen. In der Folge informierte der Dechant den engsten Kreis der Hauptamtlichen in Dinslaken von seinem bevorstehenden Wechsel in den Marienwallfahrtsort und über die Aufgabe, die er dort übernehmen wird. "Es ist eine schöne und vielseitige Aufgabe, und ich freue mich darauf, Teil des Ganzen zu werden", sagt Gregor Kauling über seine künftige Tätigkeit und freut sich auf die Arbeit als Pastor in seiner neuen Gemeinde, die rund 6000 Katholiken zählt. "Als Wallfahrtsrektor wird es meine Aufgabe sein, die Spiritualität dieses Ortes, der pro Jahr von rund 800.000 Pilgern besucht wird, zu prägen - mit dem, was mir gegeben ist." Ihm obliegt es unter anderem, die Pilgergruppen zu empfangen und zu begleiten.

Kauling, der nach dem Abitur ein Studium als Stadtplaner in Aachen abgeschlossen hat, tritt sein neues Amt in einer Zeit an, in der Kevelaer den Stadtkern erneuert. Ob er sich vorstellen kann, sich hierbei einzubringen? "Ja, das ist keine Frage, ich diskutiere gerne mit und bringe die Anliegen der Kirche ein. Die Entscheidungen treffen die Politiker." Mitte September wird sich Gregor Kauling selbst als Pilger unter Pilgern auf den Weg in den Marienwallfahrtsort machen und die etwa 42 Kilometer lange Strecke zu Fuß zurücklegen. Dann wird es das 75. Mal sein, dass die Fußwallfahrt von Dinslaken aus stattfindet. Zudem existiert der Wallfahrtsort seit 1642 - feiert also 375-jähriges Bestehen. Eine Wallfahrt bietet dem Pilger nach Überzeugung von Kauling die Möglichkeit der Entschleunigung, sie können Abstand gewinnen, zu sich kommen. Sie machen sich auf den Weg nach Kevelaer mit all ihren Sorgen, mit dem, was sie belastet, um dort Kraft zu tanken. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie es als Fußpilger ist, nach zwölf Stunden auf der Straße endlich die Fußgängerzone in Kevelaer zu erreichen und dann auf die Kapelle zuzulaufen. "Da ist, als ob man nach einer Wüstenwanderung endlich am Meer ankommt."

Als angenehm empfindet es der Dinslakener Pfarrer, dass er in Kevelaer seinen Dienst antritt, wenn die diesjährige Wallfahrtssaison dort vorüber ist. "Denn das gibt mir Zeit, einige Monate mit den Menschen dort zu leben, die Prozesse und Riten kennenzulernen." Das neue Wallfahrtsjahr startet erst im Mai.

Pfarrer Kauling weiß, dass die Kirche viele der Männer und Frauen, die nach Kevelaer pilgern, nicht jede Woche sieht. Doch auch diese Menschen wollen nicht auf die Kraft des Segens Gottes verzichten. Darin sieht er eine große Chance, es zeige, dass die Kirche lebe. Dies sei ein Beziehungspunkt im Leben der Menschen mit der Kirche, es sei "ein Moment der Berührung zwischen Gott und dem Menschen". Als künftiger Wallfahrtsrektor sieht er es als seine Aufgabe an, den Pilgern "die Tür zu öffnen und den Empfang der Menschen zu gestalten, ihnen es zu ermöglichen, Erfahrung mit Gott zu machen". Kevelaer ist für ihn ein Ort des Trostes der Betrübten. Trost bedeutet für ihn dabei nicht, dem Menschen zu sagen, "es wird schon wieder", sondern vielmehr, den Scherz des anderen zu verstehen, diesen Schmerz mit angucken zu können, auszuhalten und den Menschen zu begleiten.

Dem Pfarrer fällt es nicht leicht, Dinslaken zu verlassen. In dieser Stadt, die zu seiner Heimat, zu seinem Zuhause geworden ist, spiegele sich die Bevölkerung des gesamten Landes wider. Hier gebe es einen intensiven Dialog mit den anderen Religionen. Es sei zudem kein leichter Prozess, in der Pfarrei jedes Milieu zu integrieren. Diese Aufgabe hat Gregor Kauling "als Herausforderung, Bereicherung und manchmal als Belastung wahrgenommen, die oft bis an die Grenze ging, und manchmal auch darüber hinaus". Der Stadt und der Pfarrei sei viel zugemutet worden, von 2001 bis 2012 habe es im katholischen Bereich fünf Fusionsprozesse gegeben, einmal sei mit Lohberg eine Gemeinde zurückgeholt worden. In jeder Einheit hätten Hoffnungen gelegen.

Überzeugt ist Kauling, dass sein Nachfolger, der noch nicht feststehe und von außen kommen werde, auf dem jetzigen Zustand gut werde aufbauen können. "Mit war es immer wichtig, die Menschen nicht zu mir zu führen, sondern zum Herrn. Deshalb habe ich jetzt die Hoffnung, gehen zu können, ohne dass alles zusammenbricht." Die Strukturen in Dinslaken seien so, dass jemand anders weitermachen könne. Dies sei für ihn ein Grund gewesen, ja zu der neuen Aufgabe zu sagen.

Rolf Lohmann, dessen Nachfolger Kauling als Wallfahrtsrektor wird, ist am 8. Juli zum Bischof geweiht worden und ist als Weihbischof für den Niederrhein zuständig. Bei der Frage, ob er sich vorstellen könne, irgendwann selbst Bischof zu werden, schmunzelt Gregor Kauling, denn "diese Frage stellt sich jetzt nicht".

Quelle: RP
 
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