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Voerde
Der besondere Blick auf Emmelsum

Voerde: Der besondere Blick auf Emmelsum
Wilfried Rittmann, Regisseurin Eva Könnemann, Bürgermeister Dirk Haarmann (v.l.). FOTO: Joosten
Voerde. Preisgekrönter Kurzfilm "Das offenbare Geheimnis" von Eva Könnemann vorgeführt.

Häuserfassaden aus Backstein, die Schleuse am Wesel-Datteln-Kanal, ein Hochspannungsmast, gepflegte Gärten, gestutzte Zypressen, die flimmernde Hitze über den Feldern - Momentaufnahmen eines Sommers in Emmelsum. Mit einem objektiven, fast distanzierten Blick rücken die Aufnahmen scheinbar profanste Dinge in den Vordergrund. Der Kurzfilm "Das offenbare Geheimnis" ist der Versuch einer Annäherung an das Nichts.

Es ist eine kuriose Geschichte, die im Sommer 2014 ihren Anfang nahm. Die Berliner Filmemacherin Eva Könnemann recherchierte damals für eine Geschichte über Wappen und stolperte über das Emblem der Emmelsumer - eine Biene auf grünem Grund ist dort abgebildet. Das gefiel Könnemann und veranlasste sie, mehr über das kleine Dorf am Niederrhein in Erfahrung zu bringen. Doch vergeblich, über Emmelsum ließ sich nicht viel herausfinden. Das Dorf hat keine Sehenswürdigkeiten, keinen Marktplatz, keinen Friedhof, keine Schule.

"Es gibt keinen Grund dorthin zu gehen", sagt Könnemann rückblickend, doch gleichzeitig faszinierte sie damals die Idee "eines unbeschriebenen Blattes". Sie betrachtete Emmelsum als einen Ort, der einer kleinen persönlichen Entdeckung gleichkam. Es war etwas Neues, über das es wenig zu wissen gab, das aber gleichzeitig ohne jedwede Bewertung daherkam: "Man kann nichts recherchieren, es gibt keine vorgefertigte Meinung." Könnemann reiste von Berlin an den Niederrhein, um einen dokumentarischen Kurzfilm über das ihr unbekannte Emmelsum, über das Nichts zu drehen. Der Kurzfilm, der mit einem andächtigen, teils ironischen Kommentar der österreichischen Schauspielerin und Regisseurin Kathrin Resetarits unterlegt ist, spielt auch mit der anfänglichen Skepsis der Emmelsumer. "Man denkt, man ist der Beobachter", heißt es in dem Film "aber gleichzeitig ist man der Beobachtete."

Anfänglich saß Könnemann häufig auf einer Sitzbank und beobachtete, was im Dorf vor sich ging. Und das war nicht viel. Im Film wundert sie sich über ausgefallene Haustüren, die ihrer Vermutung nach einen Drang nach Individualisierung darstellen könnten. Ebenso überrascht zeigt sie sich über "übergestaltete Gärten." Eine Großstädterin fremdelt mit dem Landleben. Doch irgendwann - spätestens mit dem Schützenfest - wird Könnemann zu einem Teil der Dorfgemeinschaft: "Ich gehöre jetzt also dazu", heißt es im Film.

Das alles klingt alles ein wenig avantgardistisch, ist aber eigentlich nur ein künstlerisches Experiment. "Das Nichts wird zu einer Sache. Die Fremde löst sich auf", so Könnemann. Und was sagen die Emmelsumer zu dem Werk? "Ich fand den Ansatz interessant, einen Film zu drehen, über den es keine Informationen gibt. Finde ich bemerkenswert", lobt Ingolf Isselhorst, Verfasser von "Voerde: elf Dörfer - eine Stadt". Und auch der Vorsitzende des BSV "Bleib-treu" Emmelsum, Wilfried Rittmann, ist von dem Kurzfilm angetan: "Die einzelnen Aufnahmen haben mir sehr imponiert." Außerdem hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil: "Die Emmelsumer freuen sich natürlich darüber, dass Emmelsum jetzt international bekannt ist."

Der Kurzfilm "Das offenbare Geheimnis" ist als DVD über den BSV "Bleib-treu" Emmelsum erhältlich.

(D.K.)
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