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Dinslaken
Der Fall Peter Keup

Dinslaken: Der Fall Peter Keup
Peter Keup und die Berliner Filmemacherin Klara Höfels bei der Vorführung des Dokumentarfilms in Dinslaken. FOTO: Angelika Barth
Dinslaken. Ein Dokumentarfilm über politische Justiz in der DDR war am Jahrestag des Mauerfalls im Dachstudio der Stadtbibliothek zu sehen. Darin geht es um zehn Monate im Leben des Dinslakener Tanzlehrers Peter Keup. Von Matthias Knauer

Natürlich war der Tag für die Vorführung des Films "Der Fall Peter Keup. Politische Justiz in der DDR" nicht zufällig gewählt worden. Der 9. November ist schließlich ein besonderes Datum. Für den 53-jährigen Peter Keup, Inhaber einer Tanzschule in Dinslaken, ist der Mauerfall vor 22 Jahren kein freudiges Ereignis gewesen. Denn plötzlich lebte er wieder mit Menschen zusammen in einem Land, die ihm die schlimmsten zehn Monate seines Lebens bereitet hatten.

Vor 30 Jahren war Keup ein erfolgreicher Tänzer in der damaligen DDR. Gemeinsam mit seiner Schwester schaffte er es bis in den ostdeutschen Nationalkader. Er reiste durch den Ostblock und nahm an Turnieren teil. Doch er wollte raus aus dem Land, das seine Familie, nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hatte, mit Repressalien überzog. Durch die Donau zwischen Ungarn und Österreich wollte er schwimmen. In einem Zug in der Tschechoslowakei endete der Fluchtversuch. Sein Fehler: Er konnte den Grenzern keine Rückfahrkarte zeigen.

Was sich anschloss, beschäftigt Keup bis heute. Gemeinsam mit der Berliner Filmemacherin Klara Höfels entstand vor zwei Jahren ein Dokumentarfilm. Dass die Zuschauer nach der 40-minütigen Vorführung reglos auf ihren Stühlen saßen, war ein Zeichen ihrer Betroffenheit. In dem Film durchschreitet Keup den Schauplatz seiner Untersuchungshaft. Das Dresdener Stasi-Gefängnis an der Bautzener Straße ist heute eine Gedenkstätte. Der Zuschauer erhält einen Blick in die klaustrophobische Enge einer Zelle, erlebt mit, wie Peter Keup den Weg zum Freigang entlang geht. Mit geschlossenen Augen durchschreitet er den einzigen Sonnenstrahl, der hereinfällt. Keup bleibt stehen, atmet tief ein und aus, erklärt, dass er an dieser Stelle immer besonders langsam gegangen sei. Der einzige Blick auf das Leben außerhalb des Gefängnisses war im Freigang möglich.

Die beeindruckendste Szene filmte Klare Höfels in der Arrestzelle. Dort wurden Häftlinge mit Schlafentzug bestraft, wenn sie sich in Verhören unkooperativ zeigten oder gegen Regeln verstoßen hatten. Auch Keup musste einige Stunden dort verbringen, "vielleicht 12 oder 14, ich weiß es nicht mehr". Er war beim Klopfen, der nächtlichen Kontaktaufnahme zu den Mitgefangenen erwischt worden. Im Film sitzt er auf dem Hocker in einer kahlen Zelle. "Ich erinnere mich an das metallische Klicken einer flackernden Neonröhre, was mich fast wahnsinnig gemacht hat." Jahre nach der Haft sitzt er zusammengesunken auf dem Hocker und sagt mit leiser Stimme: "Wie kann man das Menschen nur antun? Das elementarste Grundrecht des Menschen ist es doch, in Freiheit zu leben." Der Film und das Gespräch mit anderen Menschen über das Erlebte haben ihm geholfen. Heute würde er gern seinen damaligen Verhörer treffen. "Er war nicht viel älter als ich", sagt Keup. Dabei ginge es ihm gar nicht darum, ihn anzuklagen, sondern er wolle nur erfahren, was der Mann während der Verhöre gedacht habe. Nach seinem Verfahren und dem Strafvollzug wurde Keup 1982 freigekauft und konnte die DDR verlassen.

Quelle: RP
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