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Dinslaken
Der Klang der Wassertropfen

Dinslaken: Der Klang der Wassertropfen
FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Die amerikanische Sopranistin Jessica Burri gab in der Evangelischen Stadtkirche ein meditatives Sphärenkonzert mit Dulcimer und Klangschalen, Okarina und indianischer Flöte. Von Bettina Schack

Jessica Burri fleht um den Beistand der Heiligen Barbara unter Tage. Ihr heller, glasklarer Sopran schwebt in übermäßigen und verminderten Intervallschritten auf und nieder.

Wasser tropft und fließt in seinem eigenen Rhythmus, leise schlagen Steine gegeneinander. Die Klänge hallen an den Wänden der Evangelischen Stadtkirche wieder. Doch man braucht nur die Augen zu schließen und es fällt einem leicht, sich diesen Klangraum tief im Erdinneren zwischen Stein und glitzernden Kohleflözen vorzustellen. Am Sonntag eröffnete die amerikanische Sopranistin, Komponistin und Multiinstrumentalistin die diesjährige Konzertreihe des Fördervereins für Kirchenmusik der Evangelischen Kirchengemeinde Dinslaken mit "Musik der Sphären". Das Gesamtprogramm liegt übrigens aus.

Meditativ zeitgenössisch nennt sie ihre Kompositionen für Stimme, Dulcimer, Holz-Okarina, indianischer Flöte und Klangschalen. Doch Vorsicht: meditativ bedeutete in diesem Fall keineswegs kuscheliges Wellness-Geklimper. Jessica Burri forderte das Publikum mit moderner atonaler Musik auf einem Instrumentarium abseits der klassischen Orchesterausstattung. Und wie bewusst sie mit diesem Stil umgeht, erlebten vor allem diejenigen, die nach Ende des Konzertes noch der Einladung gefolgt waren, sich die seltenen Instrumente aus der Nähe anzusehen. Da sang Burri eine ihrer tonalen Kompositionen aus ihren anderen Programmen. Quellen der Inspiration: Eine befreundete Künstlerin brachte Jessica Burri auf die Barbara-Thematik. Und weil diese zudem ein Faible für die indianische Flöte hat, setzte die Komponistin, die eigentlich aus dem Opernfach kommt und für ihre Soloinstrumente den Dulcimer für sich entdeckte, die Flöte als Soloinstrument ein. Burri wiederholt mehrfach ein atonales Motiv, das signalartig mit einer aufsteigenden Quarte beginnt, über dem dunklen Summen der von zwei Mitgliedern des Ensembles Singing Bowls gespielten Klangschalen.

Klagelaute der Okarina und der menschlichen Stimme. Burris Musik klingt, als betrachte man ein Kandinsky-Gemälde in Zeitlupe, würde jede dieser gestauchten und gedehnten geometrischen Formen farbig zum Klingen gebracht. Ein tiefes Konzert.

"Danke, dass sie sich darauf eingelassen haben", verabschiedete sich Jessica Burri am Ende. Das Publikum hatte zu danken.

Quelle: RP
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