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Hintergrund
Der Todesmarsch des Heinz Eschwege

Dinslaken. Als das Lager Auschwitz evakuiert wurde, war der 21-Jährige einer der Häftlinge, die zu Fuß nach Westen getrieben wurden. Von Anne Prior

Dinslaken Es war ein Samstag, als am 27. Januar 1945 der erste Soldat auf dem Gelände des Häftlingskrankenbaus Monowitz, einem Nebenlager des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, erschien. Er war Angehöriger einer Aufklärungstruppe der 60. Armee der I. Ukrainischen Front. Nach und nach erreichten seine Kameraden das Gelände und fanden etwa 850 völlig entkräftete Häftlinge in Monowitz vor. Die Soldaten verteilten ihr Brot unter den Kranken. Nachmittags zogen sie Richtung Stammlager Auschwitz und trafen auf heftigen Widerstand der zurückweichenden deutschen Einheiten. 231 Soldaten der Roten Armee starben bei der Befreiung von Auschwitz. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 7000 kranke Häftlinge auf dem Gelände Auschwitz-Birkenau-Monowitz.

Einer, der als Häftling nicht zurückgelassen wurde, war der 21-jährige Heinz Eschwege. Der junge Mann hatte mit seinem Bruder Alfred 1938 für wenige Wochen im Jüdischen Waisenhaus Dinslaken gelebt. Er war mit anderen Kindern und Jugendlichen mit einem Kindertransport nach Belgien gelangt. Nach der Besetzung durch die Deutschen war er verhaftet und am 4. April 1944 von der Kazerne Dossin/Malines nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau wurde er für die Zwangsarbeit selektiert.

Durch das rasche Heranrücken der Roten Armee im Januar 1945 beschloss die Lagerleitung die "Evakuierung" das Lagers. Mit tausenden anderen "marschfähigen" Häftlingen wurde Heinz Eschwege auf einen Todesmarsch in Richtung Westen getrieben. Über die Stationen Gleiwitz, Groß-Rosen, Dresden und Leipzig erreichte der zu Tode erschöpfte junge Mann das Konzentrationslager DORA bei Nordhausen. Dort starb er noch am Tag seiner Ankunft, am 29. Januar 1945, im Häftlingskrankenbau. Drei Dinslakener überlebten Auschwitz: die Tochter des Klempnermeisters Julius Isaacson, Ilse Silberschmidt-Isaacson sowie Fritz Ehrlich und Kuno Rosenduft, junge Männer aus dem Waisenhaus Dinslaken.

"Nur durch ein Wunder Gottes" habe sie die Haftzeit überstanden, schrieb Ilse Isaacson-Silberschmidt 1946 einem Dinslakener Bekannten.

Etwa eine Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder aus ganz Europa wurden in Auschwitz ermordet. Auch tausende nichtjüdische Häftlinge ließen in Auschwitz ihr Leben.

Dinslakener jüdische Bürger wurden von den Niederlanden, Belgien, Tschechien und Italien aus nach Auschwitz deportiert und ermordet. Lebten sie in den vierziger Jahren noch in Dinslaken, erfolgte zunächst ihre Deportation in eines der Ghettos nach Osteuropa. Von dort wurden sie in die Vernichtungslager gebracht.

Nach heutigem Erkenntnisstand hat die Stadt Dinslaken 58 ihrer in Dinslaken geborenen oder lebenden Bürger im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verloren.

Quelle: RP
 
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