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Serie: Anne Bude
Der Treffpunkt mitten in der Stadt

Serie: Anne Bude: Der Treffpunkt mitten in der Stadt
Stammkundin Anni Hartmann kommt schon seit Jahren regelmäßig zum Kiosk am Neutorplatz. Sie schätzt Uwe Friebe wegen seiner freundlichen Art.
Dinslaken. Im "Büdchen" am Neutorplatz sorgt Uwe Friebe für zufriedene Kunden. Seit drei Jahrzehnten ist er im Kioskgeschäft und hat dabei einen Wandel in der Branche erlebt und auch bei den Interessen seiner Kunden. Von Florian Langhoff

Ein Mädchen legt eine Hand voll Kleingeld ins Verkaufsfenster vom Kiosk am Neutorplatz. "Ist das zu klein für 1,70 Euro?", fragt sie. Uwe Friebe schaut auf die zahlreichen Münzen, die sich vor ihm zu einem kleinen Haufen türmen. "Eigentlich schon", sagt er. "Aber ich mach das trotzdem." Dann geht es an die Süßigkeiten direkt neben der Öffnung zur Außenwelt. Ab fünf Cent sind die kleinen Leckereien wie Lakritze, Kirschen und Colaflaschen zu haben. Geduldig hört sich Uwe Friebe die Anweisungen von draußen ("Der Rest bitte Nummer 23!") an und füllt eine Papiertüte mit den Süßigkeiten. Wieder eine zufriedene Kundin.

Und davon hat Uwe Friebe im Kiosk am Neutorplatz viele. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin betreibt er das Geschäft seit zehn Jahren. Er selbst ist schon seit drei Jahrzehnten im Geschäft. Natürlich kommen da auch schon einige Stammkunden vorbei. "Hallo Uwe", grüßt Kundin Anni Hartmann den Mann am Verkaufsfenster.

An seinem Arbeitsplatz fühlt er sich wohl: Uwe Friebe verdient schon seit drei Jahrzehnten als Kioskhändler sein Geld. Für seine Kunden hat er immer ein freundliches Wort und ein offenes Ohr. Seit gut zwei Jahren steht er im neuen Kiosk am Neutorplatz am Verkaufsfenster. FOTO: Martin Büttner

Man kennt sich. "Ich komme regelmäßig hierher, kaufe für mich Zeitschriften und Zigaretten für meinen Partner", erzählt die 76-Jährige. Und das nicht nur, weil der Kiosk nur einen Katzensprung von ihrer Wohnung entfernt ist. "Der Uwe ist sehr nett. Egal wer kommt, er ist immer freundlich zu allen", berichtet Anni Hartmann. "Man kann ihm auch mal einfach etwas erzählen, und das bleibt auch bei ihm. Man muss sich keine Sorgen machen, dass es weitergeplaudert wird", erzählt sie. "Daher komme ich manchmal auch einfach nur zum Reden vorbei."

Und einige Kunden müssen nicht mal mehr etwas sagen. Ein Mann fährt mit dem Fahrrad an den kleinen Stehtisch vor dem Kiosk, betätigt die Fahrradklingel. "Heute nur einen Kaffee?" fragt Uwe Friebe und hat den Becher schon in der Hand, bevor von draußen die Antwort kommt. Manche Kunden erkennt er auch von weitem schon und fischt die entsprechenden Zeitschriften, Zeitungen oder Zigarettenschachteln aus dem reichhaltigen Angebot des Büdchens.

Dabei ist das Geschäft nicht einfacher geworden in den vergangenen Jahren. "Heute haben alle Tankstellen rund um die Uhr geöffnet und dazu kommen wesentlich längere Ladenöffnungszeiten", erklärt Uwe Friebe. "Man merkt das schon. Wobei man bei manchen Veränderungen auch nur mutmaßen kann, woran es liegt." Zum Beispiel, dass mittlerweile weniger Kunden am Vormittag kommen, dafür aber mehr am Nachmittag. Trotz der nicht unbedingt einfachen Lage entschlossen Friebe und Lebensgefährtin Marlies Heep sich dazu, den Kiosk Anfang 2014 komplett neu zu bauen. "Dadurch haben wir ganz andere Möglichkeiten, unsere Ware zu präsentieren - gerade im Printbereich", erklärt Uwe Friebe. Und das hat einen durchaus registrierbaren Effekt: Gegen den allgemeinen Trend hat der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften im Kiosk am Neutor zugelegt. "Besonders die Kinder kommen immer gucken, ob wir die neuesten Hefte für sie schon da haben", erzählt Friebe.

Eins hat sich in den drei Jahrzehnten, in denen er jetzt im Kiosk steht, allerdings nicht verändert: Die Art, in der seine Kunden Gesprächsthemen für den Plausch an der Verkaufsbude finden. "Die Gesprächsthemen sind eigentlich immer tagesaktuell. Was morgens auf der Titelseite der Zeitung steht, ist dann den Tag über auch Gesprächsthema", erzählt er. Aber natürlich bekommt er auch einiges aus dem Privatleben seiner Stammkunden mit. Das bleibt allerdings immer vertraulich.

Uwe Friebe freut sich darüber, dass die Metropole Ruhr im Jahr 2016 mit dem "Jahr der Trinkhalle" ihre Budenkultur feiert. "Ich habe mal geschaut, was es da für ein Programm gibt, und das finde ich richtig klasse", sagt der erfahrene Kioskbetreiber. Nur eins findet er schade: dass sich das Programm mit Konzerten, Ausstellungen und Kioskwallfahrt nicht bis an seinen Arbeitsplatz zieht. "Es wäre toll gewesen, wenn man das auch nach Dinslaken ausgedehnt hätte", sagt er.

Quelle: RP
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