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Dinslaken
"Der weise Panda" bezaubert Publikum

Dinslaken. Mit einem unkonventionellen Doppelkonzert eröffnete die Jazz Initiative Dinslaken ihre Abo-Reihe. Im Lohberger Ledigenheim traten die Dinslakenerin Maika Küster mit ihrer Band und die Jazz-Punks von "Rket" auf. Von Bettina Schack

Auf einmal wechselt Maika Küster die Sprache, das Auf und Ab der Töne und das stürmische Gegeneinander der Rhythmen um sie herum beruhigen sich und in die Stille besingt sie den Mond. Ganz leicht ist nun das Klavierspiel von Simon Seeberger, Yannik Thiemann (Bass) und Jo Beyer geben gerade soviel Bodenhaftung, wie nötig ist, um die Erdanziehung nicht völlig vergessen zu machen. Denn Maikas Stimme schwebt irgendwo zwischen Nachthimmel und Erde, gleitet auf und nieder. Noch ein Blick auf den imaginären Vollmond in dieser Halloween-Nacht im Ledigenheim, dann brennt das Quartett ein weiteres musikalisches Feuerwerk ab. Die Rhythmen schlagen gegeneinander, die Harmonien türmen sich verkeilt ineinander auf. Und wenn Maika Küster improvisiert, gleicht ihre Stimmartistik einer schwindelerregenden Mischung aus Drahtseilakt und Trapeznummer.

Es war ein äußerst frisches und unkonventionelles Doppelkonzert, mit dem die Jazz Initiative Dinslaken nach dem Sonderkonzert von Oregon vor einer guten Woche am Samstagabend ihre reguläre Aboreihe eröffnete. Und es war nicht nur ein Heimspiel, sondern auch noch ein Ruhrgebietsderby. Maika Küster, Sängerin der blutjungen Jazzband "Der weise Panda", ist Dinslakenerin. Das Konzert im Ledigenheim, für sie "wie Weihnachten, alle meine Tanten sind da!" Aber auch den Jazz-Fans in Dinslaken ist Maika schon seit ihrer Zeit in der Waldorf Jazz Connection ein Begriff. Inzwischen ist sie studierte Jazz-Sängerin und hat im Rahmen der JazzRally Düsseldorf mit ihrer Band den 1. Preis des Sparda Jazz Awards eingeheimst. Technisch hat sich ihre Stimme enorm weiterentwickelt, ihren unkonventioneller Stil, mit dem sie schon als Schülerin auffiel, hat sie bei allem Schliff behalten. Ebenso ihre Natürlichkeit. Bewegte sich "Der weise Panda" im Konzert auf dem Experimentierfeld der jüngsten Jazz-Generation, war Maika zwischen den Titeln einfach das Mädchen aus dem Freundes- und Familienkreis, das etwas Besonderes vorträgt.

Jan Klare verschwindet fast hinter dem wuchtigen Blech des Basssaxophons, Luc Ex scheint mit seiner Bassgitarre verwachsen zu sein, und die Bassdrum von Michael Vatcher ist eine Pauke, wie man sie vom Mittelaltermarkt kennt. "Rket" nennen sie ihr Projekt, im Kürzel steckt wohl das englische Wort für Lärm. So fragmentarisch wie der Bandtitel klingt auch das, was das Trio auf der Bühne produziert: Rhythmen krachen unter den zuckenden Bewegungen von Ex, Vatcher scheint sich beim Trommeln selbst im Beat zu verkanten, Klare pumpt dröhnende Sounds in das dicke Rohr des Basssaxophons. Die Jazz-Punk-Maschine arbeitet mit Getöse - und verstummt. Rket gehört zu jenen Bands aus Avantgarde, Freejazz und Garagen-Rock, die selbst Generalpausen schreien lassen. Das Dinslakener Publikum lässt sich von diesem Radau gerne im Sturm erobern. Aber das Set ist mit 45 Minuten punkig kurz. "Ooh" kommentiert es Klares Ansage, das bereits das letzte Stück erreicht sei.

Quelle: RP
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