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Dinslaken
Die (Alp-)Träume junger Menschen

Dinslaken: Die (Alp-)Träume junger Menschen
Die Akteure des Jugendclubs überzeugten mit ihrer ersten Produktion. FOTO: Privat
Dinslaken. Jugendclub-Projekt der Burghofbühne: Gelungene Premiere mit dem Stück "Gummibärchen in der Angstkathedrale". Viel Applaus für eine gelungene Choreographie und autobiographische Texte.

Fast könnte man meinen, sie wollten ihre eigene Premiere verschlafen. Während sich die Remise im Tenterhof am frühen Freitagabend langsam füllte, träumten die Mädchen vom Jugendclub der Burghofbühne zu den Klängen von "Mr. Sandman".

Aber das war natürlich schon Teil der ausgefeilten Choreographie, mit der die Leiterin der Kinder- und Jugendbühne Anna Scherer mit Vanessa Flesch die autobiographischen Texte der 15 Jugendlichen des ersten Bürgerbühnenprojektes umsetzten.

Die Betten standen hochkant auf der Bühne, die Mädchen standen hinter festgesteckten Decken und stellten sich schlafend. "Eine unbequeme Pose", erklärte Mirko Schombert und fasste sich bei seiner Begrüßung vor vollem Haus kurz.

Dann konnte es beginnen, das Traumtheater "Gummibärchen in der Angstkathedrale". Eine Collage von Erlebnisberichten zwischen verarbeiteter Realität, geheimen Wünschen, unausgesprochenen Ängsten und den ganz normalen Verrücktheiten, denen jeder im Traum ausgesetzt ist. "Kenn ich", rufen die Anderen, wenn einzelne Jugendclub-Akteure auf dem Matratzenlager in der Remise von immer wiederkehrenden Blumenwiesen und Verfolgungsjagden, vom Fallen, Fliegen, aber auch von der Unfähigkeit etwas zu schmecken und zu spüren, berichten.

Im Traum ist das Zeitgefühl aufgehoben, Orte ändern wie im Fluss ihr Aussehen, Personen bleiben schattenhaft, und die eigene Perspektive ändert sich.

Vor allem aber: Jeder träumt für sich allein.

Das Stück trägt dem durch seine Szenenhaftigkeit Rechnung. Die 15 Mädchen und Jungen erzählen Traumsequenzen als Monologe mit fließend-wechselnden Rollen. Sie knipsen Nachttischlampen an, um im Halbdunkel über verborgene Ängste und Selbstzweifel zu sprechen, sie stehen in der Mitte der Bühne, während der Rest des Ensembles sich wie in einem stummen Tanztheater in einer gemeinsamen Choreographie bewegt. Stimmen hallen nebeneinander, Lieder rund ums Träumen und Schlafen werden live gesungen oder vom Band eingespielt.

Manches scheint Tagträumen entsprungen. Beziehungen spielen eine Rolle, aber auch Verlustängste gegenüber den Eltern. Füße trampeln, die Jugendlichen rennen auf der Stelle, im Alptraum der "Angstkathedrale" gibt es kein Entrinnen. So wie in der Realität, wenn eine Familie auseinanderbricht.

Die Mädchen und Jungen auf der Bühne schreien die Wut heraus, während sie in die Matratzen boxen. Doch Sigmund Freud kennt die Königsdisziplin: den selbstbestimmten Traum. Erleben, was man sich ersehnt, um daraus Kraft und Inspiration zu schöpfen.

Im Traum von den eigenen Gedanken beflügelt und von anderen Menschen getragen und aufgefangen werden. Mit diesem Bild endete das erste Projekt des Jugendclubs der Bürgerbühne.

Dafür gab es viel Applaus auf der Zuschauertribüne. Und hinter der Bühne natürlich ein Jubelschrei der Akteure über ihre gelungene Leistung.

(bes)
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