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Serie Stadtführungen
Die Architektur der Zeche entdecken

Serie Stadtführungen: Die Architektur der Zeche entdecken
Die Führungen auf dem Zechengelände kommen an. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Stadtführerin Anja Sommer nahm bei einer Führung über das ehemalige Bergwerksgelände in Lohberg die verschiedenen Bauwerke in den Blick und erklärte die Funktion der Gebäude und ihre Besonderheiten. Von Florian Langhoff

Selbst Regen und kurze Hagelschauer können Stadtführerin Anja Sommer nicht davon abhalten, ihre Tour über das Zechengelände in Angriff zu nehmen. Nur geht es schnell vom ehemaligen Wasserturm in die Zentralwerkstatt, wo die Stadtführerin ihre Gäste in die Geschichte des Zechengeländes einführt. "Die meisten der Gebäude, die heute noch stehen, wurden bereits 1992 unter Denkmalschutz gestellt", erklärt sie

Dazu gehört auch die Zentralwerkstatt, in der die Teilnehmer der Führung vor einem Hagelschauer Zuflucht gefunden haben. "Von außen sieht die Werkstatt so aus, als wäre es ein massiver Steinbau. Tatsächlich ist es ein Stahlgerüstbau", erklärt Anja Sommer. Doch warum sieht das funktionelle Industriegebäude von außen ganz anders aus als von innen? "Das sind Gebäude aus der Anfangszeit des Bergbaus. In der damaligen Zeit kamen die Neugotik und der Neubarock auf", erklärt Anja Sommer. Kurz: Man baute nach historischen Vorbildern. Der Historismus ahmte dabei in den Städten alte Gebäude nach, die den Menschen, die oft aus den ländlichen Gegenden in urbane Gebiete gezogen waren, bekannt vorkamen. Im Industriebereich entwickelte sich mit dem Anspruch, "Tempel der Arbeit" zu bauen, daraus eine ganz eigene Formensprache, bekannt als Lübecker Backsteingotik. "Wenn Sie andere Zechen besuchen, sollten Sie darauf achten", rät Anja Sommer den Führungsteilnehmern.

Die besuchen mit dem "Platz der Vielfalt" das Herzstück des ehemaligen Zechengeländes mit Blick auf Förderturm, Kaue, Zentralwerkstatt und der Kohlenmischhalle. "Dieser Platz hier soll in Zukunft mit Leben gefüllt werden", erklärt Anja Sommer. Für sie ist die Kohlenmischhalle einer der architektonischen Höhepunkte auf dem Gelände. Die 210 Meter lange und 34 Meter hohe Halle ist ein Blickfang auf dem Areal, dessen künftige Nutzung noch nicht feststeht. "Zur Ruhrtriennale wurde hier Theater gespielt. Die Halle hat eine wunderbare Akustik", berichtet Anja Sommer. Die können die Führungsgäste allerdings nicht selbst testen, da zur Zeit eine Asbestsanierung im Gebäude stattfindet.

Dann doch noch einen Blick auf den Förderturm werfen. Der ist ganz klar das Wahrzeichen des ehemaligen Zechengeländes und hat auch in architektonischer Hinsicht einige Besonderheiten zu bieten: "Das ist das Meisterwerk des Architekten Fritz Schupp, der sich den Aufbau des Fördergerüstes und der Halle darunter sogar patentieren lassen wollte", berichtet Anja Sommer. Der Industriearchitekt, der auch an der Zeche Zollverein Hand anlegte, erschuf hier eines der größten Fördergerüste im ganzen Ruhrgebiet. "Außerdem sind die Seilscheiben mit einem Durchmesser von acht Metern wahrscheinlich die größten in ganz Europa", erklärt Anja Sommer.

Auffällig ist für die Führungsteilnehmer auch der Blick in die Überreste des Kauengebäudes, von dem ein Abbruchteil noch an der Wand der Lohn- und Lichthalle steht. "Das Problem hier war, dass man das Gebäude immer weiter umgebaut und erweitert hat und es sich mit der Lohn- und Lichthalle eine Wand teilte", erklärt Anja Sommer. Um diese Wand, die ein Bildnis ziert, vor Beschädigung zu schützen, wird ein Teil der Kaue erhalten bleiben. "Das ist eine gute Gelegenheit, auch ein Stück der Vergangenheit hier auf dem Zechengelände zu präsentieren", erklärt die Stadtführerin.

Zwischendurch geht sie auf Fragen der Führungsgäste ein, zum Beispiel nach dem neuen Wohngebiet, das auf dem ehemaligen Zechengelände direkt neben dem Bergpark entstehen soll. "Das Wohngebiet wird architektonisch eine spannende Sache", erklärt Anja Sommer. "Man hat dort teilweise Elemente aus der Gartenstadt zitiert", erläutert die Stadtführerin. Dazu zählen der Aufbau und die Einplanung von grünen Flächen, wie sie auch in der Gartenstadt zu finden ist. "Ich hoffe, das erste neue Haus auf dem Gelände sehen", sagt sie. Die Tour endet dort, wo sie begonnen hat: am Wasserturm.

Quelle: RP
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