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Serie Ehrenamtliche Im Friedensdorf
Die Frau, die Berührungsängste nimmt

Serie Ehrenamtliche Im Friedensdorf: Die Frau, die Berührungsängste nimmt
Franziska Nolte kümmert sich nicht nur um die Besucher, sondern auch um die Gäste und Helfer, die für das Friedensdorf in den Herkunftsländern der Kinder unterwegs sind und vor Einsätzen auch ins Haus kommen. Sie ist so etwas wie die Schnittstelle zwischen dem Leben im "Dorf" und der Außenwelt. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Seit zwei Jahren ist die 21-jährige Franziska Nolte als Ehrenamtliche im Bildungswerk der Hilfsorganisation aktiv. Sie betreut vor allem Gruppen, die von außen in die Einrichtung kommen und stellt die Arbeit im Friedensdorf vor. Von Florian Langhoff

Dinslaken/Oberhausen Es ist schon eine ungewöhnliche Geschichte, die Franziska Nolte ins Friedensdorf führte. Denn eigentlich kommt die 21-Jährige, die in Dortmund Rehabilitationspädagogik studiert, nicht aus der näheren Umgebung. Aufgewachsen ist sie in Thüringen. Über die Schwester einer Freundin ihrer Schwester erfuhr sie von der Einrichtung und dachte sofort, das wäre etwas für sie. Also bewarb sie sich nach dem Abitur auf ein Praktikum und wurde angenommen.

Dass ihre Wahl dabei aufs Bildungswerk fiel, war zunächst der Länge ihres Praktikums geschuldet. "Eigentlich wollte ich nur vier Monate hierbleiben, am Ende wurden es sechs", erzählt Franziska Nolte. Während der Zeit lebte sie auch in der Hilfseinrichtung, die für Praktikanten extra Räumlichkeiten hat. "Und dann bin ich einfach weiter dabei geblieben." Im Bildungswerk arbeitet sie dabei quasi an einer Schnittstelle zwischen dem Friedensdorf und der Außenwelt. Denn dort kümmert man unter anderem um Schulklassen und Konfirmandengruppen, die das Dorf besuchen.

"Ich weiß gar nicht, wie viele Führungen durch die Einrichtung ich schon gemacht habe", erzählt Franziska Nolte. Bewegend, für sie wie für die Besucher gleichermaßen, ist dabei oft die Begegnung mit den Kindern, die im Friedensdorf leben. "Für die Jugendlichen ist das manchmal etwas schwierig und man muss ihnen etwas die Angst nehmen", sagt die 21-Jährige.

Auch sie selbst hatte vor Beginn ihres Praktikums in der Einrichtung, ein wenig Berührungsängste. Auch das ein Grund, sich zuerst für das Bildungswerk zu entscheiden. Als dann bei einer Veranstaltung ein Kind mit starken Verbrennungen zu ihr kam, dass sich von oben bis unten mit Farbe bekleckert hatte, musste sie auch erstmal schlucken. "Man muss sich vor Augen halten, dass die Kinder mit ihren Verletzungen leben müssen. Wir hier müssen nur irgendwie damit umgehen", sagt sie. So legte sie ihre Berührungsängste sehr schnell ab. Und diese Erfahrung macht sie auch immer wieder mit den Gruppen von Jugendlichen, die zu Besuch in der Einrichtung sind.

Die kommen nämlich oft mit gewissen Befürchtungen, wenn es um die Begegnung mit Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten geht. Manchmal auch mit ein wenig Desinteresse. "Gerade wenn Jugendliche in Konfirmandengruppen am Wochenende kommen, würden sie wohl oft lieber etwas anderes machen", sagt Franziska Nolte. Doch wenn sie gehen, nehmen die Jugendlichen meistens etwas mit. "Manchmal ist dann der Trennungsschmerz schon relativ groß, wenn sie wieder gehen", sagt Franziska Nolte. Vor allem nehmen die Besucher aber die Eindrücke mit, wie es aussieht, wenn irgendwo Krieg herrscht und wer dabei meist die Opfer sind.

"Was man sonst eher nebenher in den Nachrichten hört, wird so ziemlich konkret", erzählt die ehrenamtliche Helferin. Auch sie selbst hat, mit Beginn ihres ersten Praktikums im Friedensdorf vor zwei Jahren, damit angefangen, sich viel intensiver mit den Herkunftsländern der Kinder im Dorf zu beschäftigen. "Diese Arbeit hat meinen Blick auf fast alles verändert", sagt Franziska Nolte.

Dabei kümmert sie sich nicht nur um die Besucher, sondern auch um die Gäste und Helfer, die für das Friedensdorf in den Herkunftsländern der Kinder unterwegs sind und vor Einsätzen auch ins Haus kommen. "Es ist sehr beeindruckend, diese Menschen kennenzulernen. Das ist wirklich eine besondere Erfahrung, für die ich dem Friedensdorf sehr dankbar bin", sagt Franziska Nolte.

Neben der Arbeit direkt am Friedensdorf bietet das Bildungswerk in Dinslaken auch Bildungskurse zu verschiedenen Themen an. "Das ist ein bisschen wie eine kleine Volkshochschule", erklärt Franziska Nolte. Allerdings wird vor den Kursen immer auf die Arbeit im Friedensdorf hingewiesen, die Einnahmen kommen der Einrichtung zu Gute und die Teilnehmer geben auch gerne Sachspenden für das Dorf ab.

Franziska Nolte wird bald noch ein weiteres Praktikum im Friedensdorf absolvieren - dann allerdings im Rahmen ihres Studiums und nur für sechs Wochen. Ihr ehrenamtliches Engagement setzt sie aber auch weiter fort. "Es wird hier im Dorf nie langweilig", sagt sie. "Außerdem macht es immer wieder Spaß."

Quelle: RP
 
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