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Stadtführungen
Die grüne Seite des Zechengeländes

Stadtführungen: Die grüne Seite des Zechengeländes
Auch einige "verwunschene Orte" gibt es während der Tour über das ehemalige Zechengelände zu entdecken. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Unter dem Motto "Landschaftsraum Zeche" nimmt Gästeführerin Anja Sommer ihre Besucher mit auf eine Erkundungstour über das ehemalige Bergwerks-Areal in Lohberg. Die Teilnehmer machen dort interessante Entdeckungen. Von Florian Langhoff

Wenn man "Zeche" hört, denkt man an Industrieanlagen, Kohlenstaub und Stollen. Dass das Zechengelände in Lohberg aber auch in Sachen Grün einiges zu bieten hat, lernen die Teilnehmer des Rundgangs von Anja Sommer relativ schnell. Dabei verweist die Städteführerin zuerst auf die vermutlich größte landschaftliche Veränderung, welche die Einrichtung der Zeche nach sich gezogen hat. "Wir hatten hier mal den Oberlohberg mit 68 Metern Höhe. Jetzt haben wir die 104 Meter hohe Halde", erklärt Anja Sommer. "Man hat den Ton des Oberlohbergs in der Ziegelei zu Steinen verarbeitet, mit denen man dann viele Gebäude auf dem Gelände und in der Gartenstadt errichtet hat."

Mittlerweile gehört die Halde hinter dem Zechegelände fest zum Landschaftsbild, man könnte meinen, sie wäre schon ewig an ihrem Platz. "Diese Haldenlandschaft ist ab den 60er-Jahren entstanden", klärt Anja Sommer auf. Über die Bodenwellen des Bergparks führt sie die Gruppe ihrer Führungsgäste in Richtung der Halde und dann hinauf. An einem Zaun macht sie mit ihren Führungsteilnehmern halt. "Jetzt wird es abenteuerlich", sagt die Stadtführerin und lässt Landschaftsgärtner Andreas Maurer, der die Führung begleitet, den Zaun öffnen. Dahinter bahnen sich die Tourteilnehmer einen Weg durch das Dickicht. "Eigentlich sollte der Weg hier schon freigeschnitten sein", sagt Anja Sommer.

Gästeführerin Anja Sommer (l.) kennt sich gut in Lohberg aus. FOTO: Martin Büttner

Über Rohre hinweg und an alten Schalttafeln vorbei bahnt sich die Gruppe ihren Weg, bis sich das Grün lichtet. Ein Weiher taucht zwischen den Büschen auf und die Führungsteilnehmer blicken relativ verdutzt auf die Wasserfläche. "Das ist einer der verwunschenen Orte, die wir hier auf dem Gelände haben", kommentiert Anja Sommer den Anblick. Der Weiher ist das so genannte Kaiserbecken. "Das ist nach dem Wäschemeister Johann Kaiser benannt", erklärt die Stadtführerin. "Er war maßgeblich am Aufbau der Kohlewäsche beteiligt und so hat man später den Teich nach ihm benannt." Denn die Becken dienten früher der Kohlewäsche, einem Verfahren, um die zu Tage geförderte Kohle in verschiedene Qualitäten zu trennen und von Verunreinigungen zu befreien. Dazu waren mehrere Becken auf der Halde angelegt und mit einem Rohrsystem miteinander verbunden.

Über diese Rohre, die in Knöchel- und Oberschenkelhöhe über das Gelände laufen, geht es dann zurück auf den festen Weg. Hier führt Anja Sommer die Gruppe vorbei am nächsten Becken. Es ist ausgetrocknet. Statt einer Wasserfläche findet sich hier auf der Halde eine große Schilflandschaft. "Das ist eine spezielle Landschaftsform, in der Tiere ihre Nische gefunden haben", sagt Anja Sommer. Aus dem dichten Werk der Schilfrohre kann man Vogelzwitschern hören. "Da ist richtig was los auf der Fläche", kommentiert die Stadtführerin. Mit genügend Geduld und einem Fernglas kann man hier einige Vogelarten beobachten. Schilfrohrsänger und Bussarde fühlen sich in und über der Haldenlandschaft heimisch. "Die Gartenstadt auf der anderen Seite der Hünxer Straße ist da eher das Revier der Mauersegler und Rabenvögel", erklärt Anja Sommer.

Dann geht es weiter in Richtung der ehemaligen Kohlenmischhalle. Hier wird besonders deutlich, wie schnell sich die Natur das Zechengelände wieder zurückerobert. Überall blühen Pionierpflanzen. Hier und da lassen sich auch besondere Gewächse entdecken. So finden sich hier Zaunrosen, Wildrosen und Apfelrosen und dazu Sommerflieder und Honiggras. "Wenn das alles blüht, kann man hier auch mit dem Geruchssinn etwas erleben", kommentiert Anja Sommer die zahlreichen Gewächse auf der ansonsten noch relativ kargen Fläche vor der Kohlenmischhalle.

Zurück geht es zum Wasserturm im Bergpark, dem Ausgangspunkt der Expedition auf die grüne Seite des Zechengeländes. Mit Blick über den Bergpark, der den letzten Abschnitt in der bisherigen Entwicklung des Landschaftsraums darstellt, verabschiedet sich die Stadtführerin von ihren Gästen. Die nehmen mit Sicherheit einen neuen Blick auf das Zechengelände mit nach Hause.

Quelle: RP
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