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Dinslaken
Die Odyssee auf dem Milchsee

Dinslaken. Für Milchviehhalter wird es immer enger. Verbandsvize Wilhelm Neu befürchtet Strukturbruch und Verarmung. Von Fritz Schubert

Landauf, landab machen die Milchviehhalter in diesen Tagen auf den Preisverfall aufmerksam. Seit dem Ende der Quotenregelung ist der Markt unter Druck. Die großen Discounter diktieren die Preise. Politische Einflüsse wie das Russlandembargo und andere Faktoren wie schwache Nachfrage aus China oder Krisenherden in Nordafrika und dem Nahen Osten lassen den Milchsee anschwellen. Er reicht sozusagen schon über den Horizont hinaus, so dass die Erzeuger nicht sehen können, wohin die Irrfahrt sie führt. Was sie aktuell sehr wohl sehen, das ist die Diskrepanz zwischen einer Flut von Milch und Ebbe in der Kasse. Zur Verdeutlichung der dramatischen Lage hatte Wilhelm Neu aus Brünen, Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), gestern auf den Hof von Heinz-Gerd und Bernd Buchmann nach Nordbrock eingeladen.

Vor fünf Jahren hat der Familienbetrieb sich auf Milchvieh konzentriert und in einen neuen Boxenlaufstall investiert. Trotz und auch wegen nahenden Quotenendes, denn die Prognosen für guten Absatz auf dem Weltmarkt stimmten optimistisch. Die neue Anlage mit viel Bewegungsraum für die Tiere gilt als artgerecht und zukunftsweisend. Billig war sie nicht. Das ist nur die Milch. Jetzt geht der Ertrag gegen null. 22 bis 25,67 Cent bekommt der Bauer in NRW für einen Liter. Das heißt: kein Auskommen mit dem Einkommen. Verbandsvize Neu sieht keinen Strukturwandel, sondern vielmehr einen Strukturbruch kommen, warnt vor einer Verarmung der ländlichen Regionen und fordert deshalb einen ganzen Strauß unmittelbarer Hilfen und Stellschrauben zur Regulierung. Aber keine neue Quote. Statt staatlicher Pauschallösungen sieht er Möglichkeiten in der Anpassung an Gepflogenheiten in andern europäischen Ländern. So sei in Belgien auch Aldi bereit, mehr für die Ware Milch zu zahlen als in Deutschland.

"Die Verhandlungsmacht des Milchsektors gegenüber dem Handel muss endlich gestärkt werden", sagt Neu und appelliert an Molkereien, sich für besagten Kraftzuwachs zusammenzuschließen. Dem stehe kartellrechtlich wenig im Wege, bisher tue sich aber noch gar nichts, um auf Augenhöhe mit dem Handel zu kommen. Differenzierte Auszahlungspreise durch freiwillige Zusatzvereinbarungen, Bonuszahlungen zur Mengenanpassung oder eine verwertungsbezogene Preisstaffelung seien weitere Themen, die zu diskutieren seien. Ebenso könne die Politik mit Entlastungen bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung und der Steuer auf Agrardiesel helfen.

Quelle: RP
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