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Unsere Woche
Die Personalnot der Dinslakener Sozialdemokraten

Dinslaken. Warum die Dinslakener SPD seit Jahren nicht lernfähig ist, und warum sie auf dem besten Weg ist, deswegen ihre Glaubwürdigkeit vollends zu verspielen.

Boaaah. Da staunt das Publikum. Dinslakens Sozialdemokraten verlieren die Kandidatin für das Amt an ihrer Parteispitze und - zack, bumm, peng - haben sie schon, eh' man sich's versieht, einen neuen Kandidaten aus dem Hut gezaubert. Spitzenmäßiger Zaubertrick. Blöd nur, dass er so leicht durchschaubar ist. Staunen lässt das Publikum eigentlich nur, dass die Sozialdemokraten zu einem derart miserablen Krisenmanagement in der Lage sind und die Chuzpe, mit der sie glauben, ihr Publikum für dumm verkaufen zu können.

Also mal der Reihe nach. Im Sommer ist der Stadtverbandsvorsitzende Friedhelm Wlcek nach schwerer Krankheit gestorben. Ihm war's gelungen, Ruhe in den sozialdemokratischen Laden zu bekommen, und wer sich an die Zeiten erinnert, bevor Wlcek das Amt als SPD-Chef in Dinslaken übernommen hat, der wird wissen, dass diese Leistung gar nicht hoch genug zu schätzen ist. Die SPD eroberte das Bürgermeisteramt zurück, wurde, wenn auch weit entfernt von früheren Glanztagen mit bombenfest zementierten absoluten Mehrheiten, wieder stärkste Fraktion. Was aber auch Wlcek nicht gelungen ist, war eine nachhaltige Erneuerung der Dinslakener SPD, viele der alten Köpfe behielten das Sagen und, was noch schlimmer ist, die SPD verharrte im Wesentlichen in alten Verhaltensmustern. Das rächt sich jetzt. Das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden blieb lange vakant - was allein schon dafür spricht, dass es der Dinslakener SPD an Köpfen mangelt, die an die Parteispitze drängen - sei es, weil sie's nicht können, weil sie, obwohl sie's könnten, nicht mehrheitsfähig sind oder weil sie sich den Job einfach nicht antun wollen. Schließlich verkündete die SPD die Kandidatur von Monika Piechula, was eigentlich auch nur die Personalnot der Partei offenbarte. Die langjährige Hiesfelder Ortsvereinsvorsitzende steht nun wirklich nicht für Erneuerung, und was noch schwerer wiegt, sie zählt, das wird man sagen dürfen, ohne ihr zu nahe zu treten, nicht zu den Menschen, die auf Ausgleich bedacht sind. Monika Piechula polarisiert. Dass sie in der Lage sein könnte, ein so kompliziertes Gebilde wie eine Partei zu einer schlagfähigen Einheit zu formen, ist nur schwer vorstellbar. Das überforderte offenbar auch die Vorstellungskraft einiger Parteifreunde. Die sammelten "belastendes Material", das wohl dazu geführt hat, dass Monika Piechula das Handtuch geworfen und ihre Kandidatur zurückgezogen hat. Dass weder Piechula noch andere Spitzenfunktionäre der Dinslakener SPD es für nötig befinden, sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen, die Genossin habe zur Flüchtlingsthematik auf Facebook rechtspopulistische Äußerungen verbreitet, gehört zu den Absonderlichkeiten im Verhalten dieser Partei, die ihr noch einmal kräftig auf die Füße fallen könnten. Jetzt also soll es Reinhard Wolf richten, erst seit 2013 in der Partei und in der Dinslakener Öffentlichkeit ein völlig unbeschriebenes Blatt. Ist doch gut, könnte man meinen. Endlich jemand, der unbelastet vom Muff der vielen Jahre ans Werk gehen kann. Wolf wird freilich mit dem Makel ins Amt starten müssen, dass er nicht mehr als ein Notstopfen ist, den die Parteispitzen unter größtem Zeitdruck ins Amt bugsieren wollen, um die "Affäre Piechula" möglichst schnell und geräuschlos zu beerdigen.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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