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Serie Stadtführungen
Die Schätze am Wegesrand entdecken

Serie Stadtführungen: Die Schätze am Wegesrand entdecken
Genauer Blick auf die Pflanzen: Mit einer kleinen Lupe in der Hand nimmt Jutta Becker-Ufermann (links) ein Gänseblümchen auf der Museumswiese in den Blick. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Kräuterpädagogin Jutta Becker-Ufermann entdeckt bei ihren Spaziergängen durch die Stadt interessante Pflanzen. Von Florian Langhoff

Dinslaken Weit laufen müssen die Führungsteilnehmer nicht. Nur wenige Meter vom Startpunkt entfernt entdeckt Jutta Becker-Ufermann auf der Wiese am Museum Voswinckelshof das erste besondere Gewächs: Gänseblümchen. "Die sind eine essbare Delikatesse, und man kann sie bestens als Salatdeko verwenden", sagt die staatlich zertifizierte Kräuterpädagogin. Dann geht es mit den Tourteilnehmern auf eine kleine Erkundungsreise in die Natur. In diesem Fall in Richtung Rotbachufer in der Innenstadt.

Schon auf dem Weg dorthin fällt den Teilnehmern das ein oder andere Pflänzchen am Wegesrand ins Auge. Jutta Becker-Ufermann kennt sie alle und hat einen Tipp für die Verwendung - oder erklärt, warum man bestimmte Pflanzen lieber da stehenlässt, wo man sie findet. Denn natürlich sind einige schlichtweg giftig, und bei denen sollte man vorsichtig sein.

Besondere Pflanze: Jutta Becker-Ufermann erklärt den Führungsteilnehmern, was man mit einer Brennnessel alles anstellen kann. FOTO: Martin Büttner

Das Schöllkraut hat es in sich. Die Kräuterwanderer erfahren, wozu man die Pflanze mit der gelben Blüte verwenden kann. "Das ist ein traditionelles Hausmittel gegen Warzen", erklärt Jutta Becker-Ufermann. Löwenzahn lässt sich ebenfalls verspeisen oder auch trinken. "Man hat früher die Wurzeln des Löwenzahns geröstet und als Kaffee-Ersatz verwendet", erklärt die Kräuterkundige. "Das ist aber eher etwas für den Notfall", fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Nur als Pusteblumen sollte man das Kraut nicht unbedingt essen. "Das fusselt im Mund", sagt Jutta Becker-Ufermann.

Dass man aus Brennnesseln, die gemeinhin als "Unkraut" gelten, auch Tee kochen kann, ist schon länger bekannt. Die Kräuterführerin hat aber noch ein anderes Rezept parat: "Einfach die Brennnesseln abrubbeln und dann mit einem Tropfen Öl in der Pfanne rösten. Das schmeckt schön nussig", erklärt sie weiter. Zu einem ganz anderen Zweck lässt sich der Spitzwegerich verwenden. "Das ist die ideale Reiseapotheke. Man sagt ihm eine antibakterielle Wirkung nach." Einfach ein wenig des Pflanzensaftes auf die Wunde reiben.

Wer lieber etwas Süßes aus der Natur haben möchte, wird bei der Taubnessel fündig. "Die hat einen süßen Nektar. Den haben wir früher als Kinder ausgezuzelt", sagt Jutta Becker-Ufermann. Die Kräuterführerin weiß nicht nur interessante Dinge über den Nutzwert der Kräuter zu berichten.

Manchmal sind die Pflanzen auch Hauptdarsteller in märchenhaften Geschichten. "Früher sammelten die Mädchen zu Mitsommer auf sieben verschiedenen Wiesen sieben unterschiedliche Kräuter", erzählt Jutta Becker-Ufermann. "Die wurden dann zum Kranz geflochten und unters Kopfkissen gelegt. Wenn die Frau dann von einem Mann träumte, war das ihr Liebster." Eine ähnliche Geschichte hat auch der Gundermann (auch als Echt-Gundelrebe bekannt) zu bieten. "Man hat sich früher zur Walpurgisnacht Kränze daraus geflochten und auf den Kopf gesetzt. Wer so einen Kranz trug, sollte damit Hexen erkennen können", verrät Jutta Becker-Ufermann.

Nach der Kräuterführung sollte man aber nicht gleich alles pflücken und verkosten, was am Wegesrand steht. "Man muss sich mit den Kräutern schon näher beschäftigen und sollte nichts in die Hand oder in den Mund nehmen, was man nicht sicher identifizieren kann", sagt Jutta Becker-Ufermann. "Wenn jemand vorher noch gar keine Ahnung von Kräutern hatte und nach der Führung zwei oder drei sicher erkennt, ist das schon gut."

Wer sich für die Gewächse in der Natur interessiert, kann der zertifizierten Kräuterpädagogin am 29. August auf eine Kräuterwanderung über die Halde in Lohberg folgen. Am 5. Oktober bietet Becker-Ufermann dort eine Pilzführung an. Und wer wissen möchte, was man mit Kräutern in der Küche anstellen kann, darf die Expertin in ihrer Wildkräuterküche im Appelbongert in Schermbeck besuchen. "Sie sind herzlich eingeladen, mit mir zusammen ins Gras zu beißen", sagt die Kräuterpädagogin und lächelt.

Mehr zu ihr und den Terminen für die verschiedenen Führungen dort gibt es im Internet: www.appelbongert.de

Quelle: RP
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