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Unsere Woche
Die Stadt, die Pokémon und der Müll

Dinslaken. Warum der Pokémon-Hype einem egal sein könnte, wenn es nicht die Spieler gebe, die ihren Müll so achtlos hinterlassen und warum der Umgang mit Müll grundsätzlich ein Problem ist.

Ich bekenne, auf diesem Gebiet bin ich ein Ahnungsloser. Nein, wir reden nicht von der Mathematik, obwohl Onkel Tom, so nannten wir liebevoll unseren Mathelehrer, genau das seinerzeit immer behauptete. Nein, wir reden von einer gänzlich anderen Materie, die mir, da bin ich absolut sicher, auf immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben wird.

Ich gehöre zu den Menschen, die - vielleicht mal abgesehen von Zeiten, in denen Fußballwelt- oder -europameisterschaften ausgetragen werden - nicht dazu neigen, irgendwelchen Hypes zu verfallen. Mit den Buchstabenfolgen Abra und Kadabra verbinde ich auch heute noch einen etwas aus der Mode gekommenen Zauberspruch. Mir ist es völlig egal, ob irgendwo möglicherweise gleich ein Vulpix spawnt, und ich bremse für Tiere - aber keinesfalls für Taschenmonster.

Ich kann mit diesem ganzen Pokémon-Gedöns nichts, aber auch gar nichts anfangen. Aber bitte, so viel Liberalität muss sein, wem's Spaß macht . . .

Ich kann mich also nicht darüber aufregen, wenn eigentlich völlig normal anmutende Menschen stundenlang mit dem Smartphone vor der Nase durch die Gegend laufen, wenn sie sich an sogenannten Pokéstops mit Lockmodul - was immer das auch ist - zusammenrotten, nur um ein virtuelles, dafür aber wild herumflatterndes Zubat zu fangen und wenn sie Zeit und Geld verschwenden, um einem Spiel zu frönen, dessen Sinn sich mir nicht einmal ansatzweise erschließt.

Aufregen kann und will ich mich - da hat die elterliche Erziehung schon in meiner kindlichen Frühphase jedweder Liberalität einfach Grenzen gesetzt - allerdings, wenn diese Menschen an ihren Spielplätzen haufenweise Müll hinterlassen. Im Dinslakener Stadtpark beispielsweise ist das zurzeit eindrücklich zu beobachten. Ich bringe da einfach nicht die - um es in Neudeutsch, das wahrscheinlich auch Pokémon-Spieler verstehen, zu sagen - Coolness auf, über die offenbar der Dinslakener Rathaussprecher verfügt. Nach einem Pokémon-Wochenende, so teilte der mit, sehe es im Stadtpark zwar ziemlich schlimm aus, doch das Müllproblem sei vom Din-Service beherrschbar. Ja, dann ist ja alles gut.

Nein, das ist es nicht. Und wir reden ja auch nicht von einem Phänomen, das erst in der Welt ist, seit die Taschenmonster das Gehen erlernt haben. Wir reden von allen Zeitgenossen, die offenbar gar nichts dabei finden, ihren Müll in ihrer Umwelt zu verstreuen, auf deren Hinterlassenschaft man nicht nur im Stadtpark sondern auch bei jedem Waldspaziergang und jeder Fahrradtour durch die schöne niederrheinische Landschaft unentwegt stößt. Und was das Fatale ist: Die Zahl dieser Zeitgenossen steht offenbar in einem umgekehrten Verhältnis zur Bevölkerungsentwicklung. Will sagen: die Zahl der Menschen - zumindest in dieser Region - nimmt ab, die der Schmutzfinken unter ihnen aber nimmt zu. Darüber kann, darf und muss man sich aufregen.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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