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Unsere Woche
Die unangenehme Wahrheit lässt sich nicht ignorieren

Dinslaken. Warum das Schauspiel, das die Dinslakener SPD aufführt, einer Partei mit ihrer großen Tradition nicht würdig ist.

Preisfrage: Was haben Dinslakens Sozialdemokraten mit Mizaru, Kikazaru, Iwazaru zu tun? Antwort: Sie verhalten sich so. Nun gilt in Japan das Verhalten der berühmten drei Affen, die nichts sehen, hören und sagen wollen, seit Urzeiten als weise, weil sie damit das Böse gewissermaßen nicht in die Welt lassen. Blöd ist nur, dass die Affen - zumindest in der westlichen Welt - seit langem nicht mehr als weise gelten und immer dann ihren Auftritt haben, wenn symbolisiert werden soll, dass jemand die unangenehme Wahrheit partout nicht wahrhaben will. Noch blöder, dass sich selbst der weiseste Affe lächerlich machen dürfte, wollte er über das Schlechte hinwegsehen, wenn's zuvor per Facebook in die Welt hinausposaunt worden ist. Und damit sind wir dann auch schon bei Dinslakens Sozialdemokraten und ihrer Genossin Monika Piechula. Die Hiesfelder SPD-Ortsvereinsvorsitzende hat Sprüche über Flüchtlinge ins sogenannte soziale Netzwerk gekloppt, mit denen sie bei jeder Pegidademonstration gern gesehener Gast wäre. Und was tun Spitzenkräfte der Dinslakener SPD - allen voran Bürgermeister Dr. Michael Heidinger? Sie wollen's am liebsten nicht zur Kenntnis nehmen. Und wenn sich das nicht mehr vermeiden lässt, wollen sie möglichst nicht drüber reden und wenn auch das nicht mehr geht, dann distanzieren sie sich mit markigen Worten, um im selben Atemzug abzuwiegeln und zu erklären, dass die Genossin ruhig ihre Parteiämter behalten könne. Na dann!

Und die, die die unsäglichen Facebook-Kommentare losgelassen hat? Die erklärt vor laufender Kamera, dass sie Mist gebaut habe, was ihr auch Leid tue, aber sie sei nun einmal ein ausgesprochen impulsiver, emotionaler Mensch, manchmal gar ein Bollerkopp. Geht's noch? So ließe sich, und auch das nur schwer, vielleicht ein einzelner Spruch erklären. Die Liste mit Monika Piechulas offenbar über einen längeren Zeitraum geposteten Facebook-Kommentaren, die seit einiger Zeit in der SPD kursiert, aber versammelt eine ganze Reihe solch sprachlicher Entgleisungen und ist nicht mal vollständig. Also bitte, mit Impulsivität hat das nichts zu tun.

Was sonst ließe sich an mildernden Umständen ins Feld führen?

Monika Piechula ist eine verdiente Genossin, keine Frage. Sie hat für "ihre" SPD gerackert, sie hat SPD-Bundes- und Landtagsabgeordnete vor Ort in ihrem Wahlkreis nach Kräften unterstützt, hat sich auch und speziell um den Bürgermeister gekümmert, den sie auf ihre burschikose Art unter ihre Fittiche genommen und ihm geholfen hat, bekannt zu werden. Der war ihr so dankbar, dass er sie nach seinem ersten Wahlsieg mit dem Amt der politischen Koordinatorin im Rathaus belohnen wollte, was aber am öffentlichen Protest scheiterte, den Monika Piechula, wie sie damals zu Protokoll gab, "angeekelt" zur Kenntnis nahm und auf den Job verzichtete. Dennoch war sie auch beim nächsten Wahlkampf des Bürgermeisters wieder mit vollem Einsatz zur Stelle. Aber reicht das alles, um sich in der Facebook-Affäre an dem unmöglichen Kunststück zu versuchen, sich zwar entschieden von Piechulas Äußerungen zu distanzieren, ihr trotzdem zu ermöglichen, ihre Parteiämter zu behalten und dabei auch noch glaubwürdig zu bleiben? Wer sie kenne, der wisse, dass sie mit rechtem Gedankengut nichts zu schaffen habe, sagt Monika Piechula. Das sagt auch der Bürgermeister, und das sagen auch andere Dinslakener Genossen. Mal abgesehen davon, dass sie selbst hinreichend Belege für berechtigte Zweifel an dieser Aussage geschaffen hat, geht es doch noch um mehr. Es geht um Haltung, Verantwortung und Anstand. Monika Piechula könnte der SPD noch einen großen Dienst erweisen, indem sie ihre Parteiämter abgibt. Das Schauspiel, das die SPD in Dinslaken aufführt, ist einer Partei mit ihrer großen Tradition unwürdig.

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Quelle: RP
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