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Dinslaken
Seemannsgefühl auf dem Altmarkt

DIN-Tage in Dinslaken mit dem Shanty-Festival
Der Shanty-Chor Hiesfeld sang unter der Leitung von Thomas Baumann. FOTO: Kunkel
Dinslaken. DIN-Tage: Der Shanty-Chor Hiesfeld begrüßte zum Shanty-Festival Brasy aus Polen und De Boekaniers aus Holland.

Dass Dinslaken musikalisch auf der Shanty-Welle ganz weit vorne mitschwimmt, weiß man spätestens seit dem Weltrekord auf der Trabrennbahn im vergangenen Jahr. Aber die Stadt wird dank dem Shanty-Chor Hiesfeld unter der Leitung von Thomas Baumann auch in anderen Jahren immer wieder zu einem Hafen, der international musikalisch angelaufen wird. Am Sonntag war es wieder soweit - es gab Besuch. Im Rahmen der DIN-Tage begrüßten die Seebären von der Rotbachkant das polnische Quintett Brasy und De Boekaniers aus dem niederländischen Harderwijk.

Letzteren Sängern hätte man allerdings gewünscht, sie hätten lieber den Wasserweg, denn die Autobahn 3 in Richtung Niederrhein genommen. Dem unfreiwilligen Aufenthalt in einer Haltebucht bei Arnheim folgte die Rückkehr in den Heimathafen und dann ein zweites Auslaufen zum Dinslaken Altmarkt.

Doch einen Seemann kann bekanntlich nichts erschüttern, auch kein geplatzter Autoreifen. Kaum waren die Boekaniers dann vollzählig, stimmten sie auf der Bühne Shantys und Seasongs an, als seien sie es gewohnt, jeder Art von stürmischer See und Gegenwind zu trotzen.

Ein Gutes hatte das Ganze übrigens für das durcheinandergewehte Programm des 4. Dinslakener Shanty-Festivals. Pont Neuf mussten jetzt doch auftreten, um die Flaute zwischen Brasy und den Boekaniers zu überbrücken. Brasy, das Quintett aus dem polnischen Bytom, ist nicht einfach nur ein Stammgast des Shanty-Chors. Die fünf stimmgewaltigen Sänger sind längst Freunde geworden. Musikalisch dürften sie mit ihren beiden Sets gestern neue dazu gewonnen haben. Ihre Shantys singen sie mit kräftigen, volltönenden und harmonischen Stimmen, irischen und englischen Folk interpretieren sie weich und gefühlvoll, begleiten sich dabei mit Gitarre und Violine. Das alles in ausgefeilten Gesangssätzen. Schon nach dem ersten Set wurden Fragen aus dem Publikum nach einer CD des Quintetts laut.

Eine neue CD wird es auch vom Shanty-Chor Hiesfeld voraussichtlich Ende des Jahres geben. Gleich mit fünf Stücken gaben die Sänger gestern einen ersten Vorgeschmack auf das, was da angeschippert kommen mag. Und das durchaus nicht ohne Hintergedanken. Der Shanty-Chor hat mal wieder die Nase im Wind und sich bei der Finanzierung des Tonträgers für ein Crowdfunding entschlossen. Für zehn Euro konnten "Shanty-Aktien" erworben werden, das Geld fließt in die Produktion und als "Dividende" erhält der Aktionär die fertige CD. Doch am Sonntag war alles live: von den traditionellen Shantys bis zu "Santiago", von den rauen Stimmen bis zu Akkordeon und Tin Whistle.

Zum Schluss des großen Konzerts standen alle vier Gruppen gemeinsam auf der Bühne. Und was bleibt nach einem Shanty-Chor-Festival zu besingen: natürlich, der drunken sailor. Darauf noch einen Rum, Prost! Und bis zum nächsten Mal, wenn Dinslaken wieder zum internationalen Hafen für Shantygesang wird.

(bes)
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