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Dinslaken
Dinslaken heißt Flüchtlinge willkommen

Dinslaken. Am Montag erhielt die Stadt den Auftrag, schon am Folgetag 120 Flüchtlinge unterzubringen. Tatsächlich kamen gestern 99 Asylsuchende in Lohberg an, die auf zwei Standorte verteilt wurden. Am Freitag sollen sie ins Hardtfeld ziehen. Von Hendrik Gaasterland

Als Caritasdirektor Michael van Meerbeck gestern Vormittag am Hardtfeld vorfuhr, fiel ihm noch im Auto sitzend als erstes der frischgemähte Rasen auf. "Das ist aber schön, dass das auch erledigt wurde", sagte er. Nach der Ankunft schaute er sich gleich gespannt an, wie weit acht seiner Mitarbeiter und verschiedene Handwerksbetriebe bereits mit den Arbeiten gekommen waren, um das seit Jahren leerstehendes Haus im von der Caritas betreuten Hardtfeld zu einer Notunterkunft für 120 Flüchtlinge umzufunktionieren. Fertig waren sie zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht - und trotz aller Anstrengungen wurden sie es auch nicht. Erst am Freitag sollen die Asylsuchenden nun im Hardtfeld einziehen.

"Am Montag kam der Auftrag und ab da wurde gearbeitet, bis es dunkel wurde. Heute ging es um 7 Uhr weiter, und die Maler sind bis zum Abend auch durch. Aber wir haben jetzt insgesamt 400 Liter Farbe an den Wänden, die wir so schnell nicht getrocknet bekommen", berichtete Architekt Heinz Vahnenbruck, der auch die Bauarbeiten in der Fliehburg betreut.

Im Hardtfeld mussten zunächst die insgesamt 18 Wohnungen entrümpelt werden. Tapeten wurden abgerissen, damit die Wände den frischen weißen Anstrich bekommen konnten. Weil das Wasser nicht floss, wurde ein provisorischer Wagen mit Sanitäranlagen angeschlossen - allerdings ohne Duschen, weshalb der Einzug am Freitag auch mehr Sinn macht. Die Bauordnung kam mit der Feuerwehr und forderte für jede Wohnung einen Rauchmelder. Das Gesundheitsamt begutachtete die Küche in einem freien Raum im Nachbargebäude. Caritasmitarbeiter waren überall unterwegs, um für die Erstausstattung Betten, Decken oder Kissen aufzutreiben. "Der größte Aufwand auf der Baustelle sind die Elektroinstallationen. 120 Lampen müssen montiert werden", sagte Vahnenbruck.

Während im Hardtfeld ohne Unterlass gearbeitet wurde, warteten Bürgermeister Dr. Michael Heidinger und Michael van Meerbeck ab 14 Uhr am Caritas-Heim der offenen Tür in Lohberg auf die Flüchtlinge. Sie wussten nicht, wo die Menschen herkommen würden. Wie viele Frauen es sind, wie viele Männer kommen, ob Familien dabei sind - alles unbeantwortete Fragen. "Das wird ein Überraschungspaket", sagte der Bürgermeister, der für die schnelle Umsetzung seinen Mitarbeitern, aber vor allem dem Caritasverband dankte: "Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen. Bei aller Flüchtlingsdiskussion zeigt sich, dass wir in Dinslaken eine Willkommenskultur haben, wenn wir so einen Kraftakt auf die Beine stellen können. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass eine solche Hau-Ruck-Aktion nicht jeden Tag möglich ist. Aber wir haben alles dafür getan, dass die Menschen bei uns auch menschenwürdig unterkommen." 90 Minuten nach der geplanten Ankunftszeit war es dann soweit. Der Reisebus aus Dortmund traf ein, der statt der 120 angekündigten Flüchtlinge 99 Menschen absetzte.

Dolmetscher - es halfen auch Bürger aus der Nachbarschaft - hießen die Asylsuchenden aus Algerien, Albanien, Ghana, Mazedonien, Syrien, Iran, Irak, Marokko und Libyen in ihrer Muttersprache willkommen. Nach einer ärztlichen Erstuntersuchung und der Registrierung wartete eine türkische Suppe als erste Stärkung. Während der Wartezeit hatte Michael van Meerbeck bereits das Problem gelöst, dass die Wohnungen im Hardtfeld nicht rechtzeitig bezugsfertig geworden waren.

Kurzerhand wurden die Flüchtlinge auf den ehemaligen Kindergarten der Sankt-Vinzenz-Kirchengemeinde an der Taubenstraße und das Heim der offenen Tür in Lohberg aufgeteilt. "Wir bitten die Nachbarn und Anwohner, dass sie verstehen, dass eine absolute Notsituation entstanden ist und dass sie die Flüchtlinge mit niederrheinischer Gastfreundschaft und Menschlichkeit empfangen", sagte der Caritasdirektor.

Ein Sicherheitsdienst wird auf die Gäste, die für drei Wochen bleiben sollen, aufpassen.

Quelle: RP
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