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Vernehmungsprotokolle aufgetaucht
Dinslakener Nils D. soll beim Sturmtrupp des IS gearbeitet haben

Islamist aus Dinslaken festgenommen
Islamist aus Dinslaken festgenommen FOTO: dpa, rs pzi
Dinslaken. Ab dem 20. Januar muss sich der Dinslakener Konvertit Nils D. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Er soll Medienberichten zufolge im sogenannten Sturmtrupp des IS an der Verhaftung von Abweichlern beteiligt gewesen sein. Von Ludwig Krause

Es ist die klassische Geschichte einer Radikalisierung: Nils D. ist vorbestraft, Vater einer Tochter, nach Drogenproblemen und einer abgebrochenen Ausbildung zum Mechaniker kam er zur sogenannten "Lohberger Brigade", einer Gruppe von Islamisten, die sich nach dem Dinslakener Stadtteil Lohberg benannten. Über seinen Cousin, der in Propagandavideos des IS auftauchte und bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen sein soll, radikalisiert er sich. Er reist nach Syrien, kehrt später nach Deutschland zurück.

Im Januar 2015 wurde Nils D. festgenommen, dem Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR liegen eigenen Angaben zufolge die Vernehmungsprotokolle vor. In etwa 40 Vernehmungen soll Nils D. ausgepackt haben – über das Innenleben des Islamischen Staates, die Rolle deutscher Islamisten und nicht zuletzt seine Aufgaben.

Nach einigen Monaten in Syrien soll der 25-Jährige beim sogenannten Sturmtrupp des IS angeheuert haben. Eine Gruppe, die für das Auffinden und Festnehmen von Abweichlern zuständig ist und von Deutschen Ermittlern inoffziell "Gestapo des IS" genannt werden soll.

An etwa 15 Festnahmen sei er beteiligt gewesen sein. Den Medienberichten zufolge will er dabei aber immer im Auto gesessen haben und für die Betreuung der Verhafteten zuständige gewesen sein. Außerdem habe er geputzt und gekocht – wenigstens Teile seiner Aussagen werte die Bundesanwaltschaft als Schutzbehauptungen, wie es heißt.

Viele seiner Aussagen seien dennoch für die Ermittler wichtig. Wie etwa die zu Reda Seyam, einem Deutsch-Ägypter, der Logistik-Chef des IS sein soll. Auch mit einigen der späteren Attentäter von Paris hätten Deutsche zusammengelebt. Islamisten aus Deutschland hätten unter der Führung belgischer Dschihadisten gekämpft.

Wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung muss sich Nils D. vom 20. Januar an vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Der Prozess gegen den 25-Jährigen findet im Hochsicherheitstrakt des Gerichts statt.

(lukra)
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