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Dinslaken
Dinslakener ist Minister in Sachsen-Anhalt

Dinslaken. Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium hat Armin Willingmann 1982 seine Heimatstadt verlassen. Jetzt übernahm der 53-Jährige in Magdeburg das Ressort für Wirtschaft. Von Rita Meesters

Ein Besuch in der früheren Heimat ist für Armin Willingmann immer eine kleine Zeitreise. "Ist dort immer noch das Lehrerzimmer?", fragt er und zeigt auf die Fensterfront im Altbau des Theodor-Heuss-Gymnasiums. "Die Ansicht hat sich nicht viel verändert." Einige Namen von damals hat er nicht vergessen. "Dr. Bode war der Direktor", erinnert sich der 53-Jährige an die Schulzeit, die 1982 mit dem Abitur endete. Nach dem Abschluss vor fast 35 Jahren verließ der Dinslakener den Niederrhein, um zu studieren. Seit vielen Jahren lebt der Professor für Deutsches, Europäisches und Internationales Recht inzwischen in Ostdeutschland, zunächst in Rostock und seit 2003 in Wernigerode, wo er 13 Jahren lang Rektor der Hochschule Harz war. Am 16. November wurde der gebürtige Dinslakener zum Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt ernannt.

Obwohl er sich längst im Osten heimisch fühlt und mit seiner Familie gerne dort lebt, ist Armin Willingmann seine Heimatstadt noch nicht ganz fremd geworden. "Ich lege immer noch Wert darauf, dass ich vom Niederrhein komme", erzählt er. Ein- bis zweimal im Jahr besucht der Sozialdemokrat noch die Stadt, in der er aufgewachsen ist. Der Vater und die Schwester leben hier, viele Schulfreunde von damals sind allerdings weggezogen, berichtet er. Aufgewachsen ist Armin Willingmann im Averbruch an der Schützenstraße, er besuchte die Averbruchschule und dann das THG. "Wir waren damals die erste Klasse mit Mädchen." Und Latein, erinnert er sich, gab's noch ab der 5. Klasse. Am THG war er von 1979 bis 1982 als Schülersprecher aktiv. Unterrichtsausfall war in dieser Zeit schon ein wichtiges Thema - in der Folge entstanden die Kooperationskurse mit den Innenstadtgymnasien OHG und EBG (heute die Gesamtschule), erzählt der heutige Minister. Sein Vater Karl-Heinz arbeitete als Steuerberater und engagierte sich im Sport: Zunächst als Präsident des Tennisclub Blau-Weiss und später in gleicher Position beim VfB Lohberg.

Politisch aktiv war Armin Willingmann in seiner Zeit in Dinslaken noch nicht. In die SPD trat er erst 2008 ein, seit 2009 sitzt der zweifache Familienvater im Stadtrat von Wernigerode. Dieses Amt möchte er auch als Minister weiter ausüben - wenn es die Zeit erlaubt. In Sachsen-Anhalt hat er sich vor allem als Rektor der Hochschule Harz und ab 2008 als Chef der Landesrektorenkonferenz einen Namen gemacht.

Der 53-Jährige war erst nach der Wahl im März 2016 als Staatssekretär ins Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium gewechselt. Nun tritt er die Nachfolge von Jörg Felgner (SPD) an, der aufgrund fragwürdiger Beraterverträge zurückgetreten war. Das Bundesland, in dem Armin Willingmann ein wichtiges Ministerium führt, ist im Gegensatz zu NRW eher ländlich geprägt. Mit Magdeburg und Halle gibt es nur zwei Großstädte in Sachsen-Anhalt, das nur 2,3 Millionen Einwohner zählt.

Der demografische Wandel ist ein noch größeres Problem als im Westen und daher ein beherrschendes Thema - auch in der Wirtschaft. "Die Zahl der Schulabgänger hat sich halbiert", erzählt der Minister. Dadurch fehlt in den Betrieben der Nachwuchs. Was kann die Landesregierung dagegen tun? "Man muss weltoffen sein", sagt Willingmann. "Wir brauchen ausländische Studierende und wir brauchen Programme, die junge Fachkräfte gewinnen." Kein leichtes Thema in einem Bundesland, in dem die AfD bei der letzten Wahl mit 24,3 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU wurde. Mit den Rechtspopulisten, sagt er, müsse man sich politisch auseinandersetzen, "sie da stellen, wo sie ins Deutschtümelnde verfallen. Gerade in der Wirtschaft muss man offen sein, um ausländische Investoren anzulocken." Sein Ziel für die kommende Amtszeit: Existenzgründungen, Unternehmensansiedlungen und eine leistungsfähige Wissenschaftslandschaft fördern sowie die Digitalisierung des Landes durch den Breitbandausbau vorantreiben.

In Sachen Strukturwandel könne man durchaus auf NRW blicken, meint Willingmann. Auch in Dinslaken, stellt er bei seinen Besuchen fest, sehe man, "dass hier ordentlich investiert worden ist." Vieles habe sich seit seiner Schulzeit verändert. Zu den Dingen, an die er sich gerne zurückerinnert, gehört der gute Zusammenhalt in der Oberstufe. Zwar haben fast alle Schulfreunde die Stadt ebenfalls verlassen, doch zu Stufentreffen sehen sich viele der Ehemaligen wieder.

Quelle: RP
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