| 00.00 Uhr

Unsere Woche
Dinslakens Bäder - ein teuer bezahlter Scherbenhaufen

Dinslaken. Warum die Politik aus dem Dornröschenschlaf erwachen und sich endlich der Realität stellen muss.

Die Vorstellung ist ja auch wirklich zu grauslig. Ein schmuckes Dorf verelendet. Über die Sterkrader Straße und den Jahnplatz direkt am noch nicht fertiggestellten neuen Kiosk vorbei treibt wie in alten Westernfilmen ein heulender Wind entwurzelte, verdörrte Sträucher. Kein Kind des Ortes wird mehr schwimmen lernen. Jugendliche, die diese Kunst in den goldenen Zeiten noch erlernt haben, müssen vier, drei, aber mindestens zwei Kilometer zum nächsten Abkühlung verschaffenden öffentlich nutzbarem Nass radeln - sengender Sonne und flirrender Hitze ausgesetzt, denn diese Faktoren lösen ja oftmals den Wunsch nach einem Besuch im Freibad aus. Angekommen, stellen sie dann fest, dass der Platz dort allenfalls dazu reicht, den großen Zeh ins Wasser zu tauchen. Derweil verhökert die Stadt das idyllische Gelände am Rotbach an skrupellose Immobilienhaie, die dort Villen für die Reichen und Schönen aus dem Boden stampfen. Das alles und womöglich noch Schlimmeres wird passieren, wenn man den Szenarien glaubt, die zurzeit von Hiesfeldern in schwärzesten Farben gemalt werden für den Fall, dass das Freibad im Mühlendorf nicht für immer, mindestens aber in alle Ewigkeit erhalten bleibt.

Hiesfeld, lernt der staunende Rest-Dinslakener daraus wieder einmal, ist und bleibt nun einmal der Nabel der Welt. Und - auch dies ist nicht das erste Mal zu erleben - Dinslakens Politik windet sich aus Furcht vor dem angedrohten Liebesentzug der Hiesfelder Wähler und scheut klare Aussagen wie der Teufel das Weihwasser.

Es nützt aber nichts. An eindeutigen Festlegungen geht auf Dauer kein Weg vorbei. Es gibt keine leichte Lösung. Da mögen Realitätsverweigerer wie der Fraktionschef der Linken, Gerd Baßfeld, angesichts der aktuelle Situation noch so oft und laut "Skandal, Skandal" skandieren und fordern, dass jetzt mal eben 260.000 Euro bereitgestellt werden, nur damit das Bad in diesem Sommer noch für ein paar Wochen geöffnet werden kann.

Wer das beschließt, muss wissen, dass er bei dem Zustand des Bades entweder eine gute Viertel Million Euro verbrennt oder eine Vorentscheidung über eine Millionen-Investition ins Hiesfelder Schwimmparadies trifft, die zwangsläufig kommen muss, wenn es tatsächlich auf Dauer erhalten bleiben soll.

Der eigentliche Skandal ist ja auch ein ganz anderer. Der hat begonnen, als die Politik beschlossen hat, in ein neues Umkleidegebäude in Hiesfeld zu investieren - schon damals wohl wissend, dass der Zusammenbruch der Badtechnik nur eine Frage der Zeit sein kann.

Statt dann aber auch B zu sagen und das Bad komplett zu sanieren, hat sie danach die Augen zugemacht und gehofft, dass das, was jetzt eingetreten ist, möglichst lange auf sich warten lässt. Dass die Verwaltung, wiewohl ihr der Zustand des Bades ja nicht verborgen geblieben sein kann, nichts unternommen hat, die Politik aus ihrem selbst verordneten Dornröschenschlaf zu wecken, ist ein anderes unrühmliches Kapitel in der Geschichte des Hiesfelder Bades, das aber nicht unerwähnt bleiben kann. Und dann hat die Politik auch noch zugelassen, dass das Freibad im Volkspark platt gemacht wird, anstatt die Chance zu nutzen, dort mit dem Neubau des DINamare eine nachhaltige Lösung der Bäderfrage im Interesse aller Dinslakener zu ermöglich, was freilich den Mut gebraucht hätte, das Hiesfelder Bad zu schließen.

Herausgekommen ist, wie jetzt zu besichtigen, ein ordentlicher und teuer bezahlter Scherbenhaufen. Die Stadt hat ein Freibad, das für keinerlei sportliche Veranstaltung zu gebrauchen und zudem schlicht und einfach aufgebraucht ist, ein - zwar ohne Frage gut geführtes und attraktives DINamare - das aber wegen der sportlichen und schulischen Aktivitäten, die dort stattfinden, für einen großen Teil der Zeit der Öffentlichkeit nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht und ein Lehrschwimmbecken, das genauso marode ist wie das Hiesfelder Bad und nur mit enormen Betriebskostenaufwand geführt werden kann.

Wenn Politik gewillt sein sollte, die Interessen der Gesamtstadt in den Blick zu nehmen, wird sie sich nun dieser Realität stellen müssen. Sie wird den Bürgern erklären müssen, ob sie tatsächlich Millionen in das Hiesfelder Bad investieren will oder ob sie eine Lösung sucht, die dem Bedarf aller Dinslakener gerecht wird.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: joerg.werner@rheinische-post.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Unsere Woche: Dinslakens Bäder - ein teuer bezahlter Scherbenhaufen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.