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Dinslaken
Dinslakens Grüne sind sich gar nicht grün

Dinslaken. Bei den Dinslakener Grünen ist mal wieder Feuer unter dem Dach. Thomas Koch und Malte Kemmerling, 2014 in den Rat gewählt, haben ihren Austritt aus Fraktion und Partei erklärt. Der Streit bei den Grünen hat Tradition. Von Jörg Werner

27 Jahre war er in der Partei, hat lange für die Grünen im Weseler Rat gesessen, war dort unter anderem Fraktionssprecher und stellvertretender Bürgermeister. Dann ist Thomas Koch 2014 nach Dinslaken gezogen, ist hier für die Grünen in den Rat gewählt worden. Knapp zwei Jahre hat es gebraucht, bis die ihm den Spaß an grüner Politik vergällt haben. Gemeinsam mit Malte Kemmerling hat Koch jetzt seinen Rücktritt aus der Fraktion und Partei erklärt. Seine Begründung: "Das Diskussionsniveau bei Grün ist kommunal derart bodenlos, dass Auseinandersetzungen in der Sache mit Fachinformationen nicht möglich und teilweise auch nicht gewollt sind."

Dabei hätte Koch gewarnt sein können. Die besonderen Verhältnisse bei Grün in Dinslaken haben Tradition. Der Streit auch. Es begann schon 2009, als die Grünen ihre bis dato durchaus erfolgreich arbeitende Fraktion rüde abservierten, was schließlich im Parteiaustritt des damaligen Fraktionsvorsitzenden Professor Dieter Oelschlägel mündete. Bei den Kommunalwahlen 2009 waren die Grünen dennoch erfolgreich, zogen mit sechs Vertretern in den Rat ein. Die Freude sollte nicht lange dauern. Lilo Wallerich und Birgit Emmerich wollten auf Biegen und Brechen ein Bündnis mit den Sozialdemokraten durchsetzen. Helga Franzkowiak, Leonhard Trenz und Rüdiger Schulte-Braucks mochten den Weg nicht mitgehen und verließen die Fraktion, die damit halbiert war. Ihren letzten Mitstreiter in der Fraktion verloren Wallerich und Emmerich im Vorfeld der Kommunalwahl 2014. Bei der Kandidatenaufstellung gab's heftigen Streit. Gerhard Grauvogl-Bruns, der inzwischen seine politische Heimat bei der Dinslakener CDU gefunden hat, sprach von einem Intrigensumpf bei den Dinslakener Grünen, warf dem Ortsverband vor, dass er die Ideale der Grünen verrate und verkaufe und verließ die Partei. Lilo Wallerich und Birgit Emmerich waren in der grünen Fraktion allein zuhaus. Das sind sie nun wieder. Mit dem Austritt von Koch und Kemmerling ist die Fraktion erneut halbiert.

Wie Koch begründet auch Kemmerling seinen Schritt damit, dass ihm "aufgrund der aktuellen Konstellation in und zwischen Fraktion und Partei die Grundlage und die Perspektive für eine künftige konstruktive politische Arbeit" fehle. Der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen. Die Bündnisgrünen seien in den vergangenen siebeneinhalb Jahren seine politische Heimat gewesen. Kemmerling hat 2009 die grüne Jugend in Dinslaken mitgegründet, war bis 2011 in deren Vorstand aktiv. Von Sommer 2010 bis ins Frühjahr 2015 war er Sprecher des Dinslakener Ortsverbandes, bis zuletzt Beisitzer im Vorstand.

Die Fraktionsvorsitzende Lilo Wallerich ist erkrankt und war gestern nicht erreichbar. Ihre Stellvertreterin Birgit Emmerich und die Parteivorsitzende Barbara Muhr wollten sich gestern inhaltlich nicht äußern, kündigten aber für Montag eine Stellungnahme an. Emmerich erklärte, dass sie von den Austrittsabsichten von Koch und Kemmerling nichts gewusst habe, aber mit Blick auf die Diskussionen, die in den vergangenen Wochen mit ihnen in Fraktion und Partei geführt worden seien, auch nicht wirklich überrascht sei. Die Luft für die beiden bei den Dinslakener Grünen sei sehr dünn geworden. Konsequent wäre es von Koch und Kemmerling auch ihr Ratsmandat zurückzugeben.

Das werden sie nicht tun. Koch und Kemmerling wollen, wie sie ankündigten, weiter Politik machen, voraussichtlich eine Fraktionsgemeinschaft bilden und mit eigenen Ideen frischen Wind in die Stadtverordnetenversammlung bringen. Dabei sind sie offen für die Zusammenarbeit mit anderen Ratsmitgliedern.

Quelle: RP
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