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Dinslaken/Voerde/Hünxe
Ehe für alle - bislang nur eine Anfrage

Dinslaken/Voerde/Hünxe. Die Standesämter in Dinslaken, Voerde und Hünxe haben bislang noch keine Ausführungsbestimmungen, wie das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vor Ort umzusetzen ist. Von Heinz Schild

Bislang hat sich bei der Voerder Stadtverwaltung nur ein gleichgeschlechtliches Paar gemeldet, das im vergangenen Jahr seine Lebenspartnerschaft hat eintragen lassen und diese nun in eine Ehe umwandeln will. Bis dieser Wunsch erfüllt werden kann, muss sich das Paar allerdings noch einige Wochen gedulden, denn momentan gibt es noch keine Ausführungsbestimmungen, wie das neue Gesetz über die Ehe für alle umzusetzen ist. "Wir müssen die Paare, die bei uns anfragen, noch etwas vertrösten", erklärte die Beigeordnete Simone Kaspar, die in der Voerder Verwaltung für den Standesamtsbereich zuständig ist. Dort hofft man, bald Klarheit über die Umsetzung zu haben. "Dann gehen wir auf die Paare, die bis dahin bei uns angefragt haben, zu und stimmen mit ihnen die Details ab", so Kaspar weiter.

Frei gemacht wurde der Weg für die Ehe für alle, die es schwulen und lesbischen Paaren ermöglicht zu heiraten, durch den Deutschen Bundestag, der kurzfristig und für viele überraschend schnell das Gesetz zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle beschlossen hat. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause billigte dann auch der Bundesrat die rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare gegenüber Heterosexuellen bei der Ehe. Möglich geworden war die schnelle Entscheidung im Parlament, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel vom grundsätzlichen Nein der CDU in dieser Frage abgerückt war.

Da die Entscheidung, die Ehe für alle zuzulassen, dann recht schnell fiel, führte dies dazu, dass gegenwärtig noch Handlungshinweise fehlen, wie die Umsetzung durch die Standesämter in den Kommunen auszusehen hat.

"Wir hängen etwas im luftleeren Raum, da es noch keine Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz gibt", erklärte Thomas Pieperhoff, Sprecher der Dinslakener Verwaltung. Er geht allerdings davon aus, dass in drei Monaten, also im Oktober, Klarheit herrschen wird und dann die Details für die Umsetzung bekannt sein werden. Bislang hat sich nach seinen Worten noch kein gleichgeschechtliches Paar bei der Dinslakener Verwaltung gemeldet, das die Ehe eingehen will. Beim Standesamt gehe man allerdings davon aus, dass es einen Nachholbedarf geben werde, da eine Ehe im Lebenslauf attraktiver als eine eingetragene Lebenspartnerschaft sei. In Dinslaken wurden im vergangenen Jahr vier Lebenspartnerschaften eingetragen, die gleiche Zahl in diesem Jahr, wie Pieperhof berichtete. In Voerde gibt es aktuell 30 eingetragene Lebenspartnerschaften aus dem Zeitraum 2001 bis 2017. In der Gemeinde Hünxe wurden in den vergangenen 15 Jahren 12 Lebenspartnerschaften eingetragen, davon elf von Frauen, wie Bürgermeister Dirk Buschmann sagte. Anfragen zur Ehe für alle gab es in Hünxe bislang ebenso wenig wie in Dinslaken.

Der Hünxer Rathauschef rechnet nicht mit einer allzu großen Resonanz. "Das Outcoming ist im ländlichen Raum immer noch schwieriger als beispielsweise in einer Großstadt wie Köln. Hier gibt es scheinbar eine große Hemmschwelle, zum Dorfstandesamt zu gehen", meint Buschmann. Er selbst freut sich für die gleichgeschlechtlichen Paare, dass sie künftig die Möglichkeit haben, eine Ehe einzugehen und dann auch rechtlich mit heterosexuellen Paaren gleichgestellt sind.

Auch Bürgermeister Dirk Buschmann weist darauf hin, dass die Rahmenbedingungen für die Umsetzung durch die Verwaltung noch nicht klar geregt seien. Viele Fragen seien noch offen. Bis Oktober dieses Jahres soll mehr Klarheit herrschen. Doch geht Buschmann davon aus, dass auch in der Zeit danach immer wieder nachgebessert werden müssen, bis alles im Detail geklärt sei.

Quelle: RP
 
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