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Neu In Der Stadtbücherei
Ein Fahnder, der den Toten nahe steht

Dinslaken. Der renommierte Schriftsteller Friedrich Ani hatte mit seiner 2002 gestarteten Krimireihe um den knittrigen Münchner Vermissten-Fahnder Tabor Süden durchschlagenden Erfolg, auch bei der literarischen Kritik.

Von den insgesamt 15 Romanen der Reihe wurden den Lesern der Rheinischen Post zwei Titel (aus den Jahren 2012 und 2013) auch hier vorgestellt: "Süden und das heimliche Leben" und "M".

In dem Kriminalroman "Der namenlose Tag" schickt Ani jetzt einen neuen Fahnder ins Münchner Kleine-Leute-Milieu: Jakob Franck, ein eben pensionierter Kriminalkommissar, der in vielen Dienstjahren zu einem einsamen Melancholiker geworden ist, dessen Ehe schon früh scheiterte und der "seinen" Toten nähersteht als den Lebenden.

Francks erster Fall, der es sofort nach Erscheinen auf die Spiegel-Bestsellerliste und auf Platz 1 der Krimi-Bestenliste der "Zeit" geschafft hatte, führt ihn tief in die Vergangenheit zurück: Vor 21 Jahren erhängte sich ein 17-jähriges Mädchen unter ungeklärten Umständen und - ein Jahr später - auch deren Mutter. Franck recherchiert aufs neue, setzt Mosaikstein auf Mosaikstein - und deckt nach und nach eine Familientragödie auf, bei der alle Beteiligten Schuld auf sich geladen haben.

Und je mehr er erfährt, umso dichter wird das moralische Zwielicht, das über den Figuren liegt. Franks Methode bei seinen geduldigen Recherchen ist die "Gedankenfühligkeit", seine Fähigkeit zu genauem Zuhören und zur Einfühlung in seine Gesprächspartner. Nicht selten bringt er aber auch durch sein hartnäckiges Schweigen die Menschen zum Reden.

Friedrich Anis neuer Krimi, vielversprechender Auftakt einer neuen Reihe, ist souverän und bildstark erzählt und voller kluger Einsichten in menschliche Verhaltensweisen und menschlichen Selbstbetrug. Und trotz aller Düsternis bietet der Roman seinem Leser am Ende auch Tröstliches. Dr. Ronald Schneider

Ani, Friedrich: Der namenlose Tag. Roman; Suhrkamp Verlag: 2015.

Quelle: RP
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