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Voerde
Ein Helfer hofft nun selbst auf Hilfe

Voerde: Ein Helfer hofft nun selbst auf Hilfe
Heinz Pötter (auf dem Laster links) im Jahre 2007 mit Helfern beim Beladen eines Lkw mit Hilfsgütern für Rumänien. FOTO: RP-Archivfoto
Voerde. Heinz Pötter gründete den Verein Kinder- und Seniorenhilfe Rumänien, um Menschen in Not das Leben zu erleichtern. Und er engagierte sich dort. Heute geht es dem 57-jährigen Voerder selbst gesundheitlich und finanziell schlecht. Von Heinz Schild

Wenn Heinz Pötter helfen konnte, war er stets zur Stelle. Er hat nie danach gefragt, ob sein Einsatz sich für ihn lohnen würde. Ihm ging es nur darum, anderen Menschen in Not beizustehen, ihnen das Leben etwas zu erleichtern. Der heute 57-jährige Voerder gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Kinder- und Senioren-Hilfe Rumänien. Unter seiner Regie wurden bis 2009 zahlreiche Sattelzüge mit Hilfsgütern nach Rumänien gebracht und dort an bedürftige Menschen ausgegeben.

Heute benötigt Heinz Pötter selbst Hilfe. Körperlich, psychisch und auch materiell geht es ihm schlecht - das Leben hat es nicht gut mit ihm gemeint. "Meine letzten finanziellen Reserven sind aufgebraucht, ich habe nichts mehr." Er ist einsam und leidet unter Depressionen. "Über die Jahre war ich für alle da, habe allen geholfen. Wer ist jetzt für mich da?", fragt Pötter.

Kreislaufprobleme machen ihm gesundheitlich zu schaffen, er ist körperlich entkräftet. Das Treppensteigen bereitet ihm enorme Schwierigkeiten, schon nach ein paar Stufen ist er außer Puste und muss eine Pause einlegen. Seit längerer Zeit bezieht er Krankengeld. "Es reicht für Miete, Strom, laufende Verpflichtungen, zum Leben bleibt so gut wie gar nichts übrig", sagt Pötter. Fleisch kommt bei ihm inzwischen kaum noch auf den Tisch, es ist zu teuer. Er kauft Nudeln - aus dem Sonderangebot. Cola wäre wäre für ihn wegen seines zu niedrigen Blutdrucks manchmal eine Wohltat, doch dies Getränk kann er sich nicht mehr leisten, er greift deshalb zur wesentlich preiswerteren Flasche Mineralwasser. Inzwischen wurde Pötter bei der Tafel in Dinslaken aufgenommen, dort erhält er Lebensmittel. Das hilft ihm, über die Runden zu kommen.

In seiner Familie gab es Zwist und Streitigkeiten. Mit den Frauen hat Pötter kein Glück gehabt, er ist wieder allein. Und diesen Zustand empfindet er als besonders schlimm. "Die Einsamkeit wird von Jahr zu Jahr immer mehr zur Hölle", sagt der 57-Jährige, der sich nach weiblicher Nähe sehnt. Um der Einsamkeit zu entgehen, hat er sich dem Kirchenchor angeschlossen und dort einige schöne Momente erlebt. So gerät Heinz Pötter immer noch ins Schwärmen, wenn er von den Proben und der Aufführung der "Messa di Gloria" von Giacomo Puccini in Dinslaken und Friedrichsfeld erzählt. Mehrfach hat Heinz Pötter versucht, wieder in seinem erlernten Beruf als Bäcker zu arbeiten. Es hat nicht geklappt, andere wurden ihm vorgezogen, wie er sagt. Als Speditionskaufmann hat er ebenfalls schon gearbeitet, rund zehn Jahre fuhr er nebenher Taxi. Zwei Jahre arbeitete er für einen großen Versandhändler. Das habe ihm gesundheitlich den Rest gegeben, sagt Pötter. Seither will ihm der Wiedereinstieg ins Berufsleben einfach nicht gelingen. "Ich würde liebend gern im Büro arbeiten, um eigenes Geld zu verdienen." Er weiß selbst, dass es dazu notwendig ist, dass er körperlich wieder in Bewegung kommt. Massagen und Physiotherapie würden ihm helfen, ist er überzeugt, aber schon die Zuzahlungen kann er sich nicht leisten. Man hat ihm schon nahe gelegt, in Rente zu gehen, aber davon will Pötter nichts hören. Er hofft auf bessere Zeiten.

Gerne denkt er an sein jahrelanges Engagement in der Kinder- und Seniorenhilfe Rumänien zurück und bedauert, dass er den 2003 gegründeten Verein auflösen musste, weil er die Arbeit nicht mehr weiterführen konnte. Vielen Menschen in der rumänischen Stadt Medias konnte er helfen, ihnen dringend benötigte Kleidung, Medikamente, Hilfsmittel und Lebensmittel bringen. Auf einem alten Laptop hat er die frühere Internetseite seines Vereins gespeichert. Die damalige Internetadresse lautete: Helfen macht glücklich. Heinz Pötter macht allerdings keinen glücklichen Eindruck.

Quelle: RP
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