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Dinslaken-Lohberg
Ein Keller voller Geheimnisse

Dinslaken-Lohberg: Ein Keller voller Geheimnisse
Rückkehr an den alten Ausbildungsplatz nach 50 Jahren: Kemal Inan an der Wand des ehemaligen Lehrstollens im Keller des Ledigenheims. FOTO: Lars Fröhlich
Dinslaken-Lohberg. Im Ledigenheim wurden noch vor 50 Jahre Berglehrlinge ausgebildet. Vom Lehrstollen ist nur ein Stückchen Wand geblieben. Von Bettina Schack

Eine Treppe, die geradewegs zum Fenster statt zu einer Tür führt, rauer Putz, der achtlos über eine Wandbemalung gestrichen wurde, Räume, die durch nachträglich eingezogene Wände verkleinert wurden: der Keller des Ledigenheims steckt voller Geheimnisse, die das 100 Jahre alte Gemäuer nach Umbauten und Sanierungen nicht mehr völlig preisgeben wird. Aber hier und da finden sich noch Spuren früherer Nutzungen. Versteckt und nur noch rudimentär erhalten wie verblasste Erinnerungen.

Als Kemal Inan die Keller betritt, kann er seine Enttäuschung nicht verbergen. Ein einzelnes Stück dunkle Wand ist alles, was vom Lehrstollen im Keller des Ledigenheims geblieben ist. Aber sie ist erhalten und belegt, dass im so genannten "Bullenkloster" nicht nur gewohnt und gefeiert wurde: Bis vor 50 Jahren fand dort auch der Unterricht für Bergwerkslehrlinge statt. Und dazu gehörte auch, praktische Fertigkeiten mit dem Umgang mit Holz zu erlernen.

Kemal Inan begann seine Ausbildung 1966 in der Zeit, als auf dem Zechengelände selbst ein Ausbildungszentrum entstand. An den Lehrstollen im Ledigenheim kann er sich allerdings noch erinnern. "Von draußen ging es auf kurzem Weg in den Keller mit dem niedrigen Lehrstollen." Zweimal die Woche kamen die Lehrlinge, die im P-Dorf wohnten und im Schacht Lohberg in der Frühschicht begannen, vorab gelockerte Kohle abzubauen, zum Unterricht in den Keller des Ledigenheims.

Dort lernten sie, wie man Türstöcke baut. Sogenannte deutsche oder polnische, die Zuordnungen beziehen sich auf die Bauweise. Stollen mit Holzkonstruktionen abzusichern, entsprach schon in den 60er Jahren nicht mehr dem Stand der Technik, aber Holz fand unterstützend bis in die 90er Jahre im Bergbau Verwendung, erklärt Kemal Inan.

Doch, wenn er das Material dazu hätte, könnte er noch heute einen Türstock bauen, so Inan. Auch wenn das Interesse damals schon begrenzt war. "Wir wollten weiter kommen und unser Lehrer hat uns dabei sehr unterstützt." Erst Fachabitur, dann Studium. Als er seine Diplomarbeit schrieb, war Inan bereits vom Bergwerk Lohberg nach Osterfeld gewechselt, erst nach der Zusammenlegung lag Lohberg wieder in der Zuständigkeit des Bereichsleiters.

Wie man sich die Ausbildung im Lehrstollen vorstellen muss, davon gibt ein Schwarzweißfoto im Dizeum im Erdgeschoss eine Ahnung. Aber im Keller des Ledigenheims wurde nicht nur für die Arbeit unter Tage gelernt. Janet Rauch schließt einen der vielen, verzweigt liegenden Kellerräume auf: ein langer Schlauch, entlang der Wände ein paar ausgelagerte Büromöbel. Hier vergnügten sich vor Jahrzehnten die Bergleute nach Feierabend auf einer Kegelbahn. Es gab sogar Überlegungen bei der Sanierung des Ledigenheims, diese wiederzubeleben. Aber da von dem historischen Material nichts geblieben ist und auch der Keller nicht für die Öffentlichkeit erschlossen ist, nahm man davon wieder Abstand.

Etwas gibt es allerdings dann im Gang zum alten Kegelbahnraum doch noch zu entdecken: Es sind die Reste einer Wandbemalung. Eine gelbe Fläche, etwas, das aussieht wie die Kennzeichnung einer Eisenbahnstrecke und der Schriftzug Sinop: "Das ist eine Karte der Türkei", stellt Kemal Inan überrascht fest und zeigt auf Linien, die nicht vom Putz verschluckt wurden: "Hier grenzt Georgien an, dort oben ist das Schwarze Meer." Die Karte zeigt die Region der Türkei, aus der die meisten Bergleute nach Lohberg kamen. Von wem die sorgfältig ausgeführte Wandmalerei stammt, kann Janet Rauch nicht sagen, im Ledigenheim kannte man nicht einmal ihre Bedeutung. "Es gibt im Ledigenheim noch so vieles, was es zu entdecken und aufzuarbeiten gilt", sagt Janet Rauch, während es auf einer gewundenen Treppe vom Keller zurück auf den Hof geht.

Quelle: RP
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