| 18.35 Uhr

Voerde
Ein Krippenspiel im Kuhstall

Voerde: Ein Krippenspiel im Kuhstall
Maria (Sabine van Almenkerk) und Josef (André Pfitzner) an der Krippe im Stall von Bethlehem. Der Engel (Diana Döring) weist den Hirten den Weg mit einem Stern. FOTO: martin Büttner
Voerde. Das Ensemble der Waldorfschule Dinslaken gastierte mit dem Oberuferer Christgeburtsspiel auf dem Tinthof in Spellen. Neben den Kühen verfolgten die Besucher die szenische Inszenierung der Weihnachtsgeschichte. Von Florian Langhoff

Es herrscht eine besondere Atmosphäre im Kuhstall auf dem Tinthof der Familie Hülsermann in Spellen. Während die Kühe gemütlich futtern, sitzen die Besucher auf Bänken vor der Bühne. Die ist aus Strohballen gebaut und wird von den Lichtern des danebenstehenden Weihnachtsbaumes sanft beleuchtet. Dann gehen die Lichter im Stall aus und es beginnt eine besondere Aufführung.

Das Ensemble der Freien Waldorfschule Dinslaken kommt geschlossen auf die Bühne. Und dann müssen sich die Zuschauer erstmal auf eine etwas ungewöhnliche Sprache einstellen. Denn das "Oberuferer Christgeburtspiels" wird nicht auf Hochdeutsch gespielt, sondern in "Donauschwäbisch". Es gehört zu einem dreiteiligen Zyklus um biblische Ereignisse, den sogenannten Mysterienspielen, die Mitte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurden. Rudolf Steiner gab eine Fassung der Spiele heraus und regte zu ihrer Aufführung an. So wurde es bereits von den Lehrern der ersten Waldorfschule aufgeführt, und auch an der Freien Waldorfschule Dinslaken folgt man der Tradition.

Kostümprobe im Backstagebereich der Tinthof-Küche. FOTO: büttner

Das von Regisseurin Valerie Moser inszenierte Stück folgt dabei zuerst Maria (Sabine van Almenkerk) und Josef (André Pfitzner) auf ihrem Weg nach Bethlehem. Wie auch aus der Weihnachtsgeschichte bekannt, machen sich die beiden auf den beschwerlichen Weg und suchen in der Geburtsstadt von Josef nach einer Bleibe. Dort werden sie allerdings (im Geburtsspiel teils sehr brüsk) von Wirtsleuten abgewiesen, bis sie schließlich in den Stall gelangen, wo Ochs und Esel das in der Krippe liegende Jesuskind wärmen.

Auf Strohballen haben es sich die Jungen und Mädchen bequem gemacht, um das "Oberuferer Christgeburtsspiel" zu verfolgen. FOTO: büttner

Im zweiten Teil der Handlung geht es dann aber, anders als bei der klassischen Weihnachtsgeschichte, nicht um die Heiligen Drei Könige. Stattdessen stehen hier drei Hirten im Mittelpunkt: Gallus (Valentijn Jansen), Stichl (Thomas Hecker) und Witok (Bärbel Radmacher), die gemeinsam ihre Herde hüten, bevor ihnen ein Engel (Diana Döring) erscheint und sie in Richtung des Stalls nach Bethlehem lotst, wo sie dem Jesuskind ganz eigene Gaben darbieten.

Es ist eine besinnliche Inszenierung, die ohne große Effekte auskommt. Der Fokus liegt zum großen Teil auf dem gereimten Text des Mysterienspiels und den auf der Bühne gezeigten Bildern. Man muss nicht unbedingt jedes einzelne Wort verstehen, um der Aufführung folgen zu können und in die Geschichte einzutauchen. Gerade die Kinder, die nah an der Bühne sitzen, blicken staunend auf die Darsteller. Und die zeigen bei der Aufführung auch hier und da komödiantisches Talent. Besonders die drei Hirten, die sich zwischendurch auch mal mit ihren Stäben duellieren, über die Bühne hüpfen oder durch die Dunkelheit der Nacht tasten und dabei auch mal stolpern, sorgen hier und da für einige Lacher in der Scheune.

Die Handlung des Stückes wird dabei zwischen den einzelnen Szenen immer wieder durch Lieder ergänzt. Meist ist es das ganze Ensemble, das begleitet von Antje Beer (Klavier) und Anja Dreizehnter (Querflöte) entweder auf der Bühne singt oder in einer kleinen Prozession singend von der Bühne an den Zuschauern vorbei und wieder zurückzieht.

Aber zwischendurch stehen die Akteure auch als Gesangssolisten auf der Bühne. So lässt Diana Döring in ihrer Rolle als Engel ihre helle und klare Singstimme bei dem Lied "Es ist ein Ros' entsprungen" erklingen und verzaubert damit die Zuschauer. Und auch andere mehr oder weniger bekannte Weihnachtslieder tönen während des Stückes durch den Kuhstall.

"Fürchtet Euch nicht!", verkündet der Engel am Ende des Stücks und das ganze Ensemble marschiert ein letztes Mal, vorbei an den Zuschauern, aus dem Kuhstall hinaus, zurück in den "Backstagebereich" der Tinthof-Küche. Die gut 60 Gäste im Kuhstall erheben sich von ihren Plätzen und applaudieren. Die meisten lassen am Ausgang des Stalls noch eine Spende für die Darsteller da oder genießen Kakao und Waffeln gegen eine Spende zu Gunsten des Projekts "Vom Leben lernen" der Waldorfschule Dinslaken.

Quelle: RP
 
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