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Kolumne Neu In Der Stadtbibliothek
Ein Leben im gesellschaftlichen Abseits

Dinslaken. Mit seinem Romandebüt "Kronhardt" wurde Ralph Dohrmann auf Anhieb für den Leipziger Buchpreis 2013 nominiert. Im Mittelpunkt seines zweiten Romans, "Eine Art Paradies", steht (erneut) eine Aussteiger-Figur: Walter von Quant, ein wohlhabender Mann in mittleren Jahren, hat sich seit dem rätselhaften Selbstmord seiner Frau aus der Gesellschaft zurückgezogen.

Er lebt in einem einsamen Haus am Rande der Stadt, ohne Fernsehen, Telefon oder Computer und liest nicht einmal mehr eine Zeitung. Er ist glücklich, wenn er in seinem Garten sitzt und unter einer riesigen Pappel die Natur beobachtet und vor sich hin sinniert. Nur einmal im Jahr geht er in die Stadt, um den Geburtstag seiner Frau mit alten Freunden zu feiern. Doch diesmal läuft alles anders, weil eine Frau seinen Weg kreuzt, die ihn sofort in ihren Bann zieht - und rasch wieder verschwunden ist. Damit beginnt ein unfreiwilliger Weg zurück in die hektische moderne Lebenswelt, mit vielen turbulenten Verwicklungen. Am Ende zieht sich Walter wieder in seine Einsamkeit zurück, doch die Sehnsucht nach dieser unbekannten Frau nimmt er mit...

Der ganz abseits vom literarischen Mainstream liegende und dennoch absolut lesenswerte Roman kritisiert auf eindrucksvolle Weise die digital dominierte Lebenswirklichkeit von heute und besticht mit seinen Naturbeschreibungen und seinen fast idyllischen Szenen eines Lebens im gesellschaftlichen Abseits.

Und doch ist "Eine Art Paradies" keineswegs ein Plädoyer für den Rückzug aus der Gesellschaft, der immer gleichzeitig eine Preisgabe der Verantwortung für ein gewachsenes Lebensumfeld ist. Es muss einen dritten Weg geben - den zu suchen dem Leser aufgetragen wird und für den der märchenhafte Schluss des Romans immerhin einen wichtigen Fingerzeig gibt.

DR. RONALD SCHNEIDER

Dohrmann, Ralph: Eine Art Paradies; Arche Verlag: 2015.

Quelle: RP
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