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Reportage Am Montag
Ein letztes Mal die Gartenpforte öffnen

Reportage Am Montag: Ein letztes Mal die Gartenpforte öffnen
Inge Bandstäter in ihrem Garten in Hünxe. Auf 1850 Quadratmetern wachsen hier Bäume, blühen Sträucher, breiten sich Blumen aus. FOTO: Florian Langhoff
Dinslaken. Seit 13 Jahren lädt Inge Brandstäter regelmäßig Besucher zu Kaffee und Kuchen in ihre grüne Oase am Binnenbruchweg in Hünxe ein. In diesem Jahr beteiligt sie sich zum letzten Mal an der Aktion. Von Florian Langhoff

Die Sonne scheint und das Blütenmeer im Garten von Inge Brandstäter am Hünxer Binnenbruchweg leuchtet in allen Farben von Sonnengelb bis Dunkelblau. Sobald die Sonne auf den großen Gartenteich fällt, beginnen die Frösche lautstark zu quaken. Die Besucher des Gartens sitzen am Rande des Teichs in der Gartenlaube und blicken auf die Blütenpracht oder schauen den Fröschen zu. "Die Frösche höre ich schon gar nicht mehr, so sehr habe ich mich an sie gewöhnt", sagt Inge Brandstäter.

Seit 13 Jahren lässt sie zur Offenen Gartenpforte immer wieder Besucher in ihren Garten. Und der hat es in sich: Auf 1850 Quadratmetern wachsen hier Bäume, blühen Sträucher, breiten sich Blumen aus. Und das bedeutet vor allem eins: jede Menge Arbeit. "Für gewöhnlich bin ich im Frühling und Sommer täglich mehrere Stunden im Garten", sagt Inge Brandstäter. "Die Arbeit hört eigentlich nie auf."

Ein Strandkorb überm Gartenteich - nur einer von vielen Plätzen, die in Inge Brandstäters grüner Oase zum Verweilen einladen. FOTO: Langhoff Florian

Und das seit beinahe 50 Jahren. Vor 48 Jahren hatte sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann Erwin angefangen, den Garten aufzubauen. "Der Vater meines Mannes war Gärtner und daher hatte mein Mann sehr viel Spaß am Garten", erzählt Inge Brandstäter. Und der wuchs mit der Zeit immer weiter. Einige Jahre nachdem sie ins Haus gezogen waren, wurde der Gartenteich angelegt und dann entwickelte sich das Grün rund ums Haus einfach jedes Jahr ein Stück weiter. "Ich weiß gar nicht, wie viele unterschiedliche Pflanzen hier im Garten stehen", erzählt Inge Brandstäter. Das man bei einer Gartenfläche von gut 1850 Quadratmetern mal den Überblick verliert, ist aber auch nicht weiter verwunderlich.

Auf Entdeckungsreise können die Besucher des Gartens gehen. Über einen Pfad aus Rindenmulch geht es rund um die zahlreichen Bäume und Sträucher. Überall begegnen den Menschen, die im Garten auf Erkundungstour gehen, bunte Blüten und zahlreiche kleine und große Keramikobjekte: Mal sind es Spechte, die an den Stämmen der Bäume zu picken scheinen, dann wieder kleine Keramikblumen, die aus den Büschen wachsen.

Und überall gibt es Nischen, in denen Bänke oder Stühle mit kleinen Tischen zum Ausruhen und Genießen einladen. "Eigentlich sollte man sich viel öfter mal einfach in den Garten setzen", sagt Inge Brandstäter. "Aber immer, wenn ich hier sitze, sehe ich direkt wieder etwas, das gemacht werden muss", erklärt die Gartenbesitzerin. Diese andauernde Arbeit ist es auch, die bei ihr zu der Entscheidung geführt hat, sich in Zukunft nicht mehr an der offenen Gartenpforte zu beteiligen. "Es musste ja immer alles auf den Punkt fertig sein.

Ab dem kommenden Jahr kann ich mir mehr Zeit lassen", sagt Inge Brandstäter. Bisher war in der Woche vor der Offenen Gartenpforte der Wetterbericht ihr ständiger Begleiter. "Wenn es regnet oder zu heiß ist, kommt natürlich kaum jemand, um den Garten anzuschauen, und dann ist die Vorbereitung umsonst", sagt die Gartenbesitzerin.

Denn die bietet ihren Gästen nicht nur einen schönen Garten, sondern auch Kaffee, Kuchen und auch gerne ein Glas Wein an. Auch die Sitzgelegenheiten wollen vorbereitet sein. Künstlerin Ines Hassmann, die für die meisten Keramikobjekte im Garten verantwortlich ist, stellt diese zur Offenen Gartenpforte auch seit zehn Jahren im Garten aus und muss diese natürlich auch vorher Aufstellen. Sie wird die Wochenenden im Garten von Inge Brandstäter vermissen. "Vielleicht komme ich dann privat mal her", sagt sie.

Fehlen wird Inge Brandstäter selbst auch etwas. Das Leben, das ihren Garten zu den Tagen, an denen die Offene Gartenpforte stattfindet, erfüllt. "Ich habe in den Jahren so viele Menschen kennengelernt und es ist natürlich schön, wenn so viele Menschen herkommen und im Garten etwas los ist", sagt sie. Neben dem Aspekt, dass sie sich die Zeit in ihrem Garten jetzt etwas freier einteilen kann, als noch zuvor, gibt es aber auch etwas anderes, auf das sie sich in Zukunft freut. "Jetzt habe ich endlich mal Zeit und Gelegenheit, mir zur Offenen Gartenpforte mal die anderen Gärten anzusehen, die man besuchen kann", sagt sie und freut sich darüber.

Wer Inge Brandstäters Garten (Binnenbruchweg 15, Hünxe) selbst genießen möchte, hat am Samstag, den 17. Juni (14 bis 18 Uhr) und Sonntag, den 18. Juni (11 bis 18 Uhr) noch ein letztes Mal die Gelegenheit dazu.

Quelle: RP
 
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