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Kolumne Neu In Der Stadtbibliothek
Ein literarischer Mafia-Roman

Dinslaken. Der 1966 in Kalkar am Niederrhein geborene und seit Jahren in Berlin/Prenzlauer Berg wohnende Christoph Peters ist den RP-Lesern als virtuoser Romancier schon mehrfach empfohlen worden. Seine letzen beiden Romane "Mitsukos Restaurant" (2009) und "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln" (2014) stehen thematisch und motivisch ganz im Zeichen der Vorliebe des Autors für die japanische Kultur. Ihre Spannung und Dramatik schöpfen sie aus dem Zusammenprall zweier sich sehr fremder Kulturen: der deutschen und der japanischen.

Mit "Der Arm des Kraken" legt Peters zum 1. Mal einen echten Thriller vor, der den Ansprüchen des Genres voll gerecht wird und sie gleichzeitig listig unterläuft. Auch hier geht es um die Konfrontation zweier sich fremder Kulturen und zweier denkbar konträrer Denk- und Verhaltensweisen, personifiziert in den beiden Protagonisten des packend erzählten Krimis: einer deutschen Kommissarin, die mit ihren beruflichen und privaten Misserfolgen hadert, und einem japanischem Yakuza-Killer, der sich selbst in der Tradition der Samurai sieht.

Die Auffindung eines Japaners mit auffälliger Tätowierung in einem Ost-Berliner Park setzt nicht nur die ermittelnde Kommissarin vom Berliner Vietnam-Dezernat in Bewegung, sondern auch Fumio Onishi, den ausgebildeten Schwertkämpfer und Tötungsprofi, der von der japanischen Mafia nach Berlin geschickt wurde, um den Mord aufzuklären und zu rächen. Die Ermittlungen beider führen in die arabisch-vietnamesische Geschäftswelt am Prenzlauer Berg, mit ihren vielen (meist leeren) Restaurants und Geschäften und ihren mafiösen Verstrickungen.

Während die Kommissarin von Anfang an auf der richtigen Spur ist, aber von ihren Vorgesetzten ausgebremst wird, hinterlässt der Killer eine breite Blutspur unter der Vietnamesen-Mafia am Prenzlauer Berg. Die Sympathien des Erzählers gehören dabei sichtlich dem Japaner, der denkt und agiert wie ein moderner Samurai. Und dem Autor macht es sichtlich Spaß, seinen biederen Berliner Kiez zum Schauplatz brutaler Verbrechen zu machen!

Ein rundum empfehlenswerter Krimi, dessen literarische Bezüge der Kenner mit Vergnügen aufspüren wird und der spannend bleibt bis zum furiosen Schluss.

DR. RONALD SCHNEIDER

Petere, Christoph: Der Arm des Kraken. Roman; Luchterhand Verlag: 2015.

Quelle: RP
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