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Dinslaken
Ein Stadtplaner an der Supermarktkasse

Dinslaken: Ein Stadtplaner an der Supermarktkasse
Kehinde Sobamowo aus Nigeria fühlt sich bei Kerstin und Jens Büscher im Hiesfelder Supermarkt wohl FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Kehinde Sobamowo ist aus Nigeria geflohen und will sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen. Nun hat er beim Edeka-Markt Büscher in Hiesfeld einen Ausbildungsplatz gefunden.

"Alles wird gut" - das ist das Motto des 42-jährigen Kehinde Sobamowo. Bis jetzt ist der Nigerianer damit gut gefahren. Vor sechs Jahren musste der Christ vor den Gewalttaten in seiner Heimat fliehen. Er lebte fünf Jahre in der Unterkunft Fliehburg, lernte die deutsche Sprache, die Kultur, das gewöhnungsbedürftige Essen kennen und hat mittlerweile seine eigene Wohnung. Nun hat sich ein weiterer Wunsch erfüllt: Im Edeka-Markt Büscher in Hiesfeld hat Kehinde, genannt "Kenny", einen Ausbildungsplatz gefunden - und ist damit seinem Ziel, ein selbstständiges Leben in Deutschland führen zu können, ein gutes Stück näher gekommen.

Bei der Suche nach einer Lehrstelle hat Kehinde Sobamowo Unterstützung von Käthi Klein bekommen, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert und "Kenny" vor fast einem Jahr kennen lernte. Sie vermittelte den Kontakt zur heutigen Arbeitsstelle, wo sich der Nigerianer, der im August seine Lehre antrat, sehr wohl fühlt. Der Umgang mit den Menschen im Markt mache ihm viel Spaß, berichtet er. "Die älteren Kunden machen immer Spaß mit mir." Und Käthi Klein weiss, dass der Azubi wegen seiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gut ankommt. Auch die Arbeitgeber wissen ihn zu schätzen, freuen sich über einen guten neuen Mitarbeiter.

Der Weg, den der 42-Jährige hinter sich hat, war lang und mitunter steinig: In seiner Heimatstadt Lagos hat er Stadtplanung studiert, doch der Abschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Vor sechs Jahren musste er seine Heimat verlassen. In seiner christlichen Gemeinde bemühte Kehinde Sobamowo sich um Frieden zwischen Christen und Moslems. Doch Extremisten brannten die Kirche nieder. Es gab Tote und Verletzte, berichtet der Nigerianer. Auch sein Leben sah er in Gefahr. "Ich war ja bekannt in meiner Gemeinde." So entschloss er sich zur Flucht.

In Deutschland empfand er anfangs vieles als fremd. Die Sprache war eine große Hürde, obwohl er perfekt englisch spricht, auch die Kultur und das Essen waren völlig anders. "Die Koteletts hat er anfangs nicht gegessen, sondern mit nach Hause genommen", berichtet Käthi Klein von gemeinsamen Mahlzeiten. Aus Höflichkeit - essen wollte er sie anfangs nicht. Mittlerweile hat er sich an die deutsche Küche gewöhnt, kocht aber zu Hause noch die gewohnten Gerichte, die häufig mit Bohnen, Reis, Kochbananen oder Süßkartoffeln zubereitet werden. Ein Stück Heimat findet Kehinde Sobamowo auch in der afrikanischen Gemeinde in in Düsseldorf, wo er im Kirchenchor singt und trommelt. Nach seiner Ankunft in Deutschland hat der 42-Jährige einen Entschluss gefasst: "Wenn man hier leben will, muss man die Sprache lernen". Er besuchte mehrere VHS-Kurse. Seit Januar besitzt er eine Arbeitserlaubnis, war zunächst als Minijobber im Gartenbau tätig. Sein Ziel war jedoch ein fester Job: "Ich wollte etwas, das mir eine sichere Zukunft bringt. Deshalb habe ich mir überlegt, eine Ausbildung zu machen". Drei Jahre dauert nun der Weg zum Einzelhandelskaufmann, zweimal die Woche besucht er das Berufskolleg. Von staatlicher Hilfe leben will der Asylbewerber nicht mehr - sondern sich dauerhaft ein eigenes Leben in Deutschland aufbauen. Ein Wunsch muss dafür noch in Erfüllung gehen: Über seinen Asylantrag ist immer noch nicht entschieden, obwohl Kehinde Sobamowo seit 2010 in Deutschland lebt. Manchmal, sagt er, habe er Angst, wenn er seine Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen muss. Aber er bleibt zuversichtlich, dass sein Verfahren bald positiv entschieden wird und er sein Leben langfristig planen kann. Auch da vertraut er auf sein Motto: "Alles wird gut".

(rme)
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