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Hintergrund
Ein Vierteljahrhundert unter dem Caritas-Kreuz

Dinslaken. Am 1. Juni 1999 hat Michael van Meerbeck seinen Dienst beim Caritasverband Dinslaken angetreten. Im Gespräch mit der Rheinischen Post erzählt er davon, was er in diesen Jahren erfahren hat und was ihn und den Verband, den er führt, antreibt. Von Jörg Werner

Dinslaken Der Verband war klein. Eine Sozialstation, ein paar Zivildienstleistende, einige wenige Verwaltungskräfte, Guido Busch im Düppelpunkt und drei Mitarbeiter im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Möbellager, das sich damals in der Fliehburg befand - alles in allem rund 30 Köpfe. Die Geschäfte führte ehrenamtlich Bernhard Groß, Werner Cornelissen war Vorsitzender. Und es gab so recht keine Bezeichnung für das, was Michael van Meerbeck bei der Caritas tun sollte. Deswegen, so erinnert er sich, erfand er sich seine Berufsbezeichnung kurzerhand erst einmal selbst. Michael van Meerbeck begann seinen Dienst als "Pädagogischer Leiter", wurde dann dem ehrenamtlichen Geschäftsführer als hauptamtlicher Stellvertreter zur Seite gestellt. Offiziell Geschäftsführer ist der heute 52-Jährige seit 1996. An den Zeitpunkt, wann aus dieser Bezeichnung Caritasdirektor wurde, kann Michael van Meerbeck, sich nicht mehr genau erinnern. Der Titel ist ihm aber auch egal. Sein Beruf, so sagt er, ist ihm Berufung - auch wenn sich der Verband aus sehr kleinen, "sehr familiären" Strukturen zu einem mit großer Professionalität agierenden Dienstleister, der über 1000 Mitarbeiter beschäftigt, entwickelt hat. Dienstleister freilich ist ein Wort, das van Meerbeck nicht so gerne hört. Es ist ihm zu kalt, zu unpersönlich. Die Caritas, das ist ihm wichtig, ist immer in erster Linie im Zeichen der Nächstenliebe unterwegs. Ihr Grundpfeiler ist der katholische Glaube, auch wenn sie selbstverständlich auch Mitarbeiter anderer Religionszugehörigkeit beschäftigt. Dass der Verband derart gewachsen ist, ist dann auch weniger der Übernahme der damals ähnlich strukturierten Weseler Caritas und der damit verbundenen Ausweitung des Tätigkeitsfeldes auf neben Dinslaken, Voerde und Hünxe die Kommunen Wesel, Hamminkeln und Schermbeck geschuldet, sondern erklärt sich aus dem auf christlicher Nächstenliebe beruhenden Anspruch der Caritas, gesellschaftliche Entwicklungen wahrzunehmen, auf sie zu reagieren und Hilfe zu leisten, wo sie gebraucht wird.

"Wir haben immer mit eigenen Konzepten Veränderungen begleitet, haben beispielsweise, als die Gesetzesänderung es ermöglich hat, entsprechende Angebote in der Jugendhilfe entwickelt", berichtet van Meerbeck. "Wir haben damit angefangen, eine Demenzberatung aufzubauen, als die Dringlichkeit dieses Themas noch gar nicht so recht im staatlichen Handeln angekommen war." Aus solchen Anfängen habe sich dann im Laufe der Zeit ein immer umfassenderes Angebot entwickelt, einfach weil der Bedarf da gewesen sei. "Der Caritasverband, das kann man in allen Kommunen sehen, in denen wir aktiv sind, ist da, wo die Menschen sind und wo sie unsere Hilfe brauchen", sagt der Caritasdirektor. "Es geht uns nicht um Wachstum, Mitarbeiterzahl oder wirtschaftliches Ergebnis, auch wenn wir uns natürlich solide finanzieren müssen. Caritas will liebende Kirche sein." Und deswegen baue und betreibe der Caritasverband Pflegeheime, führe Kindergärten oder Wohngruppen für psychisch Kranke, habe von der Altenhilfe bis hin zu den Cafés für an Demenz Erkrankte und ihre Angehörigen ein vielfältiges Angebot an ambulanten Hilfen aufgebaut.

Dass er nach 25 Jahren an der Spitze des Caritasverbandes zufrieden Bilanz ziehen kann, ist für van Meerbeck das Verdienst vieler, die seine Arbeit stets unterstützt haben. Da nennt er Politiker wie Horst Vöge, Kirchenmänner wie Bischof Reinhard Lettmann und Weihbischof Heinrich Janssen und - allen voran - die Mitarbeiter seines Teams.

Der Caritasdirektor verhehlt aber auch nicht, dass es aus seiner Sicht Tendenzen gibt, die die Arbeit des Verbandes schwerer werden lassen. "Das Prinzip der Subsidiarität war früher im politischen Handeln verankerter. Heute erleben wir, dass der Staat immer mehr an sich ziehen will, weil er glaubt, dass er es besser kann." Dabei sei doch gerade erst in der so genannten Flüchtlingskrise deutlich geworden, dass dies ein Irrglaube ist. "Wenn wir eines aus der Flüchtlingskrise lernen können, dann doch, dass es der Staat nicht alleine kann. Der Staat hat nur gemeinsam mit allen gesellschaftlich Handelnden von den vielen, die sich als Einzelne ehrenamtlich engagiert haben, über die Kirchen und die Verbände der freien Wohlfahrtspflege die Situation bewältigen können", sagt van Meerbeck. Seine Kritik bezieht der Caritasdirektor insbesondere auf die Bundes- und Landesebene. Bei den politisch Handelnden in den Kommunen sieht er dagegen immer noch die Bereitschaft zur verlässlichen Partnerschaft.

Die persönliche Bilanz des Caritasdirektor nach 25 Jahren fällt auf jeden Fall mehr als positiv aus: "Ich habe das Glück gehabt, eine berufliche Aufgabe zu finden, die ich aus voller innerer Überzeugung tun kann. Das, was ich tue, ist für mich deswegen nicht richtig Arbeit, sondern Teil eines erfüllten Lebens."

Quelle: RP
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