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Reportage Am Montag
Einbrechern einen Riegel vorschieben

Reportage Am Montag: Einbrechern einen Riegel vorschieben
Einbrecher haben es meist eilig. Wenn sie zuviel auf komplizierte Schutzvorrichtungen stoßen, ergreifen sie schnell die Flucht. Horst Salzbrunn, Ursula von der Eltz, Ulrike Grabowski von der Verbraucherberatung und Kriminalhauptkommissar Markus Köper im Beratungsgespräch. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Im Herbst beginnt die Hochsaison für Einbrecher. In der Verbraucherzentrale Dinslaken informierte die Kreispolizei Wesel im Rahmen der Aktion "Riegel vor! Sicher ist sicherer" Bürger, wie man sich vor ungebetenen Gäste schützen kann. Von Florian Langhoff

Dinslaken Oft kommen die Einbrecher in der Dunkelheit. Sie hebeln Terrassentüren oder Fenster auf, durchwühlen die Wohnung und ziehen mit der Beute wieder ab. Herbst und Winter sind die Hochsaison für Einbrecher. "Mit der Zeitumstellung steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche stark an", sagt Kriminalhauptkommissar Markus Köper vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizei Wesel. Er sitzt in der Vebraucherzentrale Dinslaken an einem kleinen Tisch im Beratungsraum und wartet auf Besucher, die sich im Rahmen der Aktion "Riegel vor! Sicher ist sicherer!" von ihm beraten lassen möchten.

"Eigentlich müssen die Bürger erst zu uns kommen", berichtet Köper. Drei mal pro Woche bietet die Kreispolizei zu unterschiedlichen Uhrzeiten Gruppenberatungen zum Thema Einbruchsschutz. "Wir geben den Menschen dann immer eine Liste mit Unternehmen mit, die entsprechende Leistungen anbieten, die das Zuhause sicherer machen", erklärt er. Erst wenn Haus oder Wohnung dann auf dem neusten Stand der Technik sind, kommen die Polizeibeamten vorbei und kontrollieren alles. Dann gibt es eine Plakette, die das Haus als sicher ausweist. "Seit es diese Plakette gibt, wurde in keines der Häuser eingebrochen, das diese Plakette hat", erzählt Markus Köper. Außerdem kann die Plakette auch einen netten Zusatzeffekt haben: "Manche Versicherer geben zwischen zehn und fünfzehn Prozent Rabatt bei der Hausratversicherung, wenn man diese Plakette hat", sagt der Kriminalhauptkommissar.

Natürlich kann die Plakette auch einfach eine abschreckende Wirkung auf die Täter haben. Die müssen nämlich davon ausgehen, dass sie bei einem abgesicherten Objekt zu viel Zeit investieren müssten, um ins Haus zu gelangen. Um das zu verhindern, sollte man vor allem in die richtige Mechanik investieren. "Die meisten Täter versuchen erstmal die Fenster aufzuhebeln", erklärt Markus Köper. Wenn diese gegen das Aufhebeln mechanisch gesichert sind, folgt im nächsten Schritt ein kleines Loch in die Scheibe zu stechen, um an den Fensteröffner zu kommen. Ist der mit einem Schloss gesichert und lässt sich somit nicht betätigen, werfen die meisten Täter das Handtuch. "Die Mechanik verhindert 99 Prozent aller Einbruchsversuche", sagt der Kriminalhauptkommissar. Das Runterlassen von Rollos hält er allerdings für gefährlich. "Man sollte den Tätern nie zeigen, dass man nicht zu Hause ist", sagt er. Dann lieber mit Zeitschaltungen dafür sorgen, dass die Beleuchtung sich verändert oder Rollos automatisch hoch- und runtergefahren werden. Weitere Sicherheitsmaßnahmen wie etwa eine Alarmanlage können auch sinnvoll sein. "Man muss jeweils individuell schauen, was sich an einem Haus umsetzen lässt, wie die Lage vor Ort ist und auch, wie viel Geld die Bewohner ausgeben können", erklärt der Kriminalhauptkommissar. Denn die Kosten für die Sicherungsmaßnahme sind natürlich immer vom Wohnobjekt abhängig, das gesichert werden soll. So kommen für ein Einfamilienhaus zum Beispiel im Durchschnitt Kosten von 3500 Euro zusammen. Wer allerdings gerade neu baut oder sein Haus renoviert, der kann natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So bietet die Verbraucherzentrale parallel zum Angebot der Kreispolizeibehörde auch eine Energieberatung an. "Die Polizei kümmert sich um den Sicherheitsaspekt und wir können dann etwas zur Qualität der Fenster sagen", erklärt Ulrike Grabowski, Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW in Dinslaken. Dabei kann man beim Thema Sicherheit auch gefördert werden. "Die KfW-Bank fördert Investitionen in die Sicherheit im Moment. Bis 1000 Euro gibt es 20 Prozent zurück, zwischen 1000 und 15.000 Euro zehn Prozent", erklärt Kriminalhauptkommissar Markus Köper. Zur Beratung durch den Kriminalbeamten ist auch Ursula von der Eltz zur Verbraucherzentrale gekommen. "Herr Köper war schon bei mir in der Wohnung und hat mich beraten. Jetzt habe ich mir ein Angebot geholt und wollte mich erkundigen, ob das so in Ordnung ist", erklärt die 70-Jährige. Punkt für Punkt geht der Kriminalbeamte mit ihr die Liste durch. "Ich finde es schlimm, dass man heutzutage solche Maßnahmen ergreifen muss. Ich erinnere mich noch an Zeiten, da hat man seine Tür nicht so abschließen müssen", sagt Ursula von der Eltz. Nach einigen Minuten Beratungsgespräch ist sie dann allerdings beruhigt. "Wenn das jetzt auch alles bei mir so eingebaut wird, dann fühle ich mich in meiner Wohnung auch wieder richtig sicher", sagt sie. Die Beratung durch die Kreispolizei hat ihr also weitergeholfen.

Quelle: RP
 
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